Die Rothenbühler Kolumne «Jean Ziegler, wollen Sie als Lachnummer in die Geschichte eingehen?»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem Schweizer Soziologieprofessor und UNO-SonderberaterJean Ziegler, der wieder in alte Schemas zurückfällt.
Rothenbühler Peter Jean Ziegler
© Nicolas Righetti / Lundi13

Ein Flair für die Revolution. Genosse Jean Ziegler verteidigt die Regierung von Venezuela.

Lieber Jean Ziegler

Wollen Sie wirklich als Lachnummer in die Geschichte eingehen? Bis jetzt haben Sie noch immer die Kurve gekriegt, wenn es darum ging, Ihre Freundschaften zu Diktatoren (Gaddafi, Castro etc.) aufzuarbeiten.

Nun scheinen Sie wieder voll ins Schema zurückzufallen: hier gut sozialistisch, da bös amerikanisch. Sie behaupten (in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger») als Einziger weit und breit, das Regime von Nicolas Maduro in Venezuela sei keine Diktatur. Wer das Gegenteil sage, nehme an einer «Diffamationskampagne der europäischen und amerikanischen Presse» teil, gesteuert von der CIA.

Maduros Vorgänger Chávez sei übrigens ermordet worden, durch Einspritzung einer seltenen Krebsart (!). Die Amis seien so böse auf Venezuela, weil die «bolivarische soziale Revolution von kopernikanischem Ausmass (...) eine Bedrohung des US-amerikanischen Imperialismus» darstelle.

Leider sind heute wieder alle mausarm, was ja nach Revolutionen der übliche Verlauf ist ...

So, so. Wo doch die «Revolution» bekanntlich darin bestand, dass Papa Chávez das gigantische Kapital aus dem Ölverkauf gleichmässig an seine Klientel verteilte. Das ging so lange gut, wie der Preis für Öl heiss war. Leider sind heute wieder alle mausarm, was ja nach Revolutionen der übliche Verlauf ist ...

Vielleicht kriegen Sie ja bald einen Friedenspreis von Venezuela. Aber bitte: nicht auffallen damit! Sollte der Mann nämlich vor einem internationalen Gerichtshof landen, macht es sich nicht so gut, wenn Sie sich als Vizepräsident des beratenden Ausschusses des Uno-Menschenrechtsrates wieder mit allerlei intellektuellen Querzügen aus grosser Verlegenheit herausreden müssen. Wie damals bei Gaddafi.

Hasta la vista!

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler
 

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