Die Rothenbühler Kolumne «Die kühle Reaktion unserer Schweizer Medien»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal berichtet er über die Tennis-Spielerin Martina Hingis und ihre liebevolle Seite.
rothenbuehler_kolumne_martina_hingis
© foto-net / Paul Zimmer

Martina Hingis holt sich das Double an den US Open.

Liebe Martina Hingis

Ich mag Ihre frische Art, sich spontan zu freuen über einen neuen Erfolg. Immer noch. Vor allem mag ich, wie liebevoll Sie über Ihre Partner und Partnerinnen reden.

Und dieses Nachvorneschauen: «Das Grösste in meinem Leben kommt hoffentlich noch», sagen Sie, nachdem Sie mit 36 alles erreicht haben, was man als Tennis-Talent anstreben kann. Vorbildlich: Man sollte immer denken, das Beste kommt noch. 

Vor allem mag ich, wie liebevoll Sie über Ihre Partner reden

Nur etwas hat mich nach Ihrem doppelten Triumph am US Open in New York leicht irritiert: die kühle Reaktion unserer Schweizer Medien. Sie haben in zwei Tagen gleich zwei Grand Slam geholt, im gemischten Doppel mit Jamie Murray und im Doppel mit Chan Yung-Jan, 20 Jahre nachdem Sie als 16-Jährige zum ersten und einzigen Mal das US Open für sich entschieden haben. Unglaublich. Historisch! 

Man stelle sich vor, wie die Post abgegangen wäre, wenn unser «Rotscher» gleich zwei Grand-Slam-Siege eingefahren hätte. Liegt die trockene Berichterstattung über Ihre Triumphe daran, dass das Frauentennis weniger gilt? 

Und sie sammelt wieder Sieg um Sieg, wie vor 20 Jahren

Hat man sich zu stark daran gewöhnt, dass Sie im Doppel gewinnen? Ich kann es mir nur mit Blasiertheit erklären. Und muss stellvertretend für viele sagen: Hut ab vor dieser Frau, die mal zurücktreten wollte und wieder eingestiegen ist. Nicht nur wegen des Geldes, sondern weil ihr das Spiel Freude macht. 

Und sie sammelt wieder Sieg um Sieg, wie vor 20 Jahren. Ja, Ihre ungetrübte Spielfreude kommt rüber, so wie bei der überraschenden Siegerin im Damen, Einzel, Sloane Stephens. Wie die sich über den Check gefreut hat, den sie einsacken durfte. So etwas macht auch uns Zuschauern Freude. 

Mit freundlichen Grüssen

Peter Rothenbühler

Auch interessant