Die Rothenbühler Kolumne «Tierschutz ist viel sexyer als alternative Energien»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der mit seiner Tierschutz-Motion einen «Fois-gras-Graben» schaufelte.
Rothenbühler Kolumne Matthias Aebischer
© Keystone / Peter Schneider

Tierschutz ist sexy! Doch der Vorstoss von Nationalrat Matthias Aebischer ging trotzdem bachab.

Lieber Matthias Aebischer

Der Ständerat hat am Mittwoch Ihre Motion versenkt, die der Nationalrat vorher zu schnell durchgewunken hat. Und dabei vergass, dass ein Verbot des Imports von tierquälerisch erzeugten Produkten auch für Foie gras, also Gänseleber, gilt. Eine Delikatesse, die in der Westschweiz «ein ganz zentraler Bestandteil unserer Küche ist», wie Ständerätin Géraldine Savary Sie belehren musste. Sozusagen ein Kulturgut! 

In Paris und Marseille gibts immer mehr Menschen, die für Weinbergschnecken, Frösche und Gänse mehr Empathie aufbringen als für Araber und Afrikaner.

Die Medien sprachen wegen Ihrer Motion schon von einem «Foie-gras-Graben». Aber wie beim Röstigraben muss auch hier differenziert werden: Es gibt nicht hier die lieben Tierschützer aus der Deutschschweiz und dort die bösen Froschschenkel- und Foie-gras-Fresser im französischen Kulturkreis. 

Im Gegenteil: Schon letztes Jahr haben in Frankreich zahlreiche Persönlichkeiten gefordert, das Gänsestopfen zu verbieten. Und in Paris und Marseille gibts immer mehr Menschen, die für Weinbergschnecken, Frösche und Gänse mehr Empathie aufbringen als für Araber und Afrikaner. Aber die echten Gourmets freuen sich, dass es jetzt auch Gänseleber ohne Stopfen gibt, einfach viel teurer.

Bei den Bergbauern nachschauen ist natürlich politisch viel gefährlicher, als wenn man sich um das Wohl der Krokodile oder der Gänse kümmert.

Die Stossrichtung Ihrer Motion war übrigens richtig, es hat keinen Sinn, tierische Produkte zu importieren, deren Erzeugung bei uns verboten wäre. Nur sollten Sie auch mal bei den Bergbauern im Winter nachschauen, wie eng sie ihr Vieh halten. Was natürlich politisch viel gefährlicher ist, als wenn man sich um das Wohl der Krokodile oder der Gänse kümmert. 

Gut ist auch, dass Sie als Sozi den Grünen gezeigt haben, wie man mehr Aufmerksamkeit erregen kann: Tierschutz ist viel sexyer als alternative Energien.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

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