Zu Besuch beim frisch verliebten Paar Esposito und Bickel: «Erst der Job, dann die Beziehung»

Sie ist auf der Bühne zu Hause, er auf dem Fussballplatz. Trotzdem sind Regula Esposito und Fredy Bickel ein unschlagbares Team. Gefunkt hat es nach Jahren bei einem Besuch in seiner neuen Heimat Wien.
Regula Esposito und Fredy Bickel
© Geri Born

Bern im Herzen: Regula Esposito und Fredy Bickel in seiner Wiener Wohnung. Das Bild von Bern an seiner Küchenwand war ein Geschenk von YB. 

Wie heisst der Weingott der Griechen? «Dionysos», sagt Fredy Bickel, 53. «Ich gebs auf», meint Regula Esposito, 52, lachend und lässt die Karten des Weinquiz, welches das Paar spielt, auf den Couchtisch fallen. Das Spiel ist symbolisch für die Beziehung der beiden. Schliesslich will gut Ding Weile haben. Das gilt für Wein genauso wie für die Liebe zwischen der Bühnenkünstlerin und dem Fussballfunktionär. Bereits vor fünf Jahren haben sie sich bei einem Abendessen kennengelernt. Es entstand eine Freundschaft.

Das Gästezimmer ist Vergangenheit 

Vergangenen Sommer fragte Regula Fredy, ob sie bei ihm in Wien an ihrem Soloprogramm für die diesjährige Tour des Circus Knie schreiben dürfe, mit dem sie aktuell als ihre Bühnenfigur Helga Schneider unterwegs ist. So wohnte sie zwei Monate lang in Bickels Gästezimmer. «Da merkten wir, dass wir einander guttun», sagt Regula. Danach häuften sich ihre Besuche in Wien. «Und irgendwann», sagt Fredy lachend, «übernachtete sie nicht mehr im Gästezimmer.»

Regula Esposito und Fredy Bickel
© Geri Born

Zeit zu zweit: Das Paar amüsiert sich köstlich beim Wein-Quiz. Fredys Wohnung war teils möbliert, ein Teil der Möbel sind seine. 

Sein Handy klingelt. Er wirft einen Blick drauf und nimmt es vom Tisch. Regula verzieht keine Miene. Fredys gigantisches Arbeitspensum als Geschäftsführer Sport beim Fussballklub SK Rapid Wien ist kein Problem für sie. So wie die Tatsache, dass sie mit ihren Programmen monatelang durch die Lande tourt, keines für ihn ist. «Unsere Jobs haben Priorität. Die Beziehung kommt danach», sagt Regula. Manchmal sieht sich das Paar lange nicht. «Dafür ist die Zeit, die wir zusammen verbringen, umso schöner.»

Fredy steht inzwischen mit dem Handy am Ohr auf der Terrasse seiner grosszügigen Wohnung im 2. Bezirk. Er lässt den Blick über den Augarten schweifen. Im Hintergrund erhebt sich ein bunter Turm – die Müllverbrennungsanlage, verziert vom Künstler Friedensreich Hundertwasser. Auch das ist symbolisch, irgendwie. Denn wer beim Begriff Fussballfunktionär an einen taffen, funktionalen Turm von Mann denkt, kennt Fredy Bickel nicht. 

«Vermutlich hat es diesen Tritt in den Arsch gebraucht»

Dass er Fussball nicht nur liebt, sondern jeden Tag lebt und atmet, zeigt nicht nur der kleine Fussballschuh, den er an einem Goldkettchen um den Hals trägt. Sondern auch, dass er nie einen Hehl daraus machte, dass ihm der Rausschmiss als Sportchef von YB vor zwei Jahren das Herz brach. Er hat gelitten, gehadert – und gefeiert, als die Berner den Meistertitel holten. Aber jetzt sei es Zeit, abzuschliessen und sich auf seine neue Aufgabe beim stark angeschlagenen österreichischen Rekordmeister zu konzentrieren. Und: «Vermutlich hat es diesen Tritt in den Arsch gebraucht, damit ich endlich den Schritt ins Ausland wagte, für den ich jahrelang zu feige war!»

Regula Esposito und Fredy Bickel
© Geri Born

Wien, Wien, nur du allein...Fredy trägt seine Regula auf Händen durch Vergnügungsviertel Prater, das bei ihm gleich um die Ecke ist. 

Bickel legt das Handy zurück auf den Tisch. «Essen wir hier, oder gehen wir in die Stadt?» Ein Blick in den Kühlschrank offenbart eine Flasche Weisswein, einen Karton Tomatensaft und ein Pack Kägi fret. «Ich kann nicht kochen», meint Fredy. «Und ich bin froh, dass Regula hier nicht öfter kocht, sonst würde ich schnell zunehmen. Sie ist eine grossartige Köchin.» Da ihm die Zeit fehlt, seine Wahlheimat zu entdecken, setzt er auf die kulinarischen Empfehlungen seiner Gäste. Die Eltern, die Schwester und der Schwager sind monatlich zu Besuch, die Töchter Lara, 26, und Valeria, 24, kommen «je nach Beziehungsstatus öfter oder weniger».

«Ich habe sehr lange gebraucht, um darüber hinwegzukommen»

Im Leben von Regula Esposito haben sich Kinder nicht ergeben. «Ich verspürte nie einen innigen Wunsch danach, Mutter zu werden.» Der einzige Mann, mit dem sie sich Kinder hätte vorstellen können, war der Schriftsteller Flurin Spescha. Etwas über drei Wochen lang waren sie verheiratet, als er mit 42 Jahren überraschend an Herzversagen starb. «Ich habe sehr lange gebraucht, um darüber hinwegzukommen.»

Regula Esposito und Fredy Bickel
© Geri Born

«Er bringt mich jeden Tag zum Lachen», Regula Esposito über Fredy Bickel. «Sie tut mir gut», sagt er über sie. 

Mangels Kühlschrank-Inhalt machen sich Regula und Fredy auf ins «Schwarze Kameel», eines ihrer Lieblingslokale. Die belegten Brote sind ein Traum. Was unbedingt draufmuss: «Kreen» – Meerrettich. «Ich sage allen, sie sollen Wienerisch mit mir reden, und ärgere mich, wenn ich einen Ausdruck nicht verstehe», sagt Fredy. Dass ihn ab und zu das Heimweh packt, macht ihm ein schlechtes Gewissen: «Alle geben sich so viel Mühe, damit ich mich hier zu Hause fühle. Aber ich bin halt sehr heimatverbunden.» 

Eifersucht? Fehl am Platz!

Etwa alle sechs Wochen fliegt der Zürcher in die Schweiz, und hat natürlich seine Regula auch schon öfter in der Knie-Manege bewundert. Auch wenn ihm der Anblick «dieser durchtrainierten Artisten gar nicht behagt», wie er scherzhaft sagt.Trotz Fernbeziehung sei Eifersucht kein Thema, sagt Regula. «Wir vertrauen einander.» Dabei sei Fredys grösster Konkurrent momentan tierischer Natur: Kamel Amor, mit dem Regula die Manege teilt, kommt ihr öfter mal gefährlich nahe. Das zeigen die blauen Flecken an ihren Beinen. Trotzdem ist der Zirkus eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte: «Ich hatte Respekt davor, denn es ist etwas ganz anderes als die Bühne. Dass meine Helga Schneider so gut beim Zirkus-Publikum ankommt, freut mich wahnsinnig», sagt die ehemalige Acapickels-Komikerin.

Regula Esposito und Fredy Bickel
© Geri Born

Weitblick: Die Bar «Das Loft» im 18. Stock des Hotels Sofitel mit Blick auf den Stephansdom ist einer der Lieblingsplätze des Paares. 

Nach einem Apéro im Hotel Sofitel, von dessen Bar aus man einen herrlichen Blick über Wien hat, und einem kurzen Spaziergang über den Prater geht das Paar zurück nach Hause. Ob sie sich vorstellen können, «richtig» zusammenzuleben? «Darüber machen wir uns keine Gedanken, wir nehmens, wies kommt», sagt Fredy, der den Entschluss, wie lange er noch in Wien bleiben möchte, gerade noch etwas reifen lässt. Gut Ding will Weile haben. Und was gut ist, stellt sich oft erst im Nachhinein heraus. Zum Beispiel nach fünf Jahren … 

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