Carlo Janka Richtung Ski-Olymp

Er wird immer unheimlicher: Carlo Janka, 23, gewinnt die traditionsreiche Lauberhorn-Abfahrt als Beinahe-Neuling. Und bleibt im Volksfest cool wie eh und je.

Um ihn herum kocht die Stimmung über. 30 000 Ski-Fans in Wengen sind ausser Rand und Band. Für Carlo Janka kein Grund, seine Coolness einmal abzulegen. Dabei hat der Bündner gerade die Lauberhorn-Abfahrt und 53'000 Franken Prämien in zwei Tagen gewonnen! «Man siehts mir halt nicht so an, aber der Sieg hier ist für mich ganz speziell.» Teufelskerl? Ski-Gott? Wohl beides. Manch Ski-König, auch ein Russi oder Cuche, hat in Wengen (noch) nie ge­wonnen – «Jänks» gleich bei seiner zweiten Teilnahme. Das Erfolgsgeheimnis? «Keine Ahnung, ich fahre einfach.»

Trainer und Konkurrenten aber schwärmen: unglaubliches Gefühl, bedingungsloser Trainingseinsatz, mentale Stärke. Unter Druck gesetzt fühlt sich Carlo deswegen nicht: «Vor dem Start fokussiere ich mich aufs Wesentliche, das reicht.» Auf dem Heimweg wird Carlos Coolness nochmals auf die Probe gestellt: Als er sich am Samstag, sichtlich
erschöpft, in einen Zug nach Lauterbrunnen quetschen möchte, wird er von einem Bahnarbeiter angeschnauzt: «He, du, auf dem Perron warten, der Zug ist voll!» Carlo zuckt mit den Schultern und steht hinten an. Als ein Fan eingreift und dem Bahnangestellten erklärt, dass das doch der Carlo sei, schnauzt dieser: «Den kenn ich nicht.» Immerhin: Kurz darauf findet Jänks im nächsten Zug Platz.

Ebenfalls nicht aus der Ruhe zu bringen ist OK-Präsident Viktor Gertsch. Sein Lieblingsspruch: «Das Wetter findet draussen statt. Mit oder ohne mich.» Viele Emotionen zeigt in Wengen dafür Marco Büchel: Seine letzte Fahrt am Lauberhorn beendet er auf dem Podest – und erhält an der Pressekonferenz von den Journalisten Standing Ovations. Büxi hat Tränen in den Augen. Apropos Erfolgsgeheimnis: Silvan Zurbriggen (Dritter der Super-Kombi) isst jeden Tag zwei Honigbrötchen zum Frühstück. «Das einzige natürliche Antibiotika für Menschen. Ich schwöre darauf.» Bundesrat Ueli Maurer schwört hin­gegen auf «seine» Armee: «Ohne sie könnte ein solches Ski-Fest nicht durchgeführt werden. Was die Truppe hier leistet, ist fantastisch.»

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