10 Jahre Facebook Im Bett mit Luca Hänni und Co.

Vor zehn Jahren gründete Mark Zuckerberg die Plattform Facebook. Heute hat das soziale Netzwerk über eine Milliarde Mitglieder. Auch Schweizer Stars sind aktiv - und halten via Facebook ihre Fans auf dem Laufenden.

Es war ein kleiner Schritt für Mark Zuckerberg, 29, aber ein grosser Schritt für die Menschheit. Genau genommen war es sogar nur ein Tastendruck. Zuckerberg, damals Psychologie- und Informatikstudent an der amerikanischen Harvard-Universität, brauchte am 4. Februar 2004 bloss auf die Enter-Taste seines Computers zu drücken: Facebook war veröffentlicht, Zuckerberg hatte die Welt mit seinem kleinen Finger verändert.

Heute gehört das soziale Netzwerk - ursprünglich als Plattform für Studenten gedacht - zu den meistbesuchten Internetseiten der Welt. 1,23 Milliarden Benutzer tummeln sich mittlerweile auf Facebook.

Eine von 3.3 Millionen Schweizer Nutzerinnen und Nutzern: Model und Unternehmerin Xenia Tchoumitcheva, 26. Mit 146'000 Fans gehört sie zu den umtriebigeren Facebook-Usern. Auf ihrem Profil gibt es vor allem eins zu sehen: Xenia. Xenia mit Lamborghini, Xenia im Bikini, Xenia mit Nikolauskappe. Fast jedes Bild quittieren ihre Fans mit einem «Like», einer Art digitalen Anerkennung. 4.5 Milliarden solcher «Likes» sprechen die Facebook-Besucher pro Tag aus. «Es ist einfach, mit tollen Bildern viele Likes zu bekommen», sagt Xenia. «Aber darum gehts mir nicht. Ich will den Leuten eine private Seite von mir zeigen. Und mich beruflich vernetzen.»

Eine ganz andere Möglichkeit, Facebook zu nutzen, hatte Tennisstar Roger Federer, 32, erkannt: Nach der Geburt seiner Töchter Charlene und Myla im Jahr 2009 kam er den Paparazzi zuvor und veröffentlichte die ersten Bilder der Zwillinge kurzerhand auf seinem Facebook-Profil.

Es war eins von 350 Millionen Bildern, die heute jeden Tag auf Facebook hochgeladen werden. Welche Wirkung sie haben können, erfuhr der Zürcher FDP-Ständerat Felix Gutzwiller, 65, am eigenen Leib: Als er ein Bild von seiner Ehefrau mit dem Kommentar «This is my Babe» versah, erntete er dafür Hohn und Spott. Noch immer beobachten die ehrenwerten Ratskollegen sein digitales Treiben mit Argwohn: «Es gibt schon skeptische Stimmen unter den Ständeräten. Aber ich habe es ja selber in der Hand, was ich publiziere und was nicht. Ausserdem ist es für mich ein Zeichen der Transparenz. Die Leute haben ein gewisses Recht zu wissen, was ich tue.»

Mark Zuckerbergs Idee war so einfach wie genial: Auf der Plattform kann man alte und neue Freunde finden - und mit ihnen in Kontakt bleiben. Über 340 solcher «Friends» haben Facebook-User heute im Durchschnitt. Aber der neue Freundeskreis trügt: «Facebook kommt aus den USA, und dort steht ‹Friends› nicht für Freunde - sondern für Bekanntschaften», sagt Social-Media-Experte Manuel P. Nappo. Und trotzdem erklärt er den ungeheuren Erfolg des Netzwerks genau damit, dass es eben nicht nur virtuell ist: «Facebook ist echt. Hinter den Profilen stecken echte Menschen. Es bildet die Realität ab. Früher stellte man sein neues Auto in die Auffahrt, damit es alle sahen. Heute stellt man es auf Facebook.»

Nicht selten hat das digitale das wahre Leben eingeholt: Es gibt Adoptivkinder, die ihre leiblichen Eltern auf Facebook entdecken, und Ehefrauen, die dort erfahren, dass ihre Männer sich von ihnen getrennt haben. Oder die Mutter, die 2012 durch Facebook vom Tod ihrer eigenen Tochter erfuhr: Ein Bekannter hatte das Ableben der jungen Frau gepostet, bevor die Polizei die Mutter informieren konnte.

Ein Ende von Facebook ist nicht abzusehen. Im Gegenteil. Allein aus der Schweiz gehen laut einer Erhebung 141 Neuanmeldungen ein - pro Stunde. Und nach dem verpatzten Börsengang vom Mai 2012 (der Aktienwert stürzte damals von 38 Dollar auf 18 Dollar ab) vermeldet Facebook heute einen Umsatz von 7.9 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 1.5 Milliarden. Der Zürcher Investor Daniel Gutenberg, 47, der mit Facebook-Aktien Millionen verdient hat, glaubt sogar, dass Zuckerbergs Imperium die grösste Firma der Welt werden könnte.

Am Boom teilhaben wollen inzwischen viele. Xenia Tchoumitcheva sagt offen, dass sie von ihren Sponsoren ermuntert wird, auf Facebook aktiv zu sein: «Ich bin zu einer richtigen Social-Media-Expertin geworden. Ich weiss zum Beispiel ganz genau, wann ich etwas auf Facebook stellen muss, damit das Feedback am grössten ist. Meine Kontakte sind mein Kapital.»

Ein Leben ohne Facebook ist heute für viele undenkbar. Jeder zweite Nutzer gibt an, dass er am Morgen als Erstes auf Facebook geht - noch vor der Morgentoilette.

Auch in traditionellen Kreisen weiss man um die Vorteile des globalen Netzwerks: Schwingerkönig Matthias Sempach, 27, ist seit drei Jahren auf Facebook präsent. Nach seinem Sieg am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 2013 in Burgdorf schnellte die Zahl seiner Facebook-Fans von 3000 auf 30'000. «Es ist ein gutes Instrument, um mit den Leuten in Kontakt zu bleiben. Ich pflege aber neben der Fanseite keinen privaten Account», sagt Sempach. Jetzt beliefert er die neuen Freunde regelmässig mit Nachrichten aus seiner Welt: zum Beispiel mit Bildern vom Siegermuni Fors vo dr Lueg, den er besonders gerne postet. Seinen Facebook-Freunden gefällts. Das letzte Bild von Fors vo dr Lueg quittierten fast 300 Fans mit einem «Like».

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