In Wimbledon gibts trotz Aufgeben Preisgeld Roger Federer regt sich über verletzte Spieler auf

Er geht an Turniere, um spannende Spiele zu liefern. Nun ärgert sich Roger Federer darüber, dass sein erster Gegner frühzeitig aufgab und dafür trotzdem noch ein Preisgeld abkassiert.
Roger Federer in Wimbledon 2017 mit Alexandr Dolgopolov
© Getty Images

Der Match zwischen Federer und Dolgopolow war schon nach 35 Minuten zu Ende.

In der ersten Runde auf dem Platz stehen. Wenns schlecht läuft: Aufgeben. Preisgeld von rund 43'600 Franken kassieren. Nach Hause gehen.

So einfach geht das am Wimbledon Tennisturnier. Nicht so lustig findet diesen Fakt Roger Federer. Der 35-Jährige beklagt sich nach seinem ersten Match gestern Dienstag über die zu grosszügige Regelung.

Denn nach 35 Minuten gibt sein Gegner, der Ukrainer Alexander Dolgopolow, schon auf. Gespielt haben die Tennisspieler gerade mal einen ganzen Satz. Den entschied Federer mit 6:3 für sich. Als der Schweizer im zweiten Satz mit 3:0 führt, gibt Dolgopolow auf. Er habe zu starke Schmerzen im Bein, so die Begründung des Ukrainers.

«Wer den Match nicht beenden will, sollte gar nicht antreten»

Nicht nur die Zuschauer, die bis zu 1200 Franken für ein Ticket bezahlt haben, waren enttäuscht — auch Roger. In einem Interview nach dem Spiel sagte er: «Ich fühle mit den Zuschauern mit. Sie sind gekommen, um gutes Tennis zu sehen.»

Federer deutet sogar an, dass einige Spieler trotz Verletzung den Platz betreten, um das Preisgeld abstauben zu können. «Ein Spieler sollte nicht auf dem Platz stehen, wenn er weiss, dass er den Match nicht beenden wird», sagt Federer. «Die Frage ist, glauben sie wirklich daran, ihn zu beenden? Wenn sie das nicht tun, sollten sie auf eine Teilnahme ganz verzichten.»

Kein Einzelfall

Dolgopolow rechtfertigte sich fürs Kassieren des Preisgeldes: «Die Realität ist, du bekommst das Geld, so ist es einfach. Die meisten Teilnehmer benötigen dieses, um ihre Coaches zu bezahlen und weiterspielen zu können.» Der Ukrainer bedauere, dass er nicht mehr weiterspielen konnte. Trotz Physio-Therapie sei er leider nicht fit genug gewesen, und habe das erst während des Spiels gemerkt.

Der Ukrainer war nicht der einzige, der vorzeitig aufgab und das Preisgeld kassierte. So war der erste Match von Novak Djokovic, 30, ebenfalls gestern Dienstag, auch schon nach 40 Minuten zu Ende. Sein Gegner Martin Klizan aus der Slowakei gab ebenfalls auf. Sein Problem: Der Knöchel.

«Wenn Federer seine 500 Millionen zurückgibt...»

Keine Freunde machte sich der Tennisspieler Bernard Tomic, 24. Der Australier gab zwar nicht auf, aber verlor in der ersten Runde sang- und klanglos gegen den Deutschen Mischa Zverev, 29. Auf das Preisgeld von 43'600 Franken angesprochen, reagiert Tomic schnippisch. Erst gibt er ganz offen zu, sich beim Match ganz einfach «gelangweilt» zu haben, dann entgegnet er der Journalistin: «Wenn Federer seine 500 Millionen zurückgibt, tue ich es auch.»

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