Sommer-Serie Patrick Rohr: Beim Interrail hat er sich verliebt

Es war Liebe auf der ersten Blick, sagt Patrick Rohr über seinen ersten Besuch vor über zwanzig Jahren in Amsterdam. «Hier will ich einmal leben», schwört er sich - und tut es heute. Wer also, wenn nicht der in der Schweiz arbeitende Kommunikationsberater, könnte uns im dritten Teil der Sommer-Serie «Andere Länder, andere Sitten» die Do's and Dont's der Grachtenstadt besser vermitteln?

«Meine Liebe zu Holland ist vor allem eine Liebe zu Amsterdam», sagt Patrick Rohr im Interview mit SI online. Dem 45-jährigen Kommunikationsberater gefällt vor allem die aufgeschlossene und unkomplizierte Lebensart der Einheimischen. «Es gibt ein Wort im Holländischen, das genau die umschreibt: ‹gezellig›. Gesellig zu sein, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, ist hier sehr wichtig.» Natürlich habe auch die Arbeit einen hohen Stellenwert. «Doch so gegen Fünf ist damit Schluss. Dann trifft man sich zum ‹Borrel›, eine Art Apéro, bei dem man sich über Gott, die Welt und die Ereignisse des Tages austauscht.» Und das nicht nur in Bars oder Kneipen. «Der Borrel findet oft auch auf der Strasse vor dem Haus statt. Da kann es dann gut sein, dass ich wildfremde Menschen dazu gesellen und man witzige, tiefgründige, machnmal auch leicht alkoholselige Gespräche bis tief in die Nacht führt», erzählt Rohr lachend. Sich zu treffen, sich auszutauschen - sei es mit gänzlich Unbekannten - gehöre in seiner Wahlheimat zum Normalsten auf der Welt. «Das schätze ich ungemein.»

HOLLAND, MIJN LIEFDE
1991 verliert Patrick Rohr während seiner Interrail-Tour durch Europa sein Herz an Amsterdam. Als er dort zusammen mit zwei Freunden aus dem Wallis seinen ersten Stop einlegt, ist er hin und weg. «Wir liefen mit unseren grossen Rucksäcken und ohne etwas von dieser Stadt zu wissen, zunächst einmal in Richtung Grachtengürtel und Jordaan, dem ehemaligen Arbeiterviertel der Stadt. Auf dem Weg dorthin, an der Brouwersgracht, sagte ich zu meinen Freunden: ‹Wow, so etwas Schönes habe ich noch nie gesehen. In dieser Stadt will ich einmal leben und ein Buch schreiben›», erinnert sich der einstige «Quer»-Moderator. 

SPRACHLICHE MISSVERSTÄNDNISSE ODER NEDERLANDSE TAAL
«Die gab es natürlich zu Anfang», gibt er zu. «Doch das kann ich hier leider nicht wiedergeben, weil es nicht jugendfrei ist...»

DAS MUSS MAN ERLEBEN
Amsterdam ist eindeutig eine Sommerstadt. «Alles findet draussen am Wasser statt», weiss Patrick Rohr. Ausserdem sollte unbedingt das Van-Gogh- und das Rijksmuseum auf dem Programm stehen. Aber auch das Stedelijk Museum und die Hermitage, ein Ableger des gleichnamigen Museums in St. Petersburg, ist gemäss Rohr ein Besuch wert. 

DAS SOLLTE MAN MEIDEN
«Billige Touristenrestaurants und Hotels mit einem oder zwei Sternen. Da kann man ganz schön enttäuscht werden.»

ÖFFENTLICHER VERKEHR
«Ziemlich zuverlässig.» Es könne aber vorkommen, dass man erst am Bahnhof erfahre, dass der gewünschte Zug nicht fährt. «Es gibt auch eine Metro und Trams, aber die befahren nur einen kleinen Teil von Amsterdam. Ein Netz wie zum Beispiel in Zürich wäre wegen des vielen Wassers schwer zu realisieren.» Patrick Rohr rät daher, ein Fahrrad («Fiets») zu mieten. «Unglaublich, 60 Prozent aller Transportbewegungen finden hier auf dem Velo statt!»

MAALTIJD
«Ich gehe regelmässig ins ‹Kantjil & de Tijer›, ein indonesisches Restaurant an der Spuistraat, sehr zentral gelegen. Ich liebe die Küche dieser ehemaligen holländischen Kolonie.»

TRINKGELD  
«Wie in der Schweiz gebe ich immer so zehn Prozent. Die Löhne sind in Holland sehr tief.»

SHOPPING? HIER...
«Sehr zu empfehlen sind die Haarlemmerstraat, die Utrechtsestraat und die ‹Negen Straatjes› zwischen den Grachten. Da hat es viele kleine hübsche Läden mit wunderbaren Dingen.»

SOUVENIRS, SOUVENIRS...
Was man aus Amsterdam mitbringen sollte? Natürlich: «Tulpenknollen oder Stroopwafels, eine süsse holländische Spezialität.»  

UNCHARMANTE BEGEGNUNGEN
«Es ist eng in Holland. Viel, viel enger als in der Schweiz. Hier leben auf der gleichen Fläche wie der Schweiz doppelt so viele Menschen. Das führt dazu, dass oft ziemlich ‹g'elleböglet›wird», erzählt der Wahl-Amsterdamer. Das Gute daran? «Als rücksichtsvoller - oft vielleicht sogar etwas zu zurückhaltender Schweizer - lernt man, sich durchzusetzen.» 

Im vierten und vorletzen Teil geht es zusammen mit Beat Marti nach Italien. Wieso seine Liebe zu dem Land genetisch bedingt ist, erzählt er am 7. August auf SI online.

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