Moderator Patrick Hässig

«Eine Miss im Bikini ist noch lange keine Barbie»

Patrick Hässig moderiert am kommenden Samstag die Miss-Schweiz-Wahl. Wir wollten von ihm wissen, wie Zeitgemäss eine solche Wahl noch ist, welche Ex-Miss ihm am meisten in Erinnerung blieb und wem er den Titel «Miss Durchschnitt» verleihen würde.

«Miss Supermami», «Miss Coolness» oder «Miss Durchschnitt»: Diese Titel musste Moderator Patrick Hässig, 39, prominenten Schweizer Frauen wie Michelle Hunziker, 41, Beatrice Egli, 29, oder Lara Gut, 26, verleihen. Eine einfache Aufgabe? Sehen Sie selbst im Video:

Patrick Hässig, wie kam es zu Ihrem Engagement als Moderator der Miss-Schweiz-Wahl?
Ende 2017 bekam ich ein Mail der Organisatoren. Ich kam dazu wie die Jungfrau zum Kind, denn mit einer so grossen Anfrage habe ich nicht mehr gerechnet. Aber ich freue mich wirklich sehr.

Sie waren also überrascht?
Ja, ich dachte zuerst, es sei ein Fake. Denn seit meinem Ausbildungsstart als diplomierter Pflegefachmann HF im September bin ich in eine total andere Welt eingetaucht. Nach 18 Jahren beim Radio und Fernsehen habe ich mit Medienarbeit eigentlich abgeschlossen. Offenbar musste ich erst künden und alles hinter mir lassen, um doch noch zu einer Livesendung am Samstagabend zu kommen.

Sie bewegen sich in ihrem neuen Job nun in einer Welt, in der Sie auch die unglamourösen Seiten des Lebens sehen. Was hat das bei Ihnen ausgelöst?
Schon 2012, als ich im Zürcher Stadtspital Waid Zivildienst geleistet habe, war ich fasziniert und beeindruckt, was die Menschen dort jeden Tag leisten. Vielleicht, weil ich seit meinem zwanzigsten Lebensjahr in dieser Medien- und Glamour-Welt unterwegs bin, die auch sehr oberflächlich sein kann. Dieser Dienst an der Gesellschaft ist für mich schlussendlich wichtiger als das Showbusiness. In der Hälfte meines Arbeitslebens wollte ich noch etwas anderes machen als bisher.

Sie kehren jetzt doch wieder auf die Bühne zurück. Was reizt Sie persönlich an der Miss-Schweiz-Wahl?
Sie ist die wohl wichtigste und prestigeträchtigste Casting-Show der Schweiz. Da können viele andere Formate einpacken. Wenn man den Titel «Miss Schweiz» hat, ist das schon gewichtiger als «Der Tanzguru» oder «Die Irgendwas-Königin».

Wie gross ist Ihre Angst vor vertauschten Sieger-Couverts, wie es bei den Oscars geschah?
Bis jetzt gar nicht. Ich glaube, da gibt es genug fähige Leute im Hintergrund, denen ich voll vertraue.

Welche Miss Schweiz aus der Vergangenheit ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?
Melanie Winiger! Ich finde sie nach wie vor eine der hübschesten Schweizer Missen, die wir hatten. Fiona Hefti habe ich noch gut in Erinnerung, weil sie auch aus Zürich kommt.

 

Was muss denn eine Miss im Jahr 2018 mitbringen?
Ich glaube, sie muss den ganzen Rucksack voller Erwartungen an eine Miss Schweiz abwerfen. Sie soll tun und sagen, was sie will. Sie soll aussehen, wie sie will und alle Korsette ablegen. In der heutigen Zeit sagen Frauen zum Glück selbst, was sie wollen und was sie können. Nur weil eine Miss im Bikini auftritt und ein Krönchen bekommt, ist sie noch lange keine Barbie.

Ist denn ein Schönheitswettbewerb wie die Miss-Schweiz-Wahl heute noch das richtige Format, um eine solche Persönlichkeit zu finden?
Über den Namen «Miss Schweiz» könnte man diskutieren, aber ich glaube eine solche Wahl ist durchaus zeitgemäss. Es kommt ja darauf an, was die Gewinnerin, die Organisation und die Medien daraus machen.

Daniel Fanslau am 7. März 2018, 11.37 Uhr