Die Rothenbühler Kolumne «Filippo Leutenegger, wo bleibt die Rechtsgleichheit?»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger. Dabei stellt er die Frage: Wo bleibt eigentlich die Rechtsgleichheit zwischen Velo- und Autofahrern?
Teaser Peter Rothenbühler Filippo Leutenegger
© Keystone

Packt selber mit an: Zürichs Schirmherr Filippo Leutenegger, 64, auf dem Sechseläutenplatz.

Lieber Filippo Leutenegger,

Eigentlich super für Sie, diese Missgeschicke mit den zerfetzten Sonnenschirmen auf dem Sechseläutenplatz. Diese Berge von Mietvelos, die bald Zürichs Strassen verstopfen werden. Gut für den Wahlkampf!

Man kann Ihnen als Vorsteher des Tiefbauamtes oder neuerdings «Schattenminister» nicht wirklich Vorwürfe machen, obschon jeder Abwart beim Einkauf von Sonnenschirmen ein besseres Händchen gehabt hätte …

Vielleicht spielen Sie ja die sympathische Pechmarie absichtlich, um medienwirksam Wahlkampf zu führen. Sie wollen ja Corine Mauch das Stadtpräsidium entreissen, dazu muss man sich schon etwas einfallen lassen. Was die Fahrräder anbelangt, bin ich nicht so optimistisch wie Sie, dass dies der Markt schon regeln werde.

Zerfetzte Sonnenschirme sind gut für den Wahlkampf!

Aber eben: Kein Politiker wagt heute zu sagen, dass die Radfahrer schon jetzt in der Stadt eine echte Plage sind, weil sie sich an keine Vorschriften halten, Autofahrer und Fussgänger dauernd erschrecken. Wenn jetzt noch Tausende Mietvelos dazukommen, die praktisch überall abgestellt werden können, frage ich mich schon, wo die Rechtsgleichheit geblieben ist.

Natürlich verstehe ich Sie: Wenn Sie auch von links und grün gewählt werden wollen, müssen Sie die kommende Veloschwemme sauglatt finden. Aber sehr viele Fussgänger sind Autofahrer, die einen teuren Parkplatz gefunden haben und nicht gerne schwer gebüsst werden, wenn sie zehn Minuten zu spät zum Auto zurückkehren und auf dem Weg erst noch von Radfahrern angerempelt werden. Das sind auch Wähler! Liberalismus ist nicht Anarchie.

Übrigens: Ich bin auch Velofahrer, aber ich halte bei Rot.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

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