Henrik Belden Negativreaktionen? «Ein bisschen sind mir die egal»

Der Luzerner Singer/Songwriter veröffentlichte am 2. März sein drittes Album - ein sehr persönliches Werk. Im Interview mit SI online spricht Henrik Belden über Erfolgsdruck, Zukunftsträume und das Vatersein.
Eigentlich heisst Henrik Belden Lukas Linder. «Mein Mami wollte mich immer Henrik nennen», erklärt der Luzerner seinen Künstlernamen.
© Marco Sieber Eigentlich heisst Henrik Belden Lukas Linder. «Mein Mami wollte mich immer Henrik nennen», erklärt der Luzerner seinen Künstlernamen.

SI online: Henrik Belden, am Freitag erschien ihr drittes Album - «Barrique Barrel». Wie schlafen Sie derzeit?
Henrik Belden: (lacht) Ganz gut, danke der Nachfrage. Momentan bin ich so oft unterwegs und habe genug Stress um die Ohren, so dass ich die sechs Stunden Schlaf, die ich bekomme, ausnutze. In Bezug auf mein Album bin ich realistisch und setze mich selbst nicht allzu sehr unter Druck. Klar, lebe ich auch davon und die Familie mag lieber Fleisch als Spaghetti, aber derzeit läuft es toll und ich kann Musik machen - das ist doch die Hauptsache.

Sie haben gar keine Angst vor Negativreaktionen?
Ganz ehrlich - ein bisschen sind mir die egal. Denn ich mache ja bewusst keine Retortenmusik, meine Songs dürfen nicht nur drei Minuten lang sein und ich muss auch nicht in jedem zweiten Satz «I Love You» sagen. Ich mache das, was mir Spass macht und was mir gefällt. Musik ist immer mit Emotionen verbunden, Musik polarisiert immer.

Sie sagen selbst, «Barrique Barrel» sei wieder ein sehr persönliches Album. Zwei Songs widmen Sie gar Ihrer Tochter.
Ich schrieb gerade die Texte, als Mena Sofie vor 17 Monaten zur Welt kam - das ist ein Ereignis, das man nicht weglassen kann. Schon das Vatersein allein würde für ein Album reichen. Klar, sind da gewisse Sachen persönlicher als bei der zweiten CD: Da war es auch so, dass ich zum Teil fast zu wenig aus meinen eigenen Erlebnissen schöpfen konnte. Denn meine ersten 25 Lebensjahre habe ich bereits in meinem Debütalbum thematisiert.

Ihr bürgerlicher Name ist Lukas Linder. Weshalb nennen Sie sich Henrik Belden?
Mein Mami wollte mich immer Henrik nennen, schlussendlich hat sich mein Papi durchgesetzt und ich wurde auf den Namen Lukas getauft. Mit meinem Künstlernamen kann ich ihr nun doch noch eine Freude machen. Belden fand ich bei Google. In meiner Anfangszeit war meine Musik sehr skandinavisch angehaucht und als ich mein erstes Konzert spielte, brauchte ich noch einen Nachnamen für den Flyer. Mittlerweile hat sich Henrik in meinem Freundes- und Familienkreis durchgesetzt und einige nennen mich auch Heni.

Einer unserer Twitter-Follower will von Ihnen wissen, was es für ein Gefühl ist, wenn Ihre Frau Selina Ihre Songs bei Radio Pilatus ansagen muss.
Ich glaube, das macht sie nicht. Das ist ein schwieriges Thema, da wir auch in der Region wohnen. Wenn dann ein Stück von mir im Radio läuft, gibt es immer Leute, die meinen, das sei nur wegen meiner Frau. Das ist absoluter Humbug: Einerseits kann sie nicht alleine bestimmen, was gespielt wird, und andererseits laufen meine Songs auf zig anderen Schweizer Radiosendern - warum sollten sie genau bei Radio Pilatus nicht kommen? Soweit ich weiss, moderiert sie sie einfach nicht an und ab, wenn meine Stücke laufen.

Weshalb singen Sie auf Englisch?
Würde ich auf Schweizerdeutsch singen, wären die Möglichkeiten sehr begrenzt. Aber das ist nicht der eigentliche Grund: Ich finde, Englisch ist mit Abstand die musikalischste Sprache. Sie ist weich, sie reimt sich gut - Schrift- und Schweizerdeutsch klingt da viel abgehackter und härter. Bisher ging es gut auf Englisch. Ich weiss aber, wenn ich etwas, was ich sagen will, nicht so ausdrücken kann, wie ich es möchte, dann müsste ich meine Gesangssprache ändern.

Wovon träumen Sie als Musiker?
Ich bin da sehr kindlich veranlagt: Mein grösster Traum wäre ein Duett mit meinem Held Ryan Adams! Ich finde es tierisch, was er macht. Dafür würde ich alles stehen und liegen lassen. Ansonsten... Ich fände es super, mit meinen «Band-Buebe» in einem Tourbus unterwegs zu sein - auch wenn es nur in der Schweiz wäre und wir jeden Abend nur vor 30 Leuten spielen würden. Ich stelle mir das extrem toll vor. Allerdings hätte ich wohl nach drei Tagen Heimweh und würde meine Familie vermissen.

Gibt es Musik, die Ihnen gar nicht gefällt?
Grundsätzlich müssen Songs für mich authentisch und ehrlich sein - unabhängig vom Musikstil. Wenn Musik für mich keine Emotionen freisetzt, dann ist die Musik nicht gut. Und dann will ich sie auch nicht hören: Schlager zum Beispiel, das bereitet mir Mühe. Die Schlager-Sänger sind immer total gut gelaunt, haben nie Probleme und «rüdig de Plausch». Das ist für mich zu viel!

Lange haben Sie neben Ihrer Arbeit als Musiker gekellnert. Ist das noch immer der Fall?
Einen Tag in der Woche serviere ich im Luzerner «Parterre», drei Tage bin ich Papi und in der restlichen Zeit kümmere ich mich um meine Musik. Die Arbeit als Kellner ist für mich ein guter Ausgleich und macht mir Spass.

Werden Sie von Ihren Gästen erkannt?
Die einen kommen sogar extra wegen mir! Aber eigentlich ist das höchstens einmal die Woche der Fall, dass ich erkannt werde. Einmal sprach mich in der Migros jemand an, der ein Autogramm auf die Einkaufstasche wollte. Ich brauche das nicht zum Glücklichsein, aber es freut mich jeweils schon. Denn es zeigt, dass die Leute meine Musik mögen.

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