Nicola Spirig Nach Triathlon: «Froh, ist dieses Rennen vorbei»

Die Sportlerin erlöste die Schweiz am Wochenende von der Olympia-Pleite und holte im Triathlon die erste Schweizer Goldmedaille. Mit der «Schweizer Illustrierten» sprach Nicola Spirig über das Rennen, ihren Sieg und die Zeit in London.

Am vergangenen Samstag um 11.21 Uhr kommt die Kehrtwende: Nicola Spirig, 30, holt für die Schweiz die erste olympische Goldmedaille in London. Nach ihrem Sieg meint die Triathlon-Läuferin: «Ich bin sprachlos.» Sie habe beim Spurt ihre schwedische Konkurrentin Lisa Norden auf dem grossen Bildschirm aufrücken sehen und gedacht, «jetzt musst du es ins Ziel schaffen». Weil sie nur einen Wimpernschlag vor der Schwedin im Ziel ankommt, muss sich Spirig noch etwas gedulden und das Urteil der Jury abwarten. «Das waren die längsten fünf Minuten meines Leben», erinnert sie sich für die «Schweizer Illustrierte» und erzählt weiter: «Dieser Sieg ist das Grösste, was man als Sportler erreichen kann.» Aber sie sei froh, dass dieses Rennen vorbei sei. «Ich möchte es nicht noch nochmals laufen.»

Mit ihr bangten auch ihre grössten Fans - ihre Mutter Ursula, ihr Vater Josef und ihr Freund Reto Hug, 37. «Es ist ein überwältigendes Gefühl, nach einer derart langen und harten Vorbereitungszeit das grosse Ziel zu erreichen», meint Hug unter Tränen des Glücks. Für Spirig sei es wichtig gewesen ihren Freund - er ist selber Spitzen-Triathlet und ihr Trainingspartner - an ihrer Seite zu haben. «Er erledigte für mich administrative Dinge und gab mir durch seine reine Anwesenheit Sicherheit», erzählt die Nicola. 

Die Euphorie und den Lärm an den Olympischen Spielen sei sie sich nicht gewohnt - sie hätte das Gefühl gehabt, als sei sie in einer Disco mit zu lauter Musik. An der Siegerehrung blendet sie die jubelnde Masse jedoch aus, Nicola Spirigs Gedanken gelten nur einer Person: «Als ich auf dem Podest stand, dachte ich an meinen Grossvater. Er sass vor dem Fernseher und hat sich bestimmt unglaublich gefreut.» Als Turnlehrer hat Jakob Biber, 93, seiner Enkelin die Türen zum Sport als Erster geöffnet.

SI-Sportjournalist Thomas Renggli liefert täglich die Hitparade zu den Olympischen Spielen. Direkt aus London.

Die schönsten Bilder von Nicola Spirigs Siegeszug und ihrer Zeit in London - in der «Schweizer Illustrierten» Nr. 32 vom 6. August 2012.

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