Die Rothenbühler Kolumne «Wo es privat wird, hat Transparenz ihre Grenzen»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem SP-Nationalrat Jean Christophe Schwaab, der seinem Sohn zuliebe das Parlament verlässt.
Sie wollen als Vater einspringen und damit ein  Signal setzen
© Anthony Anex / Keystone

SP-Nationalrat Jean Christophe Schwaab verlässt seinem Sohn zuliebe das Parlament.

Lieber Jean Christophe Schwaab

Sie haben eine grosse Frage aufgeworfen und gleich selbst beantwortet: Wer muss eigentlich seine Karriere opfern, wenn eines der Familienmitglieder Betreuung braucht? Als erst 38-Jähriger haben Sie den Nationalrat nach sechs Jahren verlassen, um der Familie die Priorität zu schenken. Nicht etwa, weil Sie die Politik satt haben.

Sie stammen aus einer Politikerfamilie, Ihr Vater Jean Jacques Schwaab war Regierungsrat (VD), Sie sind in der Exekutive von Cully (VD) und in Bern ein respektierter Kommissionspräsident (Rechtsfragen), der stets für Transparenz eintrat. Deshalb informierten Sie Ihre Wähler genau über den Grund Ihres Rückzuges: Ihr siebenjähriger Sohn zeigt Verhaltensstörungen, die dazu führen, dass er die Schule verlassen muss und auf Hilfe angewiesen ist.

Sie wollen als Vater einspringen und damit ein Signal setzen

 

Hier wollen Sie als Vater einspringen und – Politiker bleibt Politiker – damit ein Signal setzen: Noch gibt es keinen Urlaub für betreuende Angehörige, obschon es viel weniger kostet, wenn das kranke Kind von einem Familienmitglied versorgt und gepflegt werden kann. Dies sollte sich ändern, finden Sie. Und legen Ihre Hände gleich schützend über die ganze Familie: Wo es privat wird, hat Transparenz ihre Grenzen.

Sie haben nie zugelassen, dass die Vornamen Ihrer zwei Kinder in den Medien erwähnt werden. Von Ihrer Frau weiss man nur, dass sie Kinderärztin ist. Aber man kann ahnen, dass sie glücklich sein muss, von ihrem Mann ein solches Geschenk zu kriegen. Ich gratuliere Ihnen zu diesem wegweisenden, mutigen Schritt. Den bisher meistens die Ehefrauen – ganz selbstverständlich und ohne zu murren – gehen mussten.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

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