Mia Aegerter Reisetagebuch: Vorurteile revidiert!

In diesem Jahr erfüllt sich Mia Aegerter einen Traum. Die Schauspielerin und Musikerin reist mit ihrer Fotokamera bewaffnet nach Norwegen und macht sich dort auf die Suche nach dem Polarlicht. Für SI online führt die Freiburgerin während ihrer Reise Tagebuch. Im ersten Teil wird ihr bewusst, dass sie in Norwegen nicht mit Euro zahlen kann und die Leute unwahrscheinlich warmherzig sind.

Tag 1

Mein persönliches Wort für das Jahr 2013, heisst «Hochdenarsch». Seine eigenen Träume sollte man nicht ewig vor sich herschieben! Gedacht, gebucht! So sitz ich nun etwas nervös im Flieger Richtung Tromsø. Nervös, weil ich so gar nicht vorbereitet bin. Haben die Norweger Euro? Die Zeitschrift «n», hier im Vordersitz, klärt mich auf. Kronen, natürlich! Ich erfahre zusätzlich, dass die Frauenband Katzenjammer aus Norwegen kommt und dass vom Rica Ishavshotel in Tromsø eine Tour zur Nordlichtjagd angeboten wird. Schnell abknipsen. Ich wollte mich zwar auf eigene Faust an die Aurora Borealis ranpirschen, aber vielleicht wäre ein Experte doch ganz praktisch. Die Wetterprognosen sind nicht so rosig. Nordlichter finden in circa 100 km Höhe statt. Sie sind nicht zu sehen, wenn sich Wolken an den Himmel hängen.

Zwischenstop Oslo. Mein erster Kontakt mit einem Wikinger verlief gut. Er plärrte mich zwar aus voller Kehle an, aber seine Mutter versicherte mir, dass der Knirps nur müde ist und der Platz neben ihnen noch frei wäre. Ihre norwegischen Worte polterten wie Eisklötze vor mir auf die Tischplatte und schmolzen angesichts ihrer warmen, herzlichen Augen sofort dahin. Ich war positiv überrascht. Hatte ich Vorurteile? Ich nahm wohl an, dass sich das kalte Klima im Norden automatisch auf die Menschen übertragen müsse.

Ich esse Fisch. Was sonst. Nur ein paar Flugstunden weg und doch ist vieles anders. Schmalere, dafür längere Wasserflaschen, andere Währung, Vokale mit Kringel über dem Kopf. Zur rechten Seite ein Fenster. Stockdunkel um 16.00 Uhr. Der Mond hängt wie ein Zitronenschnitz am klaren, wolkenlosen Nachthimmel. Vielleicht hab ich ja heute doch Glück...

Ich habe kein Glück. Zumindest nicht mit den Nordlichtern. Zu viele Wolken. Dafür übernachte ich in einem der niedlichen norwegischen Holzhäuser, die hier so bunt und unschuldig in der Gegend rum stehen. Mein Gastgeber Mark ist gestern erst in sein Haus eingezogen. Trotz Umzugsstress hat er mich vom Flughafen abgeholt und mir Burritos gekocht. Da ist sie wieder, die nordische Wärme. Ich hatte ihn übers Couchsurfing gefunden. Auf fremden Sofas zu surfen, ist die schnellste und einfachste Art, ein Land und seine Leute kennen zu lernen. Ein wundervolles Prinzip, dass auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert. Nach meiner missglückten Jagd habe ich Mark geholfen, die Garage frei zu räumen, damit sein Auto rein passt. Danach haben wir versucht, den Holzofen im Wohnzimmer in Gang zu bringen. Warm ist es, aber dafür riech ich jetzt wie eine norwegische Räucherwurst. Egal, jetzt erst mal schlafen. Vorhänge lass ich auf. Bleibt ja eh dunkel.

Am Donnerstag, 17. Januar 2013, geht es weiter mit Mia Aegerters Reisetagebuch auf SI online. 

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