9 Promis, 99 Tipps für Ferien in der Schweiz Nicolas Senn sprintet zu Berge

Er kennt diese Berge in- und auswendig und rennt zu ihren Gipfeln wie ein Marathonläufer: Hackbrett-Virtuose Nicolas Senn zeigt im ersten Teil unseres Sommerferien-Spezials seinen Alpstein. Zudem präsentieren wir 10 Tipps für Sommer in den Bergen.

Es riecht nach Pommes. Irgendwo im Nebel hängt eine Duftwolke, die eindeutig aus einer Fritteuse stammt. Nicolas Senn, 28, schnuppert. Woher die Wolke kommt, lässt sich mit den Augen nicht feststellen. Zu dicht hüllt der Nebel den Berg ein, auf dem er steht.

«Trägt der Säntis einen Hut, ist das Wetter morgen gut», reimt der Hackbrett-Virtuose und lacht trotz seinen müden Beinen. «Vielleicht noch 200 Meter bis zum Gipfel», schätzt er und geht zwei Schritte vorwärts. Da lupft eine Windbö für einen Augenblick die Nebeldecke, und Senn sieht, dass er direkt unter dem Gipfel-Restaurant steht. «Ha, deswegen hats so nach Essen geduftet! Da wäre ich jetzt glatt vorbeispaziert!»

«Mich reizt die sportliche Herausforderung»

Gestartet ist der Wahl-Appenzeller am Morgen bei wolkenfreiem Himmel unter leuchtendem Sternenzelt mit dem Ziel, den Alpstein von seinem tiefsten Punkt in Wasserauen AI (868 m ü. M.) bis zu seiner Spitze, dem Säntis-Gipfel (2502 m ü. M.), zu durchsteigen. Eine Tour, die auf gängigen Wanderseiten im Internet öfter als Zweitäger angepriesen wird.

Senn will die Route in einem halben Tag schaffen. Um vier Uhr in der Früh parkiert er sein Auto in Wasserauen («jede Minute, die man den Touristenmassen voraus ist, lohnt sich!»), setzt die Stirnlampe auf und sprintet förmlich los Richtung Seealpsee. «Mich reizt am Wandern nebst der Landschaft auch die sportliche Herausforderung», sagt er, der als einziger Musiker in einer Fussballerfamilie aufgewachsen ist. Auf dem Säntisweg (das ist die kürzere Variante von der Schwägalp auf den Ostschweizer Hausberg) hat er gar mit Freunden einen Wettbewerb am Laufen: Für die 4,2 Kilometer lange Strecke mit einem Aufstieg von 1180 Höhenmetern wird offiziell eine Wanderzeit von 3,5 Stunden berechnet. «Aktuell halte ich den Rekord mit einer Zeit unter 90 Minuten», sagt Senn.

 

Senn wandert lieber inkognito

Eine besondere Leistung, wenn man weiss, dass der SRF-Mann in seiner Wahlheimat, dem Appenzellerland, gefühlt alle paar hundert Meter jemandem begegnet, den er kennt. Oder der zumindest ihn kennt. «Manchmal», gibt er zu, «wenn jemand sagt, ich komme ihm bekannt vor, tue ich einfach so, als wüsste ich nicht, woher.» Nicht, weil ihn das Feedback der Fans stören würde. «Aber wenn ich mit Freunden unterwegs bin, befürchte ich immer, ihnen könnte es unangenehm sein, wenn ich überall Extra-Aufmerksamkeit kriege.»

Mindestens einmal pro Woche «rennt» Senn zu Berge, wenn es sein voller Terminkalender zulässt: Gerade hat der «Potzmusig»-Moderator seine 100. Sendung gefeiert. Ebenfalls neu in der Tasche hat er seinen HSG-Abschluss in Betriebswirtschaft. Als Hackbrettler kooperiert er mit Musikern aller Stilrichtungen, von Rap bis Klassik. Und seit diesem Frühjahr tourt er mit seinem dritten Album, «Sennemusig», durch die Schweiz.

Nicolas Senn
© David Birri

Bergblick: Die Eindrücke seiner Touren im Alpstein hält Nicolas Senn auf einer Nikon D500 fest.

Wenn die Instagrammer wüssten...

Senns Musik entsteht zu grossen Teilen in den Bergen. Ein Stück beschreibt auf musikalische Art eine Töffli-Tour, die Senn mit Freunden über den Gotthard unternommen hat. Da hört man den Krimi, als die Polizei die lustige Bande in der Schöllenenschlucht anhielt. Und es rumpelt der Rhythmus, wenn Sennseine Erinnerung an die Abfahrt über die alte Pflastersteinstrasse erklingen lässt.

Nach rund einer Stunde (etwas langsamer als gewohnt aus Rücksicht auf Journalistin und Fotograf) kommt Senn am Seealpsee vorbei, wo sich ein Hüngerchen regt. «Man müsste im Alpstein eigentlich nichts zu essen dabeihaben, es gibt hier eine so hohe Dichte an guten Gasthäusern», sagt er. «Aber das hier habe ich doch immer dabei!» Er wühlt kurz in seinem Rucksack und zieht ein Joghurtbecherli hervor. Mokka, noch halb gefroren. Eis geht bei ihm immer, auch morgens um fünf, wenn die Sonne den Altmann, der schräg hinter dem See aufragt, in erdbeersirupfarbenes Licht tunkt. Die Aussicht ist eines der beliebtesten Social-Media-Motive der Schweiz. «Wenn die Instagrammer wüssten, dass es hier so früh morgens noch schöner aussieht als bei vollem Tageslicht!»

Nicolas Senn
© David Birri

Glace-Gourmet: Gefrorenes Mokka-Joghurt gehört bei Senn zum Standard-Proviant.

Im Gasthaus gibts Bschorle

Die Tour führt weiter durch den Felsenschlund Teufelskanzel, wo Senn zum ersten Mal an diesem Tag zwei Wanderer kreuzt. Sie kommen von der Meglisalp her, die hinter einer Wegbiegung auftaucht. Hier spielt Senn seit Jahren mit seinem Hackbrett am Kapellfest Maria zum Schnee. Auch heuer, am 5. August, wird er dort live zu sehen sein.

Kaum auf der Alp angekommen, rufts auch schon: «Hey, du fotografierst ja! Habe ich gerade in einem Heftli gelesen!» Es ist Johann Hautle, ein Appenzeller Original, der auf der Meglisalp sömmert – weitum bekannt für seine Bauernmalerei. Von seiner Kunst zeigen will er an diesem Tag nichts. Die Bilder hängen im Schatten seiner Hütte zum Trocknen. Manchmal ein halbes Jahr lang. «Je langsamer die Ölfarben trocknen, desto schöner leuchten sie danach», sagt Hautle.

Im Gasthaus gönnt sich Nicolas Senn eine Bschorle, ein alkoholfreies Bier, das mit Apfel und Birnensaft gemischt wird. Bschorle trinkt im Alpstein, wer im Rest der Schweiz Rivella bestellen würde.

Nicolas Senn
© David Birri

Wo ging es lang? Senn liebt es, auf Karten alte Wanderwege zu entdecken.

 
 

«Der Alpstein entspricht dem Appenzeller Charakter»

Nach der Meglisalp verändert sich die lieblich hügelige Landschaft. Da, wo in der letzten Eiszeit nicht einmal der Gletscher die Felsen abschleifen konnte, ragen schroffe Steinwände in den Himmel. «Mich dünkt, der Alpstein entspreche ein wenig dem Charakter der Appenzeller: Sie wirken kantig und manchmal engstirnig, sind aber hoch innovativ und im Herzen lieblich wie die Hügel im Tal.»

Schon begeht Senn die letzte Etappe, den Lisengrat, der hinüber auf den Säntis führt. Hier wird klar, wieso die Route rotweissrot als Bergweg markiert ist. Er ähnelt einem Klettersteig und erfordert gewisse Schwindelfreiheit. Aber der innert Minuten aufziehende Nebel raubt einem die Sicht in den Abgrund. Es ist Mittag. Und plötzlich riecht es nach Pommes. Ziel erreicht!

Morgen zeigen uns Biathletin Selina Gasparin und ihr Mann Ilya Chernousov, wo sie sich kulinarisch verwöhnen lassen.

Die weiteren Geschichten und Tipps finden Sie hier.

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