Slädu Saitenkönig wird Bandleader

Gölä, Bligg, Philipp Fankhauser - für alle hat er schon gespielt. Jetzt wagt Slädu alias Zlatko Perica den Seitenwechsel und steht selbst an der Front. Seine Mama Zdenka ist mächtig stolz.

Bligg und DJ Bobo hat er zum Erfolg verholfen. Mit Gölä Rekorde gesprengt. Nun tritt Zlatko «Slädu» Perica, 43, selbst ins Rampenlicht - als Bandleader mit Gitarre. Den Gesang auf seinem Debütalbum übernehmen jene Musiker, die er begleitet hat. Keine Frage, dass sie ihn unterstützen, denn gemäss Chris von Rohr, Musikexperte und Weggefährte, gehört Slädu nicht nur «zur Champions League der Schweizer Gitarristen; er ist auch menschlich ein wahrer Gentleman». Dies hat nicht zuletzt mit einer starken Frau hinter Slädu zu tun: mit Mutter Zdenka, 63, die ihn von Beginn an unterstützt hat - wenn auch nicht immer freiwillig.

Den «Schock fürs Leben» versetzt Slädu seiner «Mom», als er mit knapp 20 nach einer abgebrochenen Lehre seinen Job aufgibt. Und als er ihr sein Ziel eröffnet: die Guitar School in Los Angeles. Nur das nötige Geld fehlt ihm. Die Mutter springt ein. Ihre Freunde sagen: «Du bist wahnsinnig!» Doch Zdenka Perica vertraut ihrem Sohn. Sie war allein mit ihm von Kroatien in die Schweiz gekommen, nach Bern, als er fünf Jahre alt war. Das hat die beiden zusammengeschweisst. Und die Flausen hat schliesslich sie ihm in den Kopf gesetzt! Weil sie immer Musik hörte, Abba, die Beatles, Suzi Quatro. Slädu schläft bereits als Baby nur mit Musik ein. Mit acht bekommt er Klavierunterricht. Mit 14 seine erste Gitarre. «Die war teuer», sagt Zdenka, «aber das war mir egal.»

Schnell zeigt sich Slädus Potenzial: Was seine Mitschüler an der Rudolf-Steiner-Schule über Wochen einüben, hat er in einer halben Stunde drauf. Jeden Tag spielt er bis zu zehn Stunden Gitarre! Auch nach der Schulzeit, als er Schicht arbeitet. «Mom dachte damals, ich hätte einen Knacks. Ich wurde total introvertiert, traf nur noch selten Freunde.»

In Los Angeles löst sich der Knopf. In der Gitarrenklasse und in der WG mit brasilianischen Kollegen. Zu Hause sorgt sich die Mama. Sie schickt ihm Päckli mit Kérastase-Produkten aus ihrem Kosmetiksalon, «für seine aufwendige Föhnfrisur». Als sie ihn besucht, traut sie ihren Augen und Ohren nicht: Slädu ist nicht nur handwerklich vorwärtsgekommen, sondern auch persönlich gereift.

Zurück in der Schweiz, beginnt er zu unterrichten. Bis zu 60 Schüler pro Woche. Und in den Ferien tourt er mit der 80er-Jahre-Band Tangerine Dream durch ganz Europa und die USA. 1997 lernt er Gölä kennen - seinen «Lottosechser»: «Von ‹Uf u dervo› haben wir eine Dreiviertelmillion CDs verkauft!» Mit den Einnahmen zahlt er als Erstes seiner Mom das Schulgeld zurück. Und mit dem guten Ruf holt er neue Jobs rein. Zuletzt ist Slädu drei Jahre lang Music Director bei Bligg.

Jetzt ist die Zeit reif für sein eigenes «Baby». Slädu erhofft sich davon mehr Unabhängigkeit. Denn irgendwann könnte er sich vorstellen, eine Familie zu gründen. Die Frau dafür hat er bereits; seit vier Jahren ist er mit Ann zusammen. Und die Grossmutter sowieso: Seine Mom würde auch diesen «Job» bestens machen!

Slädu & Friends on Tour mit «Das Zelt»: 23. 6., Langenthal, mit Gölä; 13. 7., Lenzerheide, mit Marc Storace.

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