Roman Bürki «Sexy» ist dem GC-Goalie unangenehm

Im Rennen um die Fussball-Meisterschaft ist GC dem FC Basel dicht auf den Fersen. Auch dank Roman Bürki. Der Goalie überzeugt dabei nicht nur sportlich. Im Interview spricht er über Körperkult, Kirche und Klischees.

Zuletzt stand Roman Bürki, 23, in den Schlagzeilen, weil er den Spekulationen um einen Wechsel zum FC Basel gleich selber ein Ende gesetzt hat. Und weil er trotz gebrochener Rippe und Bauchmuskelzerrung spielte. Damit beweist er, dass ihm seine enge Verbundenheit zu GC wichtiger ist als das grosse Geld. Und dass auch ein Fussballer, der auf sein Styling bedacht ist, auf die Zähne beissen kann. Beim Interview und Fotoshooting für die Schweizer Illustrierte zeigt er, dass sich gutes Aussehen und Tiefgründigkeit nicht ausschliessen.

Schweizer Illustrierte: Roman Bürki, Ihr Spitzname ist «Sexy». Erklären Sie uns das bitte mal!
Roman Bürki: In der Öffentlichkeit ist mir das ein bisschen unangenehm. Den Namen hat mir mein ehemaliger Teamkollege Steven Zuber verpasst, als ich zu GC kam. Jetzt steht er sogar auf der Autogrammkarte. Ich würde mich selber nie so nennen.

Aber Ihr Aussehen ist Ihnen schon wichtig?
Sicher, bevor ich aus dem Haus gehe, schaue ich in den Spiegel. Aber das ist heutzutage wohl bei jedem Fussballer so.

Warum gerade bei euch Fussballern?
Wir stehen in der Öffentlichkeit und wollen darum anständig aussehen. Im Gegensatz zu den Eishockeyspielern tragen wir zum Beispiel keinen Helm und keine dicke Ausrüstung, so ist alles sichtbar. Aber klar, einige von uns übertreiben es auch.

Was meinen Sie damit? Wo ist die Grenze?
Ich zupfe meine Augenbrauen, rasiere mich. Aber Make-up brauche ich bestimmt nicht in meinem Gesicht. Ausser jetzt beim Fotoshooting (lacht).

Wie lange brauchen Sie denn im Bad?
Vor dem Training höchstens fünf Minuten. Ich sehe da ja nur meine Mitspieler (lacht). Wenn ich mich für den Ausgang bereit mache, rege ich mich selber auf, wenn ich zu lange brauche, weil meine Frisur nicht passt...

Also ist «Sexy» doch ziemlich eitel?
Ja, schon. Ich muss mit einem guten Gefühl aus dem Haus gehen.

Ihr durchtrainierter Körper ist mit vielen Tätowierungen geschmückt. Wie ja bei vielen Ihrer Berufskollegen. Wieso sind Fussballer eigentlich so versessen auf Tattoos?
Vielleicht weil wir auf dem Platz alle Ringe und Halsketten ausziehen müssen. Die Tätowierungen sind dann unser Schmuck.

Ist es schon fast eine Sucht?
Das hat schon was. Aber ich habe auch da ganz klar meine Grenzen.

Nämlich?
Ich würde mir nie das Gesicht tätowieren lassen. Oder die Hände. Jetzt kann ich mit einem Langarmshirt immer noch alles verdecken, wenns sein muss.

Sind eure Tattoos in der Garderobe ein Thema? Herrscht sogar ein Konkurrenzkampf?
Ein Konkurrenzkampf nicht, aber es ist schon ein grosses Thema. Wir haben auch alle denselben Tätowierer, Csaba Kiss im Zürcher Seefeld.

Wann liessen Sie sich erstmals stechen?
Das war noch in Bern. Ein Kreuz zwischen den Schulterblättern war mein erstes Motiv. Mit 18!

Weil Sie da die Zustimmung Ihrer Eltern nicht mehr brauchten?
Ja, ich musste warten, bis ich volljährig war. Aber ich frage meine Eltern auch heute noch nach ihrer Meinung, obwohl ich schliesslich selber entscheide. Nach dem ersten Tattoo sagten sie: «Jetzt reichts dann aber.» Und das sagten sie bei jedem weiteren, das folgte.

Was meint Ihr jüngerer Bruder Marco? Er ist ja auch Profi-Fussballer bei YB.
Ihm gefällts, und er will auch eines. Aber er überlegt immer zu lange. Im Gegensatz zu mir, ich mache es einfach.

Mit dem Risiko, es später einmal zu bereuen.
Ich habe noch nichts bereut. Und so wie sich die Technik entwickelt, gibt es bestimmt bald eine Möglichkeit, die Motive wieder entfernen zu lassen (lacht).

Sie haben also noch lange nicht genug?
Ich bin gerade daran, alte Motive zu überdecken. Zu Maria und Jesus auf dem Unterarm kommen auf Oberarm und Schulter noch weitere christliche Motive.

Sie sind also religiös?
Ja. Ich gehe zwar nicht jede Woche in die Kirche. Aber ich glaube an gewisse Grundsätze: dass man andere so behandeln sollte, wie man selbst behandelt werden will. Und dass man selbst belohnt wird, wenn man Gutes tut.

Die Grasshoppers scheinen Sie auch gut behandelt zu haben. Schliesslich haben Sie kürzlich dem Werben des FC Basel widerstanden.
Ich fühle mich wohl bei GC. Ich weiss zu schätzen, was der Klub alles für mich tut. Mein Ziel ist irgendwann ein Wechsel ins Ausland. Einen Wechsel in der Schweiz sehe ich nicht als sinnvoll.

Sie haben mit Ihrer Absage an Basel auf viel Geld verzichtet.
Das stimmt. Aber es ist ja nicht so, dass ich jetzt wenig verdienen würde. Ich habe mir immer gesagt, dass ich die Entscheidungen jeweils aus sportlicher Sicht, nicht des Geldes wegen treffe. Und wir haben grosse sportliche Ziele mit GC. Unsere Chancen auf den Meistertitel stehen gut. Und somit auch auf die Champions League im Herbst.

Um diese Ziele zu erreichen, haben Sie vor Kurzem sogar mit gebrochener Rippe und gezerrtem Bauchmuskel gespielt. Wie gross waren die Schmerzen?
Gross. Aber ich habe ein super Ärzte-und Physioteam, das mich betreut. Und wenn der Wille da ist, dann kann man auch auf die Zähne beissen.

Da scheinen Sie eine Ausnahme zu sein unter den Fussballern, die mitunter als Mimosen gelten.
Ich hasse es einfach, zu pausieren. Ich fühle mich hilflos, wenn ich nicht spielen kann. Das ist für mich schlimmer als die Schmerzen.

Sie wirken sehr taff. Welches ist Ihre weiche Seite?
Bei Tieren werde ich schwach. Als ich vom Tod des Bären im Tierpark in Bern gelesen habe, hat mir das brutal wehgetan. Und als die eine Katze meiner Eltern starb, ist für mich eine Welt zusammengebrochen. Jetzt habe ich selber einen kleinen Hund, Cliff, mit dem ich gerne spiele.

Wer darf ausser Cliff sonst noch mit Ihnen kuscheln?
Mein Privatleben versuche ich, privat zu halten. Nur so viel: Ich bin zurzeit Single.

Warum? An Angeboten von Frauen wird es Ihnen ja nicht mangeln.
Es ist gerade gut so, wie es ist.

Wie müsste Ihre Traumfrau denn aussehen?
Ich bevorzuge keinen bestimmten Typ. Ein herziges Gesicht sollte sie haben, denn das Aussehen ist natürlich das, was einem zuerst auffällt und das Interesse weckt. Ich wünsche mir jemanden, der sich für mich als Person interessiert und nicht nur als Fussballer.

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