Patrizia Laeri im indiskreten Travel-Talk «Ich mache keine Ferien, ich reise»

Sie ist ein Kind der Berge. Patrizia Laeri, Moderatorin von «SRF Börse», zieht die Skipiste dem Strand vor. Sie lässt Algorithmen ihre Koffer packen und setzt bei Reisen aufs Extreme.
Patrizia Laeri
© David Biedert

Reisen mit Köpfchen: Wirtschaftsfrau Patrizia Laeri setzt auf die Schweiz. Mit ihrer Familie steigt sie gern in den Zug und wandert auf kinderfreundlichen Pfaden.

Als Wirtschaftsjournalistin ist Patrizia Laeri, 39, von Berufs wegen stets spannenden Geschichten auf der Spur. So trat sie für «10vor10» in der Vergangenheit abenteuerliche Reisen nach Nordkorea oder Sibirien an. Auch privat mit ihrem Mann und den Söhnen Luis Magnus, 6, und Laurin Niklas, 4, will sie entdecken und erleben. Dabei beschränkt sie sich aber lieber auf die Heimat.

Patrizia Laeri, woher stammt Ihr letzter Passstempel?
Aus Nepal – dem Dach der Welt. Ich bin dort bis ins Annapurna Basecamp vorgedrungen.

Was faszinierte Sie auf 4130 Metern und von Eisriesen umgeben am meisten?
Die Dimensionen. Ich bin ein Kind der Berge. Meine Eltern sind Bündner. Meine Grossmutter hiess Heidi. Mein Bürgerort ist Maienfeld. Ich habe das Berg-Gen. Doch wenn man diese 8000er mit eigenen Augen sieht, doppelt so hoch wie unsere Schweizer Berge, dann rückt das so manches ins rechte Licht.

Zu erfahren wie unendlich klein der Mensch doch ist – eine beruhigende oder eher beängstigende Erkenntnis für Sie?
Ich empfinde das als erholsam. Kommt hinzu, dass ich mich in den Bergen selbst vergessen kann. Unterschätzt hingegen habe ich die Armut Nepals. Ist es doch eines der ärmsten Länder der Welt, noch hinter Bangladesh, Ghana und Kenia. In Kathmandu, der Hauptstadt des kleinen Himalayastaates mit ewigem Eis, Gletschern und Bergbächen, gibt es gerade einmal pro Woche fliessend Wasser.

Sie reisten beruflich durch Sibirien, Indien, den Iran und Nordkorea. Im Liegestuhl hängen dürfte Ihnen auch privat kaum entsprechen?
Ganz und gar nicht! Nichtstun macht mich unglücklich. Ich muss entdecken, mich bewegen, fragen, weiterkommen.

Aus welchem Urlaub stammt Ihre liebste «Weisch no …»-Geschichte?
Grundsätzlich mache ich keine Ferienich reise. So sind es denn auch die extremen Erlebnisse, die mir am meisten bleiben. Zum Beispiel der Anblick von Ruslan, dem Jungen, der in Sibirien bei minus 40 Grad auf einer Müllhalde lebt. Oder die Augen der nordkoreanischen Bauernkinder, die tagein, tagaus nichts anderes als zähe, klebrige Kartoffelstärke essen. Nie vergessen werde ich ausserdem, wie ich bei meiner Ausreise aus dem Iran über Stunden festgehalten wurde.

Solche Reisen muten Sie Ihrer Familie sicherlich nicht zu …
Nein. Meine Jungs sind vier und sechs Jahre alt. Da setzen wir uns am liebsten in den Zug. Frei nach dem Motto: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.

Wie lief der Familienurlaub in Ihrer Kindheit ab?
An erster Stelle standen stets die Skiferien. Meine Eltern waren als waschechte Bündner beide überzeugte Nichtschwimmer. Das Meer haben sie immer grosszügig umfahren. Die Berge waren wichtiger als der Strand.

Dann hat Ihre liebste Ferienerinnerung aus Kindertagen eher mit Strumpf- als mit Badehosen zu tun?
Unbedingt! Und zwar vor dem mit Chriesisäckli gefüllten Kachelofen meiner Grosseltern im Prättigau sitzend. Ich habe es geliebt, mit Nani und Neni zu jassen und mit meiner Schwester in den Ställen, Dachböden, Speichern rumzustreunen und geheime Verstecke einzurichten.

Ich bin vom Skifahren besessen. Das habe ich meinen Eltern zu verdanken

Wo lassen Sie Luis und Laurin heute dieses Abenteuergefühl erleben?
Auf Wanderungen. Die Schweiz hat unendlich viel zu bieten: den Klangweg im Toggenburg, den Globiweg in der Lenzerheide, den Munggeweg in Amden.

Ihr Tipp für Ferien mit Kindern?
Ab in die Berge – oder nach Italien; dort wo La Mamma Sonderstatus hat und die Bambini vergöttert werden. Grundsätzlich aber gilt für mich: am Boden bleiben, ökologisch reisen …

… und an WLAN-freien Orten übernachten?
Wenn immer möglich, gern! Dort wo das Handy unbrauchbar wird, entdecken Kinder wieder den Spielplatz Natur.

Was mit zwei kleinen Jungs sicherlich turbulent werden kann.
Nur so viel: Während den letzten Sportferien haben mein Mann und ich innert einer Woche vier Kilo abgenommen.

Wie das?
Weil die Kleinen am liebsten unkoordiniert neben der Piste fahren, ihre Ausrüstung nicht selber tragen, diese dann auch ständig verlieren, mitten im Hang streiken oder auf die Toilette müssen. Das ist ziemlich anstrengend.

Wenn Sie doch mal fliegen, wo sitzen Sie am liebsten?
Am Gang. Ich lasse mich nicht gern einengen.

Welcher Sitznachbar löst bei Ihnen ein «Oh nein, bitte nicht …» aus?
Ich habe eine empfindliche Nase … Ansonsten bin ich von Menschen fasziniert und neugierig auf sie.

Ihr unübertroffenes Reiseoutfit?
Der Flug auf die Kapverden war mir eine Lehre. Ich reiste im Wollpullover mit Stiefeln an den Füssen. Sinnigerweise kam mein Koffer nicht an. Seither trage ich Schichtenlook und führe stets leichte Schuhe im Handgepäck mit.

Was findet sich darin sonst noch?
Brille und Linsenmittel. Ich habe minus neun Dioptrien.

Schon mal einen Flieger verpasst?
Nie! Ich bin überpünktlich.

Welcher Reisetyp sind Sie?
Der extreme. Entweder Stall oder Palast. Ganz simpel oder luxuriös. Bergschuhe oder High Heels. Dazwischen gibt es kaum etwas. Ich bin auch immer für beides bereit. Das bestätigt ein Blick in meine Handtasche: Sackmesser und Lippenstift.

Haben Sie eine Kofferpackstrategie?
Mit Kindern reicht eine Strategie nicht aus. Ich benutze eine App und eine elektronische Packliste.

Wann packen Sie?
Last minute.

Was ging dabei schon vergessen?
Seit Längerem nichts mehr. Ich habe meine Packliste an Algorithmen outgesourct.

Führen Sie so etwas Altbewährtes wie eine Reiseapotheke mit sich?
Und ob! Darin befinden sich Trostpflaster, Wundsalbe, Schmerztabletten und Medikamente gegen Erkältungen.

Welches sind die No-Gos in Sachen Hotelzimmer?
Ein Zimmer ohne Fenster wie im Slum-Hotel in Indien ist sehr beklemmend. Genauso wie die Megacityhotels, in denen sich die Fenster nicht öffnen lassen. Da kriege ich die Klimakrise.

Wann verreisen Sie?
Jeden Winter. Ich bin vom Skifahren besessen. Das habe ich meinen Eltern zu verdanken.

Dann stammt Ihr erster Ferienflirt aus den Skiferien?
Natürlich! Er hiess Patrizio, ging in dieselbe Skischule, war der Talentierteste und sprach nur Italienisch.

Ihre erste Reise ohne Eltern?
Mit Fünfzehn. Der Alptraum aller Väter und Mütter: Meine Freundin und ich hatten heimlich eine Reise nach Paris gebucht.

Gehen Sie im Ausland zum Coiffeur?
Niemals!

Wo wollen Sie unbedingt noch hin?
Meine Sehnsuchtsliste ist lang. Als Nächstes würde ich gern nach Peru – in den Anden hoch hinaus. Ausserdem ist peruanisches Essen das beste der Welt.

Zurück daheim. Wann wird ausgepackt?
Auspacken ist definitiv schöner als Einpacken (lacht). Darum lasse ich mir gerne sehr viel Zeit dabei.

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