Polizeigewalt bei Abstimmung in Barcelona Moderatorin Sandra Studer: «Was für eine Schande!»

In Katalonien gehen Polizisten mit Schlagstöcken und Gummischrot gegen Bürger vor! Die Brutalität bei der Abstimmung über die Unabhängigkeit der Region am Sonntag verstört viele. Auch Moderatorin Sandra Studer machen die Ereignisse betroffen - ihre Mutter kommt aus Barcelona.
Sandra Studer am Zurich Film Festival 2017
© Getty Images

Obwohl Sandra Studer, 48, mit ihren Moderationen am Zurich Film Festival derzeit stark eingebunden ist, kreisen ihre Gedanken um die Ereignisse in Katalonien.

Was die Bewohner Barcelonas seit Wochen erwartet haben, ist gestern Sonntag - am Tag der Abstimmung über die Unabhängigkeit Kataloniens - mit voller Wucht eingetroffen: Beamte der Policia Nacional und der Guarda Civil gingen auf abstimmungswillige Katalanen los. Und das mit einer erschreckenden Brutalität: An mehreren Orten setzten die Polizisten Schlagstöcke und Gummischrot ein.

Polizei-Gewalt bei Abstimmung über Unabhängigkeit Kataloniens_01.10.2017
© Dukas

Die spanische Polizei will eine Abspaltung Kataloniens verhindern und verschafft sich mit Schlagstöcken Zugang zu den Wahllokalen. Hier stürmen Polizisten die Pau Claris Schule in Barcelona.

Über 840 Verletzte durch Polizeigewalt

Laut der katalanischen Regionalregierung wurden bei gewaltsamen Zusammenstössen mehr als 840 Menschen verletzt. Das spanische Innenministerium verteidigte gestern Abend das Vorgehen der Beamten. Die Polizei sei massvoll vorgegangen. Die mediale Berichterstattung zeigt ein anderes Bild: Ein «Blick»-Reporter war dabei, als vermummte Polizisten ein Gymnasium, das als Wahllokal fungierte, im Zentrum Barcelonas stürmten.

Neben zerstörten Wahlurnen hinterliessen die Polizisten hunderte Verletzte. Es sind Formen der Gewalt, die auch die Schweizer Stars verstören.

«Was für eine Schande!»

Die Nachrichtenbilder erreichen auch Moderatorin Sandra Studer, 48. Sie steht derzeit für das Zurich Film Festival auf der Bühne. Doch ihre Gedanken schweifen immer wieder ab nach Barcelona. Von dort kommt ihre Mutter, Barcelona ist ihre zweite Heimatstadt. «Ein Wechselbad der Gefühle», sagt Studer zur «Schweizer Illustrierten». Einerseits freut sie sich, mit der grossartigen Hollywood-Schauspielerin Glenn Close, 70, auf der Bühne zu stehen, die für ihr Lebenswerk den Golden Icon Award entgegen nehmen darf. Andererseits ist sie unendlich traurig über die verheerenden Geschehnisse in Katalonien, wo sie viele Menschen kennt: «Was für eine Schande!», so die Moderatorin entsetzt.

Im Minutentakt pipst ihr Handy. «Meine Verwandten halten mich auf dem Laufenden und schicken mir Videos.» Sie schüttelt den Kopf und kann es nicht glauben, dass die Polizei so schonungslos mit Gummischrot und Schlagknüppeln gegen friedliche Menschen vorgeht, die ihre Stimme in den Abstimmungslokalen abgeben wollen. «Das darf in einer Demokratie des heutigen Europas nicht passieren!»

EU-Kommission verurteilt Polizeigewalt in Barcelona

Nach den Ausschreitungen gestern Sonntag steht fest: Zwei Millionen Katalanen haben sich dafür ausgesprochen, dass sich ihre Region in einen unabhängigen Staat verwandelt. Die katalonische Regierung hat angedroht, die Abspaltung von Spanien bald zu verkünden. Gegner des Unabhängigkeits-Referendums sagen, die Abstimmung sei verfassungswidrig. Auch die EU äusserte sich offiziell zur Abstimmung: Diese sei nicht legal gewesen, teilt die EU-Kommission in einem Schreiben mit. Auch kritisierte die EU-Kommission die Polizei-Gewalt scharf: Katalonien sei eine innerspanische Angelegenheit, aber Gewalt könne nie eine Lösung sein.

Auf Barcelonas Strassen blieb es heute Montagmorgen weitgehend ruhig. Die spanische Regierung will eine Unabhängigkeitserklärung Kataloniens nach wie vor verhindern. Niemand habe die rechtliche Befugnis, einen Teil Spaniens einseitig für unabhängig zu erklären, sagte Justizminister Rafael Catalá, 56, am Montag in einem Fernsehinterview. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy, 62, berät heute über das weitere Vorgehen.

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