Die Rothenbühler Kolumne «Matías Delgado hat mich mit der Fussballwelt versöhnt»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem FCB-Captain Matías Delgado, der per sofort seine Profi-Karriere beendet.
Marco Streller und Matías Delgado
© Keystone

Lieber Matías Delgado

Sie haben mich mit der Fussballwelt versöhnt. Tagelang verfolgte ich – leicht angewidert – das hysterische Hin und Her um den Transfer von Neymar. Wo es nur um den Stutz ging. Kriegt Neymars Papa 25 oder 35 Millionen für die Vermittlung? Was macht Barcelona, um möglichst wenig Steuern zu bezahlen, wenn 220 Millionen Euro Ablöse fliessen? Money, money, money. Katar kauft ein, und Frankreich spielt für die Scheichs einmal mehr das Escortgirl… Aber was solls?

Das ist Fussball!

Noch stecken mir die Steuertricks von Ronaldo schräg im Hals. Dann kommt dieses wunderbare Bild: Matías Delgado, lebendes Maskottchen des FC Basel, von allen geliebt, beendet das, was Sie «die glücklichsten Jahre meines Lebens» nennen. Und weint. Weil Sie das Gefühl hatten, nicht mehr das Beste geben zu können. Weil es Ihnen so leid tut, dass Sie die Fans enttäuschen müssen. Weil Sie mit dem FCB eine Familie verlassen. Und Sie verzichten dabei auf Millionen!

Freund Streller zieht Sie zärtlich an seine Schulter und spricht tröstende Worte. Die Fans skandieren «Delgado, olé, oh, oh.» Für mich wurde klar: Das ist Fussball! Ein Fussballstar, der seinen Fans so viele schöne Momente geschenkt hat, lässt seinen Gefühlen freien Lauf.

Für die Rehabilitation des Fussballs mehr getan als alle Blatters, Infantinos und Platinis zusammen

Bei Ihrem Abschied geht es um das Schönste, was Fussball uns allen schenken kann: Emotionen und nochmals Emotionen. Mit Ihren Tränen haben Sie für die Rehabilitation des Fussballs mehr getan als alle Blatters, Infantinos und Platinis zusammen. 

Für einmal darf man den Song («Don’t cry Argentina») umkehren und sagen: Weine nur, lieber Argentinier. Es tut uns und dem Fussball gut. «Es geht um das Schönste, was Fussball uns allen schenken kann»

Mit freundlichen Grüssen 
Peter Rothenbühler

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