Gelson Fernandes Sein schönster Volltreffer heisst Ariella

Gelson Fernandes ist der Schweizer Held der Fussball-WM 2010. Im Spiel gegen Spanien schoss er das entscheidende Tor gegen den amtierenden Europameister Spanien. SI-Sportreporter Iso Niedermann berichtet direkt aus Südafrika und stellt Ihnen Gelson Fernandes vor.

Riesentöter! Wetten, dass der junge Mann so in die Geschichte des Schweizer Fussballs eingehen wird? Gelson Fernandes aber, 23 Jahre alt, ursprünglich kapverdischer Nationalität, mag das gar nicht. «Ich habe Spanien nicht besiegt. Die Schweizer Mannschaft hat.» Wir, uns, meine Kollegen - wenn's etwas gibt, was Gelson auszeichnet, dann seine Bescheidenheit und Freundlichkeit.

Wie haben dich deine Mitspieler gefeiert nach dem Spanien-Spiel, Gelson? «Weiss nicht. Ich war gar nicht in der Kabine. Ich musste zum Dopingtest.» Und nachher, im Bus? «Da waren alle zu müde zum Feiern.» Aber zurück im Hotel, da gab's doch sicher noch die Siegessause? «Da war auch ich zu müde. Der Doc gab mir eine Schlaftablette und ich hab herrlich geschlafen.» Und vom wichtigsten Treffer der Karriere geträumt? «Der kommt hoffentlich erst!»

Man entlockt ihm zwar trockene Sprüche, aber keine grossen Parolen. «Meine Herkunft», hat er schon gesagt, «hat mir geholfen, die Füsse immer schön am Boden zu behalten.» Aus den kapverdischen Inseln vor Westafrika reist der Fünfjährige mit seiner Mutter und zwei Geschwistern dem Papa 1991 in die Schweiz nach, ins Wallis. Von da geht’s steil bergauf mit Gelson. Im Fussball. Vom Junioren bis zum Profi, dann mit 21 der Sprung von Sion nach England zu Manchester City und vor einem Jahr zu St. Etienne in die französische Ligue 1.

In England lernt der zurückhaltende Gelson in einer Apotheke Rochelle kennen, die er monatelang im Glauben lässt, er sei Student. «Ich wollte, dass sie mich liebt und nicht den Fussballprofi.» Eine Liebe, aus der vor vier Monaten Töchterchen Ariella hervorgeht. Statt Party mag er heute lieber ein gemütliches Tête-à-Tête zu Hause, von ihm zubereitet.

Und jetzt, mit diesem WM-Gütesiegel, der Sprung zu einem Grossklub? Gelson fasst an seinen kahlgeschorenen Schädel, den er sich vor jedem Match selbst rasiert. Die Antwort kann er fliessend auf Französisch, Englisch, Deutsch oder Italienisch geben, und sie ist in jeder Sprache bezeichnend für ihn: «Ruhig bleiben, konzentrieren. Noch haben wir nichts erreicht. Nach dem Spiel gegen Spanien kam mir in den Sinn, in welchem Zustand wir vor einem Jahr vom Heimspiel gegen Luxemburg nach Hause reisten. Aber der grosse Unterschied ist, dass wir im Vergleich zur missglückten Euro 08 alle zwei Jahre reifer sind. Und Hitzfeld hat uns inspiriert. Er braucht den Erfolg zum Leben. Nun tun wir das auch.»


 

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