Fabian Unteregger Seine Zeit in Südafrika war ein Kulturschock

Als Medizinstudent sammelte Fabian Unteregger in der Unfallchirurgie eines Spitals bei Kapstadt praktische Erfahrungen. Als Comedian übte er sich in Flexibilität: Jede Woche produzierte er für Radio SRF 3 den Wochenrückblick «Zum Glück isch Fritig» - im Schrank in seiner Lodge. «Da war die Akustik am besten», erklärt er SI online.

Er ist es sich gewohnt, auf vielen Hochzeiten zu tanzen. Wechselt daheim in der Schweiz mühelos vom Spital ins Radiostudio und vom Hörsaal auf die Bühne. Doch die ersten Tage des sechswöchigen Einsatzes in der Unfallchirurgie eines grossen Spitals bei Kapstadt, Südafrika, sind für den Comedian, Medizinstudenten und studierten Lebensmittel-Ingenieur ein Kulturschock. Alles neu. Alles total anders. Vieles potenziell gefährlich.

Sobald es eindunkelt und die Leute draussen zur Flasche greifen, geht es für Fabian Unteregger, 35, und sein Team in der Unfallchirurgie richtig los. Schussverletzungen, Messerstiche, Wunden durch abgebrochene Flaschenhälse. Einmal wird ein Patient eingeliefert, in dem vier Kugeln stecken. Während Unteregger ihm unter lokaler Anästhesie einen Blasenkatheter legt, beantwortet der Patient in aller Seelenruhe ein Telefon. Ein anderer Patient wird blutüberströmt und von Stichwunden übersät eingeliefert. «Offenbar hatte jemand mit ihm eine Rechnung offen», sagt Unteregger im Gespräch mit SI online. «So genau erfährt man das nie.» Zu dritt nähen die Mediziner ihm die 91 Wunden. In fünf Stunden. Viele Patienten gehören einer Gang an. Die Ränge tätowieren sie sich wie im Militär auf den linken Arm. Und ab und zu sieht man auf der rechten Wange tätowierte Tränen. «One tear, one kill.» Pro Träne ein Menschenleben.

So viele Sprachen - «die Amtssprache Afrikaans klingt ein wenig wie Holländer im Kindergarten», sagt Unteregger -, Kulturen, Religionen und eine hohe Arbeitslosigkeit ergeben eine explosive Mischung. «Trotz allem - die Leute sind unglaublich freundlich.» Und auch der Humor geht ihnen nicht abhanden, wie Unteregger erzählt: «Es kommt vor, dass ein Patient im Bett zu singen beginnt.» Er selbst organisiert und spielt eine Charity-Comedyshow. Sammelt für Caritas. Und produziert jede Woche «Zum Glück isch Fritig», den Wochenrückblick von Radio SRF 3. Da in seiner Lodge die Akustik im Schrank am besten ist, setzt er sich für die Aufnahmen immer dort hinein. Ausser beim ersten Mal: Kaum ist er angekommen, funktioniert das Internet nicht. Unteregger setzt sich ins Auto, zapft bei einem Nachbarn über die Mauer hinweg dessen drahtloses Netz an. Und bringt die Sendung trotzdem noch «in den Kasten».

Auch wenn es anfangs ein Kulturschock ist und trotz der Erlebnisse im Spital - Fabian Unteregger fühlt sich in den sechs Wochen sicher. «Ich arbeitete sozusagen im Auge des Sturms. Und für ihn ist klar: «Nach Südafrika kehre ich zurück.»

Klicken Sie sich in der Bildergalerie von SI online durch das Südafrika-Tagebuch von Fabian Unteregger.

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