Sarina Arnold Tochter Felice wünscht sich ein Schwesterchen

So was nennt sich Familienbetrieb: Für ihre neuste Schmuckkollektion posiert Sarina Arnold gemeinsam mit Töchterchen Felice. Und auf Zuwachs hoffen sie zu dritt, wie das Urner Model der «Schweizer Illustrierten» verrät. Wenn auch nicht ganz unbeschwert.

Die Rüeblisuppe hat eine angenehme Schärfe und schmeckt nach Kokosnuss. Die Buttercremehäubchen der Cupcakes sind mit Schmetterlingen und Blümchen geschmückt. Ein seltener Anblick im Fotostudio Blow Up in Zürich. Das Aussergewöhnliche daran: Den selbst zubereiteten Lunch hat das Model mitgebracht. «Wenn ich in der Schweiz arbeite, mache ich das öfter. So ein kleines Aufmünterli ist doch gemütlich», sagt Sarina Arnold, 33. Dass es sich um ein ganz besonderes Shooting handelt, verraten das mit süsssauren Gummiwürmern gefüllte Schälchen, das in der Maske ausgelegte Puzzle und die drei Kuschelfreunde Lisa der Eisbär, Tommi der Braunbär und Mimi das Hunde-Nuschi - zum ersten Mal stehen Sarina und ihre Tochter Felice, 6, gemeinsam vor der Kamera.

Schweizer Illustrierte: Sarina Arnold, warum muss Ihr Kind nun auch schon vor die Kamera?
Sarina Arnold: (Lacht.) Genau, als ob man ein sechsjähriges Kind zu einem Shooting zwingen könnte! Ich habe Felice gefragt, ob sie bei diesen Aufnahmen dabei sein möchte. Sie war ganz begeistert und wollte unbedingt. Sonst hätte ich mit einem anderen Kind gearbeitet.

Wie reagiert Felice, wenn sie Aufnahmen von Ihnen mit anderen Kindern sieht?
Sie fragte immer, warum ich mich mit anderen Kindern fotografieren lasse und nicht mit ihr. Sie zeigt grosses Interesse an dem, was ich mache. Im Kindergarten schauen sie sich Kataloge an, in denen ich zu sehen bin. Die Kinder finden das spannend und sagen: «Weisst du, Felice, du bist auch so hübsch, du bist die Schönste von uns allen.» Das zeigt doch, dass die Kleinen einen ganz normalen Umgang mit den Berufen ihrer Eltern haben.

Und was hat Felice an ihrem ersten Shooting am besten gefallen?
Dass sie am Abend zwei Röckchen mit nach Hause nehmen durfte. Die zog sie dann auch gleich an und spielte Hochzeit. Das Styling faszinierte sie natürlich auch - als ihr die Löckchen gemacht wurden, strahlte sie und sass so still, als wäre sie erstarrt.

Als Sie Felice das erste Mal fotografieren liessen, war sie acht Monate alt. Ihre Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte wurde kurz zuvor in einer ersten Operation geschlossen.
Nichts sprach gegen ein Shooting. Danach waren sich mein Mann und ich einig, dass wir sie erst wieder fotografieren lassen, wenn sie selber darüber entscheiden kann.

Wie ist es, wenn Sie Felice nun auf diesen Fotos betrachten?
Ich bin glücklich, dass die Heilung der Fehlbildung so positiv verläuft. Felice geht sehr selbstbewusst mit ihrer Situation um. Und ich hoffe, dass das so bleibt. Für mich ist sie die Schönste!

Sie waren im siebten Schwangerschaftsmonat, als bei Felice die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte festgestellt wurde.
Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen. Es war der Tag, an dem die neue SI mit mir titelte: «Es wird ein Mädchen». Es zog mir den Boden unter den Füssen weg.

Was beschäftigte Sie damals am meisten?
Ich fragte mich: «Warum? Und weshalb?»

Haben Sie eine Antwort gefunden?
Keine. Aber heute kann ich besser damit umgehen. Ich habe gelernt, alles zu nehmen, wie es kommt. Es musste wohl so sein. Ohne Felice wäre ich heute kaum Botschafterin des Spaltenkinder-Projekts der Stiftung Zuversicht für Kinder. Aber sein kleines Baby zu einer OP abgeben zu müssen, zu sehen, wie bereits ein so kleiner Mensch eine Zahnspange tragen muss, ständige Arztbesuche - das alles ist schon hart.

Kinder lieben es, ihre Babybilder zu zeigen. Auch Felice zeigt ihre Fotos voller Stolz.
Sie schämt sich nicht dafür. Auf die Öffnung angesprochen sagt sie jeweils nur: «Jetzt ist es zu.» Sie hat einen sehr natürlichen Umgang mit ihrer Situation. Wir waren kürzlich in der Stadt, und Felice hob einen Nuggi auf, der aus einem Kinderwagen gefallen war. Der Vater des Babys bedankte sich und fragte: «Hast du denn auch einen Nuggi gehabt?» Da sagte Felice: «Nein, ich hatte da offen», und zeigte auf ihre Oberlippe.

Einzig das linksseitig abgeflachte Nasenflügelchen und eine kaum sichtbare Narbe an der Oberlippe erinnern jetzt noch daran. Welche OPs stehen Felice noch bevor?
Mit 8 wird der Oberkiefer verschlossen, mit 16 Jahren die Nase operiert. Noch wissen wir nicht, ob das Gaumensegel verlängert werden muss.

Da der Oberkiefer betroffen ist - wie steht es um die Bildung der Zähne?
Wir müssen abwarten. Bei Spalten-Kindern fehlen oft die zweiten Zähne. Diese müssen dann durch künstliche Zähne ersetzt werden. Das geht aber erst, wenn Felice ausgewachsen ist, also frühestens mit 18 Jahren.

Sprechen Sie mit Felice über ihre Fehlbildung und darüber, was diesbezüglich noch auf sie zukommen wird?
Beim Arzt bekommt sie vieles mit. Ich bereite sie aber erst im Vorfeld einer OP darauf vor. Das letzte Mal habe ich ein Spitalbuch gekauft und ihr alles über den Aufenthalt im Krankenhaus erzählt.

Brüche seien schöner als Perfektion, sagten Sie einst. Warum wird Felice Ihnen - der Mutter ohne optischen Makel - diesen Satz glauben, wenn sie 16 ist?
Sie wächst so auf. Und ich sage ihr immer wieder, wie schön ich sie finde. Felices Spalte fällt dem Betrachter nicht sonderlich auf, da sie sich auf der linken Gesichtshälfte befindet. Denn wenn wir jemanden ansehen, konzentrieren wir uns automatisch auf die rechte Seite. Wenn sich Felice jedoch im Spiegel sieht, ist es umgekehrt. Ihr Blick fällt als Erstes auf die Seite mit der Spalte. Dann fragt sie mich oft, warum das so komisch aussehe. Ich erkläre es ihr dann. Wie sie in der Pubertät damit umgehen wird, weiss ich nicht.

Beschreiben Sie Felice für uns.
Sie ist im Sternzeichen Widder und weiss, was sie will. Darüber bin ich froh. Sie hat einen Stiärägrind - wie ich. Ausserdem ist sie ein sozialer Mensch. Kümmert sich gerne um kleinere Kinder. Sie ist lebensfroh. Singt von morgens bis abends. Sie kann sich gut selber beschäftigen, ist anhänglich und kuschelt gern. Da ich beruflich oft unterwegs bin, ist sie sehr selbstständig.

Seit 18 Jahren arbeiten Sie als Model. Wie schwer ist es, in Ihrem Beruf älter zu werden?
Heute werde ich für ein Produkt gebucht, weil ich nicht mehr 17 bin. Und in meiner Alterskategorie gibt es nicht mehr so viele Models wie unter den 20-Jährigen.

Ihre Erinnerung an Ihr erstes grosses Shooting?
Während zwei Wochen reiste ich für ein Modemagazin quer durch Italien. Wir fotografierten jeden Tag - und ich hatte grosses Heimweh (lacht). Ich war ja noch so jung, die erste Zeit heulte ich regelmässig morgens unter der Dusche.

Was antwortet Felice auf die Frage, was ihr Mami beruflich macht?
Mami macht Föteli. Und Papi verkauft Häuser.

Welches ist der anstrengendste Teil Ihrer Arbeit in Bezug aufs Muttersein?
Mein schlechtes Gewissen. Wenn ich zu lange unterwegs bin, fühle ich mich nicht gut.

Wie bleiben Sie mit Felice in Kontakt?
Wir schicken uns Sprachnachrichten übers Handy. Telefonieren und skypen macht es eher schwieriger. Manchmal fliege ich zwischen den Shootings nach Hause, damit ich Felice sehen kann. Aber das Schöne an meinem Beruf ist, wenn ich zu Hause bin, bin ich ganz für sie da.

Was unternehmen Sie dann am liebsten?
Backen - das ganze Jahr über. Wir gehen «käffelen» und spielen Flugzeug - sie ist die Flight-Attendant, ich bin der Passagier. Ausserdem bastelt Felice sehr gerne, zurzeit stehen klebbare Fensterbilder hoch im Kurs, und sie verkleidet sich gerne als Prinzessin. So bin ich übrigens auch auf die Mutter-Kind-Schmuckkollektion gekommen.

Warum machen Sie ausgerechnet Schmuck?
Den Schmuck, den ich wollte, fand ich nie - da mache ihn lieber selber.

Sie träumten immer von einer grossen Kinderschar. Von fünf war mal die Rede…
Jetzt kommt dann hoffentlich das Zweite. Felice ist diesbezüglich der grösste Druckmacher. Immer wenn im TV Werbung für einen Schwangerschaftstest läuft, sagt sie: «Das musst du dann kaufen, Mami!» Wir alle wünschen uns ein Geschwisterchen für Felice.

Haben Sie Respekt vor diesem Schritt?
Nach dem, was wir beim ersten Mal erlebt haben - selbstverständlich. Ich werde nicht unbeschwert zu den Ultraschalluntersuchen gehen – auch wenn ich höher dosierte Folsäure zu mir nehme und intensiver betreut werde.

Nach Ihrer ersten Babypause knüpften Sie nahtlos an Ihren Erfolg von früher an.
Als Model ist man zwar einfach zu ersetzen, es ist jedoch mein Ziel, auch nach einem weiteren Kind wieder zu arbeiten. Es macht mir immer noch grosse Freude. Doch erst muss mal ein zweites Kind kommen.

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