Plötzlich Allergikerin Nieder mit den elenden Pollen!

Es hat geschifft, den Blütenstaub weggespült. Und Redaktorin Katja Fischer macht den Regentanz. Zum ersten Mal in ihrem Leben.
Pollenallergie Niessen Blütenstaub Heuschnupfen
© Thinkstock/Getty Images

Schnupfen, niesen, husten.

Ich bin jetzt 30. Und mit 30 weiss man, wo der Bartli seinen Most holt. Alles ist so planbar, so steuerbar. Ohne Kinder erst recht. Auch mit Wehwechen kenn ich mich bestens aus. Bei Wetterumschwung hab ich Kopfweh, im Winter mindestens einmal Stirnhöhlenentzündung. Oder Angina. Man kennt sich und die Zicken seines Körpers. Man hat mittlerweile so seine Tricksli und Mittelchen, um die Volkskrankheiten möglichst rasch zu verbannen.

Und dann kamst Du. Jungfräulich hast Du mich erwischt. Wie ein Orkan weggefegt. Und mich komplett lahmgelegt. Du elender Heuschnupfen!

Am Montag dachte ich noch, die Grippe sei im Anmarsch. Ich hatte typische Erkältungssymptome: Der Kopf brummte, die Nase lief und die Augen tränten. Neocitran und Aspirin mussten her. Am Dienstag - es war noch schlimmer - klärte mich meine Arbeitskollegin auf: Das sind die Pollen, Schätzchen! Willommen im Club! Paperlapapp, warum sollte ich jetzt noch Heuschnupfen bekommen?!

Es ist ja nicht so, dass ich totaler Allergien-Grünschnabel wäre. Als ich als Landmeitli in die Stadt zog, kam ich rasch mit dem Thema in Berührung. Der Prick-Test zeigte: Jetzt bist du auf Katzen allergisch (seis drum). Milben ein bisschen (ich bin stärker). Und Herbstgräser (blühen ja nur im Herbst). Aber jetzt...jetzt ist alles anders. (Und jetzt ist Zeit für Mitleid, bitte. Viiiel Mitleid.)

Ich kann mich nicht mehr konzentrieren, nicht mehr schlafen, nicht mehr essen. Sport ist wegen Atemnot und Energielosigkeit gestrichen. Grillieren und aperölen im Freien sind plötzlich eine Qual. Hilfe, ich bin kein Sommerkind mehr! Aber das Allerschlimmste: Alles dreht sich um die widerwärtigen, fligenden Dinger.

Immerhin: Man trifft auf überall Leidensgenossen. Im Büro, im Zug, sogar im Sushi-Laden. Überall tropft und trieft es. Dieses Jahr scheinen ja alle besonders zu leiden. Das verbindet. Man jammert zusammen. Flucht zusammen. Und hofft gemeinsam auf Regen. Diese Woche habe ich zum ersten Mal in meinen 30 Lebensjahren Regenwetter herbeigesehent. Am Freitagmorgen kam endlich die Erlösung. Durchatmen!

Heute ist ein guter Tag. Ich tanze den Regentanz.

Und hiermit schwöre ich hoch und heilig: Im Herbst gehts in die Desensibilisierung. Anmerkung von Redaktionskollegin Lanz: «Am Arsch isch fiischter, das nehm ich mir auch jedes Jahr vor...»

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