Die Rothenbühler Kolumne «Sie sind schon sehr grosszügig mit Ihrer Partei»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal Alt-Bundesrätin Elisabeth Kopp, die er für ihr versöhnendes Lächeln, das sie der FDP schenkt, bewundert.
Rothenbühler Kolumne Elisabeth Kopp
© Fabienne Bühler

Elisabeth Kopp wird 29 Jahre nach ihrem Rücktritt erstmals wieder zu einem Parteitag der FDP eingeladen.

Liebe Elisabeth Kopp

Sie sind schon sehr grosszügig mit Ihrer Partei. 29 Jahre nach ihrem Rücktritt vom Bundesrat wurden Sie erstmals wieder zu einem Parteitag der FDP (am 2. September) eingeladen. Und Sie sagen einfach freundlich ja, ich komme gerne. Dies, nachdem Sie jahrelang geschnitten wurden.

Als erste Frau im Bundesrat mussten Sie 1988 wegen einem Telefongespräch mit ihrem Mann zurücktreten. 

Sie hatten ihn als Justizministerin gebeten, als Verwaltungsrat der Shakarchi Trading AG zurückzutreten, weil in den Medien Gerüchte über Geldwäscherei verbreitet wurden. Das sei eine Amtsgeheimnisverletzung, hiess es. Später wurden Sie und die Firma Shakarchi total rehabilitiert. Eine massive Medienkampagne bewog Ihre Partei, Sie fallen zu lassen.

Von der eigenen Partei gedemütigt

Sie, die erste Frau im Bundesrat, die kurz zuvor noch als charismatische Politikerin gerühmt wurde, weil sie sich für Umweltschutz, Rechte der Frauen und ein neues Asylrecht eingesetzt hatten. Man kann sich kaum vorstellen, wie demütigend die Vorgänge für Sie waren. Trotzdem sagen Sie heute, die Geschichte sei für Sie längst abgehakt. Sie haben verziehen.

 
«Sie sind heute mit Leben und politischer Karriere versöhnt»
 

Auch dank der schönen Geste von Nationalrat Ruedi Noser, der Sie 2003 mit 14 Rosen beschenkte, eine Rose für jedes Jahr, in dem die Partei auf Sie verzichtet hat.

Sie sind heute, mit achtzig Jahren, mit Leben und politischer Karriere versöhnt, zeigen ihr schönstes Lächeln. Das hört und sieht man gerne. Vielleicht wäre der 2. September für ihre Partei eine schöne Gelegenheit, auch mal grosszügig zu sein mit Ihnen und ein paar ehrliche Dankesworte auszusprechen. Für alles, was Sie getan und ertragen haben.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

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