Sommer-Serie Nubya über USA: «N.Y. ist mein zweites Zuhause»

Immer, wenn Nubya (musikalisch) die Decke auf den Kopf fällt, packt sie ihre Koffer und fliegt nach New York. Dort - in der Stadt, die niemals schläft - hat sie vor rund 20 Jahren Jazzmusik studiert. Beides blieb. Sowohl die Liebe zur Musik als auch zur Stadt. Für den fünften und letzten Teil unserer Reise-Serie «Andere Länder, andere Sitten» hat sie ihre persönlichen Hotspots zusammengetragen.

«Klar, kann einem die amerikanische Art oberflächlich vorkommen. Doch bei einem ‹morning sweetheart› geht es mir einfach besser», sagt Nubya im Interview mit SI online. In den Genuss dieser Begrüssungsfloskel kommt die 39-jährige Baslerin ein ganzes Jahr lang. 1994 reist sie mit zwei Koffern bepackt nach New York und studiert dort Jazzmusik. Von Anfang an ist sie integriert, kann sich vor Angeboten kaum retten. «Sofort wurden sämtliche Türen aufgerissen. Während dieser Zeit ich habe gelernt, dass man Einladungen von Amis durchaus ernst nehmen kann.»

NEW YORK, I LOVE YOU
«Die Stadt ist mein zweites Zuhause. Hier kann ich untertauchen, mit der Kultur und den Menschen verschmelzen.» Ausserdem falle sie wegen ihrer Hautfarbe nicht auf. Was ihr besonders gefällt? «Dass man die Freiheit hat, lauthals zu singen.» Das störe niemanden.

CHARMANTE BEGEGNUNGEN
«Ich habe im Tonstudio eine Band kennengelernt, deren Mitglieder mich quasi adoptiert haben. Sie haben mich in die Bronx eingeladen, mich aber vorsichtshalber von der U-Bahn abgeholt und wieder hingebracht. Wie ihre kleine Schwester», erinnert sich Nubya lachend. Das Wir-Gefühl, das dort zwischen den Dunkelhäutigen herrscht, habe sie schwer beeindruckt.

DIE SPINNEN, DIE AMIS...
«Bei der amerikanischen Bürokratie kriege ich die Krise! Ich musste mal mit einer Mittelohr-Entzündung zum Arzt. Doch bevor ich an die Reihe kam, musste ich erst einmal die Kreditkarte oder das nötige Kleingeld zücken.»

SPRACHLICHE MISSVERSTÄNDNISSE ODER AMERICAN LANGUAGE
«Als ich nach einer langen Konzertnacht auf meine Augenringe angesprochen wurde, entgegnete ich: ‹Yes, I got late last night›. Was so viel bedeutet wie: ‹Ich bin flachgelegt worden›.»

DAS MUSS MAN ERLEBEN
«Eine Open-Mic-Session im ‹Village Underground› am Sonntag oder Montag, sowie ein Gospel-Gottesdienst.» Aber auch eine Museumstour legt Nubya dem New-York-Besucher ans Herz. «Unbedingt ins Guggenheim und MoMa!» Weiter empfiehlt sie eine Tour durch die Galerien am West Broadway.

DAS SOLLTE MAN MEIDEN
«Es gibt definitiv Strassen, um die man einen grossen Bogen machen sollte.» Auch wenn ihr noch nie etwas passiert ist - Nubya weiss, in dieser Stadt gibt es pro Tag mehrere Morde. «Ich bin mal in der South Bronx falsch ausgestiegen und habe sofort gemerkt, dass ich nicht willkommen war.» Und: Bloss keine Zeit mit Anstehen vertrödeln: «Tickets für Sehenswürdigkeiten wie das Empire State Building kann man oft schon übers Internet buchen!» Den Times Square müsse man zwar mal gesehen haben, sei aber ganz und gar nicht «ihr» New York.

ENJOY YOUR MEAL
Wenn man irgendwo vielfältig essen kann, dann in New York. In der Stadt der höchsten Restaurantdichte hat es Nubya vor allem das «Balthazar» im West Village angetan. «Der Brunch dort ist legendär und sehr zu empfehlen.» Aber auch das «Spice Market» und das «STK Steakhouse» im hippen Meatpacking District stehen auf der Liste ihrer Lieblingsrestaurants ganz oben. Das vegane «Candle Café» hat es ihr ebenso angetan: «Dort bin ich eher zufällig gelandet und war begeistert, was die so alles im Angebot hatten.»

TRINKGELD
Da in den USA in der Rechnung das Trinkgeld nicht enthalten - und das Servicepersonal aufgrund der niedrigen Löhne darauf angewiesen - ist, sollten 15 bis 20 Prozent des Rechnungsbetrages an den Kellner gehen. «Das ist mühsam, aber man gewöhnt sich dran», sagt Nubya. Sie selbst nimmt einfach immer die Tax mal Zwei und gibt automatisch in der Schweiz mehr Tip.

GOOD NIGHT 
«Früher war ich des Öfteren im ‹Hotel Seventeen›. Das hat in den letzten Jahren aber an Charme verloren. Heute wohne ich lieber bei Freunden oder hoffentlich bald mal im ‹The Standard›. Mit Blick auf den Hudson River. Das zumindest steht auf meinem Programm.» Ausserdem möchte sie irgendwann mal Airbnb ausprobieren. «Davon habe ich nur Gutes gehört.»

SHOPPING? HERE...
«Ich bin absolut kein Kaufhaus-Fan, aber bei ‹Bloomingdales› mache ich eine Ausnahme», sagt Nubya. Früher habe sie geshoppt wie eine Irre, jetzt mache sie sich Listen von den Dingen, die sie braucht. «Ich kaufe dann aber unter anderem Labels wie Donna Karan, Diane von Fürstenberg oder Max Azria». 

SOUVENIRS, SOUVENIRS...
«An der Lower East Side und im East- beziehungsweise West-Village verkaufen Leute oft selbstgemachte Sachen. Das sind tolle Mitbringsel.» Sie selbst hat sich einst von ihren letzten Dollars am Flughafen die typische «I love NY»-Tasse gekauft.

ÖFFENTLICHER VERKEHR
«Der ist in New York super! Mit der U-Bahn ist man viel schneller als mit Taxi oder Bus.» Nubya rät zur Wochenkarte: «Damit muss man sich keine Gedanken machen und kann mit allem fahren.» Als Frau sollte man allerdings nachts immer in dem Abteil stehen, wo auch der Schaffner ist. Und: «Falls man mal alleine zu später Stunde auf die Bahn warten muss, dann immer dort, wo die Person im Häuschen sitzt.»

MEET & GREET
In New York ist die Dichte an Prominenten sehr hoch. Bei Nubyas letztem Besuch kreuzte beispielsweise ein Reality-TV-Star ihren Weg. «Ich war in einem Kleiderladen und plötzlich herrscht wegen Kim Kardashian ein Riesentumult. So viele Pararazzi auf einem Fleck habe ich noch gesehen. Die haben vielleicht geschrien...» Matt Dillon hätte sie ebenfalls gesehen - beziehungsweise er sie! «Ich schleppte mich mit einer Wirbelsäulenverletzung durch die Strassen und wurde von ihm angesprochen. Er gab mir die Nummer seines Chiropraktikers und wünschte mir gute Besserung.» 

THE DIFFERENCE: SCHWEIZ - USA
«In Amerika wird Teamwork gross geschrieben. Während man in der Schweiz versucht, alles alleine zu bewältigen, heisst es in den USA immer: ‹Meet my friend›. Ich versuche, mir diesbezüglich von den Amerikanern eine Scheibe abzuschneiden.» Aber: «Die Schweizer sind unvoreingenommener und liberaler. Das merkt man aber erst, wenn man mal weggeht.»

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