Ruedi Lüthy Nachgefragt

Seit 2004 behandelt der Zürcher Arzt Ruedi Lüthy, 69, Aids-Kranke in seiner Klinik in Simbabwe. Derzeit ist er auf Heimaturlaub.
Hilft in Afrika: Ruedi Lüthy
© Marcel Nöcker Hilft in Afrika: Ruedi Lüthy

Schweizer Illustrierte: Herr Lüthy, Sie sind für vier Wochen in der Schweiz. Machen Sie hier Ferien?
Ruedi Lüthy: Natürlich erhole ich mich auch ein wenig, in erster Linie bin ich aber hier, um Vorträge zu halten und zu informieren. Ich sammle Spendengelder und berichte den Leuten von unserer Klinik in Simbabwe – und vom neuen Ausbildungszentrum.

Neues Ausbildungszentrum?
In Simbabwe gibt es zu wenig Fachpersonal für die HIV- und Aids-Patienten. In unserem neuen Ausbildungszentrum werden wir jährlich 200 Krankenschwestern und Ärzte schulen, wie sie die Patienten ganzheitlich betreuen müssen. Möglich gemacht hat dieses Projekt übrigens die grossartige Schenkung einer Familie aus dem Baselbiet. Sogar das Uni-Spital Harare wird seine Leute zur Ausbildung schicken. Das ist für uns eine grosse Ehre und Auszeichnung.

Wie läuft der Betrieb in Ihrer Newlands Clinic?
Wir betreuen 3000 Patienten im Monat in unserer Klinik, davon 1000 Kinder. Zudem besuchen und betreuen wir diejenigen Patienten, die stabil sind, an ihrem Wohnort. Mittelfristig wollen wir die Zahl der Patienten kräftig ausbauen.

Wie ist die Lage derzeit in Simbabwe?
Sehr schwierig. Vor allem die Landbevölkerung leidet, die Hälfte der Leute hungert. Gesundheits- und Schulsystem liegen immer noch am Boden. Immerhin: Seit das Land den US-Dollar eingeführt hat, hat sich die Wirtschaft einigermassen stabilisiert.

Was fällt Ihnen speziell auf, wenn Sie aus Afrika hierherkommen?
Der Friede, die Rechtsstaatlichkeit und der Wohlstand. Komme ich in die Schweiz, besuche ich immer den Migros Murten und staune über die zig Sorten Joghurt und Käse. Das freut mich einerseits, macht mich aber auch nachdenklich.

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