Pegasus Backstage: Mit Noah Veraguth & Co. in Hamburg

In der Schweiz gehören sie schon lange zu den musikalischen Überfliegern. Jetzt wagen die vier Bieler «Giele» um Noah Veraguth den Sprung über die Grenze. Und erobern die Herzen der Hamburgerinnen im Sturm. Auch dank kleinen Fauxpas. Die «Schweizer Illustrierte» hat die Jungs bei ihrem Auftritt in Hamburg begleitet.  

«Guten Abend, München!» Stille. Irritation. Wir sind in Hamburg, keine 20 Meter von der Reeperbahn entfernt. Sänger Noah Veraguth, 26, zögert eine Sekunde, macht einen Schritt zurück. Dann schmunzelt er, dabei ist seine Zahnlücke zu sehen. «Und wir sind Pegasus aus Österreich», sagt er in unverkennbarem Schweizer Dialekt. Das Lachen bricht wie eine Welle über das Publikum herein. Erleichterung. Er hat die Situation gerettet. «Bei solchen Fehlern läuft es dir kalt den Rücken hinunter», kommentiert ein erschöpfter Noah nach dem Konzert seinen Fauxpas. Er – der Perfektionist  – wird sich auch am folgenden Tag noch darüber ärgern. 

Pegasus. Das sind der Sänger Noah Veraguth, der Bassist Gabriel «Gäbu» Spahni, 26, der Gitarrist Simon «Simu» Spahr, 25, und der Schlagzeuger Stefan Brenner, 25. Und zusammen sind sie die Schweizer Band der Stunde. Die Bieler traten schon als Vorband für Coldplay im Stade de Suisse auf, ihr letztes Album «Human.Technology» ­erreichte Platinstatus, und die neue ­Single «Digital Kids» ist laut SRF-3-­Musikchef Michi Schuler «ein Ohrwurm mit internationalem Potenzial». 

In der ersten Reihe stehen fast nur Frauen. Sie verteidigen ihren Platz wie Raubtiere ihre Beute. Über eineinhalb Stunden ist die 22-jährige Kerstin gefahren, um die Schweizer in Hamburg zu sehen. Ihre Wangen sind rot. Im November hat sie Pegasus als Vorband der britischen Popband Hurts gesehen. «Es war Liebe auf den ersten Blick.» 

Noah, Simu und Gäbu wachsen an derselben Strasse auf. Dann treffen sie Stefan. Das war vor 15 Jahren. Keiner von ihnen beendet seine Lehre. Sie halten sich mit Jobs im Altersheim und auf dem Bauernhof über Wasser. Dann endlich der Durchbruch: Ihr Hit «Skyline» landet auf Platz 1 der Schweizer Hit­parade und gewinnt 2013 einen Swiss Music Award in der Kategorie «Best Hit National». Seit drei Jahren können sie von der Musik leben. «Wir haben früh gespürt, dass hier was Grösseres heranwächst», sagt Noah vor dem Konzert im Backstagebereich. Alle ausser Noah essen hier noch einen Happen: «Ich muss hungrig auf die Bühne.»

Nun singen alle mit. Kerstin und ihre Freundinnen kennen die Texte in- und auswendig. Song Nummer 7 steht an: «I Take It All». Eine Popballade. Noah lässt die Gitarre am Rücken baumeln. Während er die Textzeile «Marchin' on with ghosts of my past» singt, läuft er im Standschritt. Schaut links, schaut rechts. Gäbu und Simu stellen sich wie zwei Leibwächter neben ihn. Werfen sich kurz einen Blick zu, tauschen dann die Plätze, ohne mit dem Spielen aufzuhören. Jeder weiss, wo er hingehört. Nach dem Song treten die drei zur Seite, geben den Blick frei auf Stefan und sein Schlagzeug. «In der Schweiz ist Stefan der Frauenschwarm, hier in Deutschland hat ihm Gäbu aber den Rang abgelaufen», erklärt Sänger Noah. Zwei Mädchen kichern, schütteln den Kopf. «Wir wollen Noaaah», schreien sie und werden rot. Ihr Ruf wird von der Menge verschluckt. 

Wenn Noah kein Standmikrofon hätte, wäre er ein Langstreckenläufer. Unentwegt tritt er von einem Bein auf das andere. Mittlerweile steht er ganz vorne an der Bühne. Für Kerstin zum Greifen nahe. Sie kann auf ein paar Schweisstropfen hoffen. «Heute Nachmittag haben wir uns eure Stadt ange­sehen. Wir waren am Hafen am wunderschönen Meer.» Stille, Irritation. Noah drückt sich den Finger ans Ohr. «Jetzt hat mir gerade unser Mischer über Funk gesagt: ‹Du Idiot. Das ist die Elbe.› - Nun gut, wenigstens wissen wir, wo wir sind», sagt er. Wieder blitzt seine Zahnlücke. «Wir machen jetzt lieber noch ein wenig Musik. Das können wir ­besser.»  

Perfektion war schon immer ein Gebot für die Band. Im Dokumentarfilm «Hope Music», der ihren Weg zum ersten Album vor sieben Jahren zeigt, gibts eine bezeichnende Szene dafür. Bei den Proben will es nicht so recht klappen. Noah ist genervt. «Wir üben es nochmals, bis wir es können. Auch wenn wir deshalb das Konzert verpassen sollten. Ist mir egal.» Für Noah ist das der Anspruch, den sie als Band an sich haben. 

Mit dem neuen Album wollen Pegasus nun auch Europa erobern. «Wir glauben, dass unsere Songs gut genug sind», erklärt Gäbu. Keine einfache Sache findet Musikproduzent Chris von Rohr, 62. Ihm gefällt die Melodiewelt von Pegasus: «Aber Auslanderfolge haben sehr viel mit Management, Timing, und natürlich auch Präsenz vor Ort zu tun - dranbleiben ist alles.» 

Sie schwitzen unter ihren Jacketts. Was sich an Schweiss unterm Hemd anstaut, versucht übers Gesicht zu entweichen. Die Haare kleben an der Stirn. Ihre Gesichter sind rot. Noah richtet ein-, zweimal seine Fliege. Er, der Perfektionist, wird sich nach dem Konzert darüber aufregen, dass sie nicht wirklich sass. Das Schlagzeug von Stefan steht in der hintersten Ecke. Da, wo sich die Hitze staut. Er greift bei jeder Gelegenheit zum Handtuch. Simu hat sich die Ärmel seines Hemds abgeschnitten: «Es war einfach zu heiss!» Das Outfit gehört natürlich zur Show. Die Farben ihrer Strellson-Anzüge sind auf das Cover des neuen Albums «Love & Gunfire» abgestimmt. Rot und Blau. Liebe und Gewalt. Das hat Konzept.

Am Schluss des Konzerts reihen sich alle um das Mikrofon von Noah und singen eine Acapella-Version des Beach-Boys-Hits «Surfer Girl». Noah erklärt: «Eine Hommage an das Meer hier in Hamburg.» Tosender Applaus.

SI online verlost je 1x2 Tickets für die Konzerte in Zürich (10. April) und Bern (11. April). Füllen Sie das Formular unten bis spätestens Freitag, 28. März. 12 Uhr, aus - und mit etwas Glück erleben Sie Pegasus demnächst live.

Die Verlosung ist abgeschlossen - die Gewinner werden schnellstmöglich benachrichtigt.

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