Die Rothenbühler Kolumne «Endlich steht einer aus der Machowelt des Fussballs dazu!»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem Spitzen-Schiedsrichter Pascal Erlachner, der sich als erster Mann im Schweizer Profifussball während seiner Karriere outet.
Pascal Erlachner
© Laurent Gillieron / Keystone

«Auf intelligente Weise mit Tabu gebrochen»: Der schwule Schiri Pascal Erlachner beweist mit seinem Comingout Mut.

Lieber Pascal Erlachner

Bravo, endlich einer aus der Machowelt des Fussballs, der zu seiner Homosexualität steht! Das brauchte Mut, denn Homophobie ist in den Stadien immer noch angesagt. Sie haben auf intelligente Weise mit einem Tabu gebrochen, im «SonntagsBlick» haben Sie erklärt, was ein junger Mensch durchmacht, wenn er seine Natur verstecken, quasi ein Doppelleben führen muss. 

Damit haben Sie gerade jungen Schwulen geholfen: Sie brauchen Vorbilder, die zeigen, dass es keine Schande ist, anders zu sein als die grosse heterosexuelle Mehrheit. Die Ersten, die sich nicht mehr versteckten, waren die Künstler, dann die TV-Stars, dann die Politiker (ausser in der Westschweiz), jetzt sind endlich die Sportler so weit. 

Und dies in einer Zeit, wo der Einfluss jener Kreise immer stärker wird, die Schwule noch als Kranke oder Sünder verurteilen: Der radikale Islam und die evangelikalen Grosskirchen Amerikas, die sich auch in der Schweiz breitmachen. 

Es ist keine Schande anders zu sein als die grosse heterosexuelle Mehrheit

Umso bewundernswerter ist Ihr Schritt. Denn der Weg ist noch lange bis zur Erfüllung des Wunsches des verstorbenen französischen Unternehmers Pierre Bergé, des Lebenspartners von Modeschöpfer Yves Saint Laurent: «Wir haben lange gekämpft für die Anerkennung unserer Differenz, jetzt wollen wir nur noch eins, die Indifferenz.» Dass es nämlich für alle gleichgültig wird, ob eine(r) gay oder lesbisch ist. Dass es keine Stigmatisierung und keine Beschimpfungen mehr gibt. 

Ich freue mich auf eine Zeit, wo niemand mehr ein Interview geben muss, um seine sexuelle Orientierung zu begründen. Dank mutigen Leuten wie Ihnen rückt sie immer näher. Nochmals bravo!

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

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