Von Rohr & Co. Schweizer Musiker würden sich bei Heino bedanken

Das hat noch kein Künstler innert drei Tagen geschafft! Heinos Coverversionen von Rammstein-Songs & Co. wurden seit der Veröffentlichung so oft heruntergeladen wie keine anderen Lieder sonst. Während seine Werke bei Musik-Fans der Renner sind, freuen sich die gecoverten Bands so gar nicht über den Erfolg. SI online hat Schweizer Musiker nach ihrer Meinung gefragt und erfahren: Patrick Miller wünscht sich, dass Heino seine Musik kopiert. Und Chris von Rohr übernimmt gerne von The Beatles.

So erfolgreich war Heino schon lange nicht mehr: «Mit freundlichen Grüssen» heisst die neue Scheibe des Schlagersängers, die gerade den deutschen Download-Rekord geknackt hat. Innerhalb der ersten drei Tagen habe er mehr verkauft als die Chart-Plätze zwei bis 25 zusammen, rechnet Media Control vor. Der 74-Jährige Musiker hat auf seinem Album ausschliesslich Songs, die ursprünglich von grossen deutschen Rockbands wie Rammstein oder Die Ärzte stammen. 

Das passt ihnen angeblich so gar nicht. Im Vorfeld der Veröffentlichung sollen sich die gecoverten Bands abschätzig über Heinos Projekt geäussert haben. Bild.de berichtet von bösen Kommentaren einiger Bandmitglieder, nennt allerdings keine Namen: «Diesen Dreck muss man sofort löschen, das ist respektlos!» oder «Was denkt sich dieser Schunkel-Opa, der soll seine Rentner-Schnulzen trällern!» soll es aus den Lagern der Rocker tönen. Heinos Manager Jan Mewes ist sich sicher, dass Die Ärzte bei Veröffentlichung des bereits gedrehten «Junge»-Videos im sechsstelligen Bereich klagen würden. Anderen Medienberichten zufolge dementieren die Bands die Anfeindungen gegen das «Mit freundlichen Grüssen»-Album. 

Hitproduzent und Gründer von Krokus, Chris von Rohr, 61, hält die ganze Diskussion für übertrieben und sagt gegenüber SI online: «Hier muss man locker bleiben, wenn mal ein Schlagerfuzzi den Spiess umdreht.» Für das neue Krokus-Album hätten sie selbst einen Song gecovert - «Help» von The Beatles. «Wichtig ist da vor allem, dass du dem gecoverten Song deinen eigenen Stempel aufdrücken kannst.» Damit spricht er Heino wohl aus dem Herzen, denn dieser ist überzeugt, dass jeder mit Songs machen soll, was er will.

Ungefragtes Song-Kopieren hingegen findet Rapper Patrick Miller nicht in Ordnung: «Es ist ein No-Go. Niemand wird gerne beklaut - egal, worum es dabei geht -, weil es frech und unangemessen ist.» Zu Heinos Erfolg gratuliere Miller aber und hofft, dass dieser sein «Dancing in London» auch einmal covert: «Man sollte sich über den Zusatzverdienst freuen und es als Kompliment betrachten.»

«Ich hätte ein Problem damit, wenn zum Beispiel eine Gruppe mit rechtsextremen Hintergrund oder dergleichen meinen Song für ihre Zwecke benutzen würde», sagt Sängerin Mia Aegerter. Ansonsten betrachte auch sie es als Kompliment. Und mutmasst: «Vielleicht ist das Ganze eine Marketingstrategie.»

Rechtlich gesehen bewegt sich Heino jedenfalls auf der sicheren Seite - zumindest, wenn es um die Lieder geht. Text und Komposition dürfen nicht verändert werden - solange das eingehalten wird, kann ein Künstler mit fremden Songs Geld verdienen. Das hört sich vielleicht nach Ungerechtigkeit an. Fakt ist jedoch, dass die Urheber - in diesem Fall also unter anderen Rammstein und Die Ärzte - bei jedem verkauftem Album mitverdienen. Man könnte also von einer Win-Win-Situation sprechen. 

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