Kampagne Prominente fordern Frauenquote

Die Stimmen nach einer Mindestzahl an Frauen in Chefsesseln werden lauter. In ihrer aktuellen Ausgabe fordert die Zeitschrift «Annabelle» nun konkret: 30 Prozent weibliche Arbeitnehmer im obersten Kader. 200 Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft unterstützen das Begehren - darunter zahlreiche bekannte Gesichter.

Frankreich, Italien, Belgien, Holland und Spanien haben sie bereits beschlossen. In Deutschland wird sie heiss diskutiert. Und die Schweiz? Sie hinkt einmal mehr hinterher. Nur zögerlich wird die Frauenquote hier zum Thema. Die «Annabelle» will ihm nun einen zünftigen Schub verleihen und widmet ihre neue Ausgabe, die am Mittwoch erscheint, der Kontroverse.

Denn noch immer befinden sich die Frauen in den Chefetagen hiesiger Unternehmen in der Warteschlange. Die Fakten: Gemäss Schillingreport 2012, einer Studie über die Führungsgremien in den 100 grössten ­Unternehmen der Schweiz, sind gerade mal fünf Prozent der Geschäftsleitungen weiblich. Nur drei Prozent beträgt der Frauenanteil bei den CEOs. Und in den Verwaltungsräten sind es elf Prozent, wobei Nayla Hayek von der Swatch Group zurzeit die einzige Verwaltungsratspräsidentin der Schweiz ist.

Die Macherinnen der «Annabelle» sind überzeugt, dass eine Quote nötig ist, wenn sich «vor unserer aller Pensionierung noch etwas ändern soll». Und sie fordern: eine auf fünf Jahre befristete Frauenquote von 30 Prozent in der operativen Unternehmensführung für Betriebe mit mindestens 200 Mitarbeitenden. Anhand eines Online-Formulars sollen die Leser und Leserinnen sich öffentlich dafür einsetzen und ein Statement sowie ein Foto von sich hochladen. 

Bereits über 200 weibliche und männliche Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft stehen hinter dem Begehren - mehr als die Hälfte davon wird im Heft mit Bild abgebildet - darunter zahlreiche Prominente, zum Beispiel:

  • Jubaira Bachmann, ehemalige Chefin des Musiksenders MTV und Strategy Consultant
  • Ivo Adam, Spitzenkoch und Geschäftsführer der Seven-Gruppe, Ascona
  • Nadja Schildknecht, Geschäftsführerin des Zurich Film Festival
  • Silvia Affolter, Ex-Miss-Schweiz und Geschäftsführerin von Your Story - City Guide TV
  • Beat Schlatter, Schauspieler
  • Milena Moser, Schriftstellerin
  • Clifford Lilley, Image- und Styleberater
  • Nadine Strittmatter, Model («Eine vorübergehende Frauenquote ist das kleinere Übel als der Status quo.»)
  • Julia Saner, Model
  • Sibylle Berg, Schriftstellerin
  • Sina, Sängerin
  • Bianca Gubser, Model

Einige bekannte Gesichter melden sich auch skeptisch zu Wort, beispielsweise:

  • Sepp Blatter, Präsident des Weltfussballverbandes Fifa
  • Michael Steiner, Regisseur
  • Roger Schawinski, Radio- und TV-Moderator und Unternehmer

Das Titelblatt der «Annabelle» ziert hingegen eine weniger prominente Person. Während normalerweise Hollywood-Stars oder Topmodels darauf abgebildet sind, ist es dieses Mal Mabel Zuppinger († 1978) - die Begründerin des Magazins. 1928 rief sie es ins Leben, als erste Frauenzeitschrift der Schweiz. «Manchmal braucht es nur eine Frau, um die Schweiz zu verändern», heisst es unter ihrem Konterfrei. «Manchmal 30 Prozent.»

Was ist Ihre Meinung zur Frauenquote in der Schweiz? Würden Sie ein entsprechendes Gesetz befürworten? Oder ist diese Regelung kein sinnvolles Instrument? Diskutieren Sie mit - in unserer Umfrage oder im untenstehenden Kommentarfeld!

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