Die Rothenbühler Kolumne «Sie dirigieren das sinkende Schiff mit Grazie»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Post-Chefin Susanne Ruoff, die vermutlich den undankbarsten Manager-Job der Schweiz hat.
Peter Rothenbühler Kolumne Ruoff
© Kurt Reichenbach

Post-Chefin Susanne Ruoff bläst gegenwärtig ein rauer Wind entgegen.

Liebe Susanne Ruoff

Sie haben Ihren Lohn, den viele übertrieben finden, mehr als verdient. Wenn ich lese, was alles auf die Post zukommt, muss ich sagen: Sie haben vermutlich den undankbarsten Manager-Job der Schweiz. Eine Art Sisyphusarbeit: Das Parlament verpflichtet Sie, den Stein den Berg raufzurollen, aber der kugelt gleich wieder runter. 

Wie sollen Sie die Schweiz flächendeckend mit Postdiensten versorgen, wenn diese nicht mehr genutzt werden? 

Verkauf von Schoggistängeli hilft nicht weiter

Ich bewundere, wie Sie eine Hiobsbotschaft nach der andern immer mit einer Portion Zuversicht verkünden, zum Beispiel, dass Kündigungen «nicht zu hundert Prozent ausgeschlossen» sind. Oder dass niemand wisse, ob man nach 2020 noch mehr Poststellen schliessen müsse. Wo doch jeder ahnt, dass sich in zwei Jahren nichts zum Besseren wenden wird. Was denn sonst? Briefverkehr, Postfinance, Logistik, alles geht bachab.

Digitalisierung und private Konkurrenz krempeln das Postwesen in den nächsten zehn Jahren total um. Da wird auch der Verkauf von Papeterieartikeln, Smartphones und Schoggistängeli nicht helfen, erst recht nicht der Einsatz von Drohnen und selbstfahrenden Postautos, lustige Gimmicks, die so viel bringen wie Homöopathie-Kügeli bei einer Lungenentzündung. 

Irgendmal werden wir alle einsehen müssen, dass der rasende Wandel im Postbereich mit der heutigen Postordnung nicht mehr zu bewältigen ist. 

Aber eins muss man Ihnen lassen: Sie dirigieren das sinkende Schiff mit Grazie und Glaubwürdigkeit, loyal unterstützt von Post-Präsident Urs Schwaller. Noch selten machte das Post-Management einen derart geschlossenen Eindruck. Wenigstens das.

Mit freundlichen Grüssen 
Peter Rothenbühler

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