Mia Aegerter Reisetagebuch: Osloh my god - it's cold!

In diesem Jahr erfüllt sich Mia Aegerter einen Traum. Die Schauspielerin und Musikerin reist mit ihrer Fotokamera bewaffnet nach Norwegen und macht sich dort auf die Suche nach dem Polarlicht. Für SI online führt die Freiburgerin während ihrer Reise Tagebuch. Im sechsten Teil geniesst sie die Schönheit der Haupstadt - ihre einzigen Probleme: die fehlende Zeit. Und die Kälte.

Tag 6

Oslo Flughafen. Ich schnappe mir einen Touristenguide inklusive Stadtkarte und studiere erst mal die Sehenswürdigkeiten, während ich auf den Zug Richtung Oslo Central warte. So viele Museen und so wenig Zeit. Die Fahrt nach Downtown dauert ungefähr 20 Minuten. Eine weich gezeichnete Landschaft, als wäre Bob Ross am Werk gewesen, zieht an mir vorbei. Die Sonne, eine grosse, schwache Kugel. Wie eine Energie-Sparlampe hängt sie im pastellfarbenen Nebel. Darunter die schneegezuckerten Bäume. Ab und zu mal ein verschneites Haus. Ich rase im Zug durch ewige Weiten. Erster Gedanke am Zentralbahnhof: kalt! Das nördlicher gelegene Tromsø ist temperaturmässig viel milder. Warum?

Am Bahnhof stecke ich meinen kleinen Rucksack in ein Schliessfach und mache mich auf zur Stadterkundung. Von der Oper bin ich am meisten angetan. Von weitem sieht sie aus, wie ein Raumschiff, von Nahem wie ein gestrandeter Walfisch. Der Ausblick über das Wasser ist gigantisch.

Meine Hände und Füsse sind okay, aber was mich in die Knie zwingt, sind meine Kniescheiben. Seit wann sind Knie so derart kälteempfindlich? Ich bringe meine Scheiben also in die Wärme. Ins nächste Museum, das ich finden kann. Museet of Samtidskunst. Thema: Music in contemporary art. Passt! Das Museum öffnet in der Sekunde, als ich da ankomme. Also bin ich die erste Besucherin. Das ist mir auch noch nie passiert. Nach 15 Minuten eine weitere Person. Catti Brandelius alias «Miss Universum». Eine schwedische Performance-Künstlerin. Ihre Musik-Videos werden in einem Raum auf Röhren-TVs ausgestrahlt. Ihr Blick ist mehr als silbern, und ihre Texte sind frech. I like.

Ich treffe mich mit Lars und Kerstin. Zwei Freunden aus Deutschland, die schon vor längerer Zeit nach Norwegen gezogen sind. Auch sie schätzen die Ausgeglichenheit und Ruhe der Norweger. Interessant: Frauen werden hier im Durchschnittsalter von 25 Jahren schwanger. Die Gesellschaft und Firmenpolitik ist sehr familienfreundlich. Die beiden zeigen mir den östlichen Stadtteil Grünerløkka. Coole Cafés mit Studentenflair. Danach an der Kunsthochschule vorbei Richtung Markthalle. Ein absoluter Gaumen- und Augenschmaus erwartet uns da. Maritime Eleganz prägen die stilsichere Innendekoration. Man beachte die stylischen Lampen auf den Fotos. Delikatessen, die so delikat sind, dass man sie lieber ausstellen als essen möchte. Käse, der wie Torte aussieht und wie Schmuck verpackt wird. Die Qualität hat seinen Preis. Die Norweger habens und bezahlen, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Munch Museum schaff ich nicht mehr. Oslo an einem Tag ist ambitioniert.

Kurdisches Abendessen mit Regisseur Hisham Zaman. Sein Film «Before Snowfall» hat das internationale Filmfestival in Tromsø eröffnet. In Oslo gibt es Strassen, die ein Norweger nie betreten würde. Hisham kennt jede Ecke und berichtet darüber. Er fragt, ob ich irgendwann mal sein Geburtsland Kurdistan bereisen werde. Absolut. Das Essen schmeckt hervorragend!

Alle Tagebuch-Einträge von Mia Aegerter finden Sie im Dossier von SI online. 

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