Olympia 2014 Jan Scherrer: Wird er seine zweite Chance nutzen?

Der 19-Jährige Snowboarder darf noch einmal an den Olympischen Winterspielen starten. Am vergangenen Samstag hat Jan Scherrer die Slopestyle-Finalqualifikation zwar verpasst, doch am Dienstag, 11. Februar, kommt seine nächste Chance: in der Halfpipe. Für die «Schweizer Illustrierte» hat er in der ersten Woche in Sotschi Tagebuch geführt.
Jan Scherrer in Sotschi
© Herve Le Cunff

Ablenkung: Snowboarder Jan Scherrer hört in seinem Zimmer Hip-Hop-Musik.

Sonntag
Es ist halb zwei Uhr morgens, als wir im Athletendorf in den Bergen ankommen. Der Buschauffeur hat sich dreimal verfahren, dafür bringt er uns direkt vors Schweizer Haus - ich bin müde und deshalb froh, dass es keinen Empfang oder so gibt. Der Sonntag aber ist ein chilliger Tag. Wir dürfen frei fahren, finden sogar Tiefschnee!

Montag
Früh nach Sonnenaufgang folgt bereits das erste Training auf dem Olympia-Parcours. Es gibt Diskussionen: Wir sind es nicht gewohnt, drei so grosse Kicker zu springen. Aber mir gefällts. Bis jetzt empfinde ich alles als sehr gelassen. Vielleicht liegt es daran, dass ausser uns Snowboardern noch fast niemand da ist.

Dienstag / Mittwoch
NachTraining, Kraft, Physio und Pressekonferenz gehen wir im Tal in Rosa Chutor in den McDonald’s. Einige von uns waren schon enttäuscht, dass es im Athletendorf anders als üblich keinen hat. Donnerstag Qualifikation in Slopestyle. Beruhigend zu wissen, dass es am Samstag noch eine zweite Chance gibt, da sie vor der Eröffnung der Spiele noch niemanden heimschicken können. Ich hole beim ersten Run zu wenige Punkte und muss für den zweiten etwas Schwierigeres zusammenstellen. Beim ersten Kicker überdrehe ich und stürze. Das nervt mich, aber ich kann das ganz gut abhaken.

Freitag
Im Training muss ich einen schwierigen Run einstudieren, den ich so noch nie gemacht habe - sonst habe ich keine Chance auf den Final. Am Abend gehen wir mit dem Team ins Tal essen, mein Vater ist auch dabei. Es tut gut, mal aus dem Dorf rauszukommen. Es gibt ein feines Filet. Danach schauen wir die Eröffnungsfeier im TV. Es wurmt mich schon, dass ich nicht dabei sein kann, aber morgen ist Wettkampf. Nach dem guten Essen schlafe ich wunderbar ein.

Samstag
Der erste Gedanke ist: Mist, weshalb klingelt der Wecker schon um 6.15 Uhr?! Aber die Stimmung schlägt schnell um, der Wettkampf steht an! Ich suche mir immer spontan aus, welche Musik ich während des Runs höre, je nachdem, ob ich mich pushen oder beruhigen will. Heute ist es beim ersten Run im Halbfinal «Fade to Black» von Metallica, im zweiten Lauf wechsle ich zu Hip-Hop. Aber ich stürze wieder, die Finalqualifikation ist futsch. Das ist natürlich blöd im Moment - aber auch bei einem perfekten Run wäre es knapp geworden. Und ich habe ja noch eine zweite Chance, die Halfpipe nächste Woche. Da rechne ich mir bessere Finalchancen aus.

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