Mit Gölä am «Moon&Stars» «Ich brauche die Kohle»

Beim Festival Moon&Stars steht Gölä, 49, für lange Zeit zum letzten Mal auf der Bühne. Im exklusiven Interview mit der «Schweizer Illustrierte» erzählt er von seinem Lampenfieber, seiner Liebe zu seiner Familie und zu seiner Schweizer Heimat.
Gölä Moon and Stars 2017
© ADRIAN BRETSCHER

Musiker Gölä am Moon&Stars 2017. Sobald er auf der Bühne steht, gibt es für die 10 000 Fans kein Halten mehr.

Gölä, du spielst dein letztes Konzert in diesem Jahr am Festival Moon&Stars in Locarno. Bist du ein bisschen wehmütig?
Nicht wirklich. Ich bin kein Fan von Live-Gigs, weil ich einfach nicht gerne auf der Bühne stehe. Ich versuche, so wenig Konzerte wie möglich zu machen. Mein Manager hat einen harten Job und muss mich immer zu solchen Auftritten überreden. Aber in diesem Jahr war ich so viel auf der Bühne wie schon ewig nicht mehr.

Für die meisten Musiker gibt es nichts Schöneres als den direkten Kontakt mit dem Publikum …
Meine Fans können ja eine CD kaufen (lacht). Ich bin halt kein Künstler. Ich kann damit nichts anfangen. Ich habe gerne meine Ruhe und meinen Frieden. Ich weiss, das hört sich blöd an, aber ich mache ja Musik für mich. Wenn ich ein Lied schreibe, denke ich nicht darüber nach, ob das dann jemandem gefällt. Ich schreibe meine Lieder für meine Frau oder wenn mich etwas beschäftigt im Leben. Der ganze Künstlermist ist nichts für mich. Manchmal denke ich, dass die Leute da draussen glauben, das gehöre zu meinem Image, aber das ist nicht so. Ich bin einfach lieber zu Hause bei meiner Familie und dort am Werken. Ich habe gar nicht gerne viele Menschen um mich.

Von unseren Politikern möchte ich auch mal hören: Switzerland first!

Trotzdem bist du musikalisch sehr produktiv …
Ich liebe es, im Studio zu arbeiten. Da habe ich meine Ruhe. Jetzt habe ich grad eine Jodlerplatte fertig. Das war etwas ganz Neues für mich. De Gölä jodlet – das war richtig cool! Ich habe immer Phasen, da mach ich Musik, bis es mir fast verleidet. Dann muss ich zurück nach Hause. Dort werde ich wieder zum Bauern und nehme meine Gitarre oft monatelang nicht in die Hände. Bis ich plötzlich wieder ein Ziehen verspüre und sage: «Mutti (seine Frau Heidi), heute muss ich ins Studio!» Und dann kommen die Lieder und Texte: zägg, bum. Wenn ich genug Songs zusammenhabe, von denen ich denke, dass sie nicht nur scheisse sind und meine Fans vielleicht Freude dran haben, mach ich eine neue Platte.

Gölä Moon and Stars 2017
© ADRIAN BRETSCHER

Ruhe vor dem Sturm: Für Gölä ist es bis Ende 2018 das letzte Konzert. «Zu Hause werde ich wieder zum Bauern.»

2018 ist ein wichtiges Jahr für dich. Zwanzig Jahre Gölä. Das wird sicher ein vollgepacktes Jahr?
Ich verstecke mich glaub am besten bis Ende Jahr! Am 1. Dezember 2018 gebe ich ein Jubiläumskonzert im Hallenstadion, das muss reichen. Denn nächstes Jahr wird gebaut. Du willst nicht wissen, wie es bei uns aussieht. Wir haben keinen Stromanschluss, keinen Wasseranschluss. Ich mache ja fast alles selber. Ich musste sogar eine eigene Abwasseranlage bauen. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Manchmal hilft auch noch Mutti beim Betonieren. Wenn die Kinder im Bett sind, hilft sie mit dem Abrieb. Meine Familie soll ja nicht ewig auf einer Baustelle leben.

Wenn du so ungern in der Öffentlichkeit stehst, warum machst du es dann?
Weil ich die Kohle brauche, darum (lacht). Ich muss ja irgendwie den Beton, den Bagger und alles andere bezahlen.

Meine Familie hat erste Priorität, und nichts anderes!

Du hast in einem Interview gesagt, dass du der Trump der Schweiz bist. Denkst du heute immer noch so?
Das war ironisch gemeint. Was ich damit eigentlich sagen wollte, ist, dass diese selbstherrlichen Politiker in Bern, deren Lohn wir bezahlen, unsere Angestellten sind. Von ihnen möchte ich auch mal hören: Switzerland first! Sie sollten zuerst das Beste für ihr Volk wollen und nicht das Beste für die EU oder Amerika. Wir können hier in der Schweiz im Wohlstand leben, weil unsere Vorfahren so hart gearbeitet haben und mutig waren. Wir machen uns vor anderen Ländern klein, das verstehe ich nicht. In unserem Land darf man langsam keine eigene Meinung mehr haben, ohne als Rassist bezeichnet zu werden. Ich habe damals bei Obamas Wahl zum Präsidenten sogar ein Obama-Shirt getragen und hatte eine Riesenfreude. Aber nachher musste ich leider erkennen, dass er nicht besser als seine Vorgänger ist.

Gölä Moon and Stars 2017
© ADRIAN BRETSCHER

Die volle Piazza Grande in Locarno beim «Moon&Stars»-Konzert von Gölä.

Du verkörperst den typischen Schweizer. Denkst du so, weil du dich als Büezer siehst?
Was den Anstand betrifft, den ich von meinen Eltern gelernt habe, ja, da bin ich ein richtiger Schweizer. Aber sonst bin ich ein Weltenbürger. Ich würde sogar mit einem Alien Freundschaft schliessen. Ich habe die ganze Welt bereist, und meine Einsicht war: Es gibt überall gute Menschen und Arschlöcher.

Bleibst du nach dem Konzert noch etwas in Locarno?
Normalerweise fahre ich nach einem Gig immer gleich nach Hause. Aber es ist unser letztes Konzert bis Ende 2018, darum genehmige ich mir nach der Show mit meinen Kumpels noch ein paar Bier und fahre erst morgen zurück.

Ich stehe nicht gerne auf der Bühne

Du feierst nächstes Jahr einen runden Geburtstag. Du wirst fünfzig.
Die Zahl passt irgendwie nicht zu meinem Geist, zu meinem Inneren. Wenn ich früher einen Fünfzigjährigen gesehen habe, dachte ich, der ist kurz vor dem Abtreten (lacht). Ich kann es gar nicht fassen, dass die Zeit so schnell vergangen ist. Ich habe einen erwachsenen Sohn, einen weiteren in der Pubertät, und meine beiden Mädchen werden langsam stubenrein. Ich bin der Güggel im Hühnerhaus. Ich will meine Familie geniessen. Sie hat erste Priorität, und nichts anderes!

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