Das grosse Interview zum 50. Geburtstag Sandra Studer: «Am Älterwerden nervt die Schwerkraft»

Multitalent Sandra Studer passt in keine Schublade. Die Moderatorin, Sängerin und vierfache Mutter erfindet sich auch mit fünfzig immer wieder neu. Mit dem Selbstauslöser in der Fotobox.  

Die Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden, mit Brille und Daunenmantel kommt Sandra Studer ins Fotostudio. In der einen Hand ihren Rollkoffer, in der anderen eine grosse Reisetasche. «Hoffentlich habe ich nichts vergessen», so die Moderatorin ausser Atem. Der Koffer platzt fast aus den Nähten. Sandra hat auf unseren Wunsch bei sich zu Hause nach Dingen gesucht, zu denen sie eine besondere Beziehung hat. Kopfhörer, Babykleider, Wollmütze, Schal, Bücher und noch mehr Bücher. Das kann ja lustig werden. «Wo sind meine Brillen?», so Studer. «Ja, ich habe mehrere, denn ohne bin ich total verloren.»

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Leiden: «Ohne Brille bin ich total verloren.»

Ein Interview, bei dem ihr fünfzigster Geburtstag (10. Februar 2019) nicht im Mittelpunkt steht. So der Wunsch des Multitalents. Ihr Wunsch sei uns Befehl.

Sandra Studer, was ist Ihre grösste Macke?
Ich knirsche nachts mit den Zähnen. So sehr, dass ich eine Schiene tragen muss. Sonst hätte ich wohl keine Zähne mehr.

Sind Sie Tag- oder Nachtmensch?
Ich bin eine totale Nachteule. Leider muss ich meinen Biorhythmus den Kindern anpassen. Und das heisst: früh aufstehen! Damit werde ich mich nie anfreunden.

Wann waren Sie zum letzten Mal so richtig krank?
So, dass ich im Bett blieb? Das ist sicher schon zwanzig Jahre her.

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Schwäche: «Ich friere immer und überall.»

 
 

Wie lange brauchen Sie morgens im Bad?
Etwa fünf Minuten. Blitzdusche und Zähne putzen. Schminken tue ich mich meistens gar nicht oder schnell im Auto, wenn ich am Rotlicht stehe.

Was sehen Sie, wenn Sie Ihren Kleiderschrank öffnen?
Einen eigentlichen Schrank gibts nicht, sondern eher eine umfunktionierte Abstellkammer mit zu wenig Platz und viel zu vielen Kleidern, total unübersichtlich. Eine Katastrophe.

Randen. Da lupfts mich

Gibts ein Kleidungsstück, von dem Sie sich nicht trennen können?
Unter Schmerzen habe ich mich gerade von meinem pinkfarbenen, sehr hässlichen Morgenmantel getrennt, der dreissig Jahre in meinem Schrank hing. Er hat so viel mit mir durchgemacht.

Wer bügelt bei Ihnen zu Hause die Hemden?
Unsere Hausperle.

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Tag am Handy?
Zu viel! Mit dem neuen Update kann man das ja kontrollieren, aber ich weigere mich standhaft, mir das anzuschauen.

Telefon oder SMS?
Ich schreibe vor allem Whatsapp-Nachrichten. Fürs Telefonieren nutze ich die Zeit beim Autofahren.

Was fahren Sie für ein Auto?
Einen grossen Van, in welchem alle Familienmitglieder Platz haben.

Von einer Skala von 1 bis 10, wie gut fahren Sie Auto?
Ich würde sagen, eine Acht.

Welches ist Ihre meist genutzte Website?
Die meiner Bank. Weil ich die ganze Zeit für meine Familie «bläche» und Rechnungen zahlen muss (lacht).

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Gelassenheit: Eine grosse Geburtstagsparty gibts am 10. Februar nicht. Lieber geht sie mit der Familie im Engadin Ski fahren.

Einkaufen – mit oder ohne Zettel?
Immer mit einer Einkaufsliste. Meine Vergesslichkeit …

Ihr Lieblingsessen?
Die Thai-Küche, definitiv.

Auf welches Gemüse können Sie gerne verzichten?
Randen. Da lupfts mich.

Ihr Lieblingsgetränk?
Ein Glas Rotwein.

Was nervt Sie am Älterwerden?
Dass ich schlicht vieles vergesse. Vermutlich ist die Festplatte langsam voll. Und die Schwerkraft ist auch ziemlich gnadenlos.

Haben Sie schon mal ein unmoralisches Angebot bekommen?
Na ja, von Männern schon ziemlich eindeutige Angebote, falls Sie das meinen. Das war dann meist so schräg, dass ich es zum Schreien komisch fand.

Und schon mal einen Heiratsantrag abgelehnt?
Ich wurde nur ein Mal gefragt und habe Ja gesagt!

Beschreiben Sie sich mit wenigen Worten.
Herzlich, lebensbejahend, übermässig verantwortungsbewusst und manchmal launisch.

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Spass: Beim Shooting in der Fotobox schiessst Studer mit dem Selbstauslöser Fotos von sich selber.

Wie würden Ihre Kinder Sie beschreiben?
Vermutlich, dass ich streng bin, immer ihr Sackgeld vergesse und es mit mir nie langweilig wird.

Was nervt Sie an Ihrem Ehemann?
Eine Goldmedaille im Viel-Kommunizieren würde er nicht kriegen. Dafür für vieles andere.

Wie hiess Ihre erste Schallplatte?
Eine Scheibe von Abba. Ich war ein Riesen-Fan und hab dafür mein ganzes Sackgeld gespart.

Welche Musik können Sie nicht ausstehen?
Mit Freejazz und volkstümlichem Schlager kann man mich jagen.

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Leidenschaft: Musik ist Sandras ständiger Begleiter. Die Sängerin war 1991 für die Schweiz am ESC.

 
 

Ihr absoluter Lieblingssänger?
Da gibt es so viele. Aber wenn ich mich für einen auf dieser Welt entscheiden müsste, dann wäre das Jamie Cullum.

Ihr Lieblingssong?
Wenn es denn nur einer sein darf: «You Give Me Something» von James Morrison.

Ihr Lieblingsbuch?
Das wäre wohl «Buddenbrooks» von Thomas Mann. Gleichzeitig ein Tolggen in meiner Biografie (lacht). Ich wählte es an der Uni für meine Liz-Arbeit, die ich nie fertig schrieb.

Wissen Sie noch, wie Ihre erste Lehrerin hiess?
Ja, klar. Meine Primarschullehrerin, Fräulein Müller.

Sind Sie kurz- oder weitsichtig?
Ich bin weitsichtig mit einer sehr starken Hornhautverkrümmung.

Am Älterwerden nervt die Schwerkraft. Die ist ziemlich gnadenlos.

Das Gemeinste, was je jemand zu Ihnen gesagt hat?
Ich war etwa acht und schwer verliebt in einen Jungen meiner Klasse. Er sagte mir, ich sei eine elende Brillenschlange. Das war kurzfristig der Weltuntergang.

Haben Sie schon mal was geklaut?
Ja, als Kind. Ein Schöggeli im Konsum. Ich musste es zurückbringen und mich bei der Verkäuferin, Fräulein Schweizer, entschuldigen. Einer der demütigendsten Momente meines Lebens.

Wie hiess Ihr erstes Haustier?
Da gab es nur ein Häsli. Es hiess Napoleon.

Wie viele Freunde begleiten Sie seit Ihrer Kindheit?
Einige. Darunter auch meine älteste Freundin Domi. Wir waren schon zusammen in den Windeln.

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Sucht: Bei Schokolade wird die Moderatorin immer schwach. Am liebsten Milchschoggi mit vielen Nüssen.

 
 

Haben Sie einen Nicknamen?
Gute Freunde nennen mich Sandi. Aber auf keinen Fall Sääändi. Da bin ich allergisch. Viktor Giacobbo ist der Einzige, der mich offiziell so nennen darf.

Ihre Lieblings-Comicfigur?
Ich war unsterblich in Superman verliebt respektiv in den USSchauspieler Christopher Reeve.

Bei welchem Film müssen Sie immer weinen?
Bei ganz vielen. Ich bin eine mega Heulsuse.

Welchen Werbeslogan können Sie auswendig?
Du kannst sagen, was du willst, seit wir Schauma nehmen, fühlt sich dein Haar viel kräftiger an. Gibts den noch?

Was verbinden Sie mit Ferien?
Unser Familienparadies ist Tonga. Da zieht es uns immer wieder hin. Mein Mann hat seine Wurzeln in der Südsee und konnte in Tonga vor ein paar Jahren ein kleines Hotel kaufen. Da steckt viel Herzblut drin.

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Fernweh: «Ich freue mich auf mehr Zeit für Reisen.»

 
 

Welches Fluchwort können Sie sich manchmal nicht verkneifen?
Ich sage Gopferteckel, um nicht das andere zu sagen.

Wie streiten Sie?
Sehr kreativ und laut.

Wie sind Sie, wenn Sie nervös sind?
Ich bekomme ganz schweissige Hände. Das ist auch der Grund, warum ich nie vor Publikum Klavier spielen konnte.

Ihre grösste Schwäche?
Ich friere immer und überall.

Sind Sie abergläubisch?
Eigentlich nicht. Trotzdem gibt es Sachen, die ich nicht mache. Zum Beispiel pfeifen im Theater.

Glauben Sie an Horoskope?
Nein, natürlich nicht. Und trotzdem lese ich sie immer wieder.

Ich kann mega gut pfeifen

Glauben Sie an Wunder?
Sicher! Ich habe schon einige spirituelle Sachen erlebt, die für mich kleine Wunder sind. Eines davon ist meine Tochter Nina. Wenn man erleben darf, dass ein Kind, das viel zu früh zur Welt kommt, später eine kleine Powerfrau wird, ist das ein Wunder.

Haben Sie ein geheimes Talent?
Ich kann mega gut pfeifen.

Sandra Studer Geburtstag Interview
© Ellin Anderegg

Ruhepol: Sandra Studer findet im stressigen Alltag viel zu wenig Zeit zum Lesen. Dafür in den Ferien umso mehr.

 
 

Was würden Sie tun, wenn Sie einen Tag lang Donald Trump wären?
Sicher mal zum Coiffeur gehen.

Wie alt möchten Sie werden?
Unter der Voraussetzung, dass ich gesund bleibe, wäre 90 ganz cool. Wenn nicht, kann ich auch schon vorher einen Abgang machen.

Wie feiern Sie Ihren 50.?
Mit meiner Familie in Val Müstair. Und so wie die Wetterprognosen stehen, auf den Ski.

Welches Geschenk Ihres Mannes war ein totaler Flop?
Sein erstes Geschenk war ein vier Kilo schwerer Salami. Da habe ich mich schon gefragt, ob das der richtige Mann für mich ist (lacht).

Haben Sie sich nun etwas Spezielles gewünscht?
Nur Zeit mit Freunden! Man kann mich irgendwohin entführen, mit mir ausgehen oder einen Ausflug machen. Aber auf keinen Fall Geschenke!

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