Nina Langensand Sie hat keine Probleme mit Nackheit

Die Schauspielerin Nina Langensand hat im Moment mehr Sex um die Ohren, als ihr lieb ist. Seit ihrem freizügigen Auftritt im Film «Hard Stop» dreht sich fast alles nur noch um das eine. Schade. Denn sie hat viel mehr zu bieten

Wie fühlt es sich an, wenn einem die halbe Schweiz beim Sex zuschaut? Bei ziemlich viel Sex sogar und ziemlich wildem Sex. Auf dem Tisch, im Auto und auf dem Fussboden. «Eigentlich kann ich mich da gut abgrenzen», sagt Nina Langensand, 29, «schliesslich sind die Sexszenen ja nur gespielt.»

Hier, in Ninas WG-Wohnung gleich hinter dem Genfer Hauptbahnhof, deutet tatsächlich wenig auf ein lasterhaftes Leben. Statt nach Sünde riecht es nach frisch gekochtem Gemüse, nach Spülmittel und nach Räucherstäbchen. Zu sechst lebt die Künstler-WG hier unter einem Dach, vier Frauen und zwei Männer, Nina ist vor dreieinhalb Jahren dazugestossen.

Trotzdem dreht sich im Leben von Nina Langensand seit ein paar Wochen fast alles um Sex. Seit sie im Schweizer Film «Hard Stop» als ziemlich durchtriebene Rhea ziemlich oft ziemlich nackt zu sehen ist, vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über Nina und den Sex geschrieben wird. So weiss inzwischen jeder, der es wissen will, was ihre Grossmutter zu den Nacktszenen gesagt haben soll (das mit dem Klebeband habe ihr gar nicht gefallen), auf was sie beim Dreh bestanden habe (ihr Schamhaar nicht abzurasieren) und ob ihr Filmpartner Matthias Britschgi beim Dreh eine Erektion bekommen habe (nein, habe er nicht).

Nina Langensand, die im richtigen Leben ziemlich viel kleiner und feiner als ihre Filmfigur wirkt, lacht laut. «Vieles von dem, was im Moment über mich geschrieben und erzählt wird, ist totaler Blödsinn, absoluter Quatsch.» Wie zum Beispiel das mit der Grossmutter. Sie habe den Film zwar tatsächlich gesehen, sei aber einfach nur stolz auf ihre Enkelin gewesen. Oder die andere Sache – die ist buchstäblich an den Schamhaaren herbeigezogen.

Nur das mit der Erektion, ja, das stimme so, und das sei auch nicht weiter verwunderlich. «Auf einem Filmset geht es schliesslich nicht erotischer zu und her als in einer Migros-Filiale», sagt Nina Langensand. «Und da fängt es ja auch nicht gleich an zu knistern, wenn man sich in der Warteschlange vor der Kasse ein bisschen näherkommt.»

Aber es sei schon erstaunlich, sagt die gebürtige Luzernerin, die für eine künstlerische Zusatzausbildung nach Genf gezogen ist, «auf was für Ideen die Leute im Zusammenhang mit meiner Filmrolle kommen».

Ganz so erstaunlich allerdings auch wieder nicht: Selten gab es in einem Schweizer Film so viel nackte Haut und so viel wilden Sex zu sehen. Und selten gab es so heftige Reaktionen wie auf «Hard Stop», in dem Nina Langensand ihr Kinodebüt gibt. Von Schmuddelfilm, Skandalkino und Schlimmerem war die Rede. Nina Langensand begegnet solchen Vorwürfen ziemlich entspannt. «Schliesslich kann ich nur begrenzt Einfluss darauf nehmen, was über mich geschrieben wird.»

«Klar», sagt sie, «habe ich mir beim ersten Durchschauen des Drehbuchs gesagt, ui, ui, ui …» Nach reiflicher Überlegung und Gesprächen mit Freundinnen und Freunden habe sie trotzdem und überzeugt zugesagt. Die Story habe ihr gefallen, und mit der Nacktheit an sich habe sie keine Mühe. Schon während ihrer Ausbildung zur Schauspielerin und Künstlerin in Zürich habe sie Akte gezeichnet und sei manchmal auch Modell gestanden. «Es kostet sowieso viel Überwindung, auf die Bühne oder vor die Kamera zu stehen, sei es nun nackt oder angezogen. Der Körper ist für mich schliesslich ein Instrument, mit dem ich arbeite.»

Bloss bei einem Gedanken fühlt sich Nina Langensand nicht ganz wohl: Dass man sie jetzt auf die Rolle der jungen Nackten festlegen könnte, denn «nur weil man mich jetzt einmal nackt gesehen hat, hat man noch lange nicht alles von mir gesehen. Im Gegenteil.»

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