Ferien in Kalifornien mit Frau und Kind Skispringer Simon Ammann möchte Surferboy werden

Simon Ammann reiste mit seiner Familie nach Los Angeles, um als Botschafter der Special Olympics Schweizer Sportler mit geistiger Behinderung an den World Games zu unterstützen. Die «Schweizer Illustrierte» hat ihn vor Ort besucht.

Ein entspannter Mittag am Venice Beach, am Strand der Muskelmänner in Los Angeles. Skispringer Simon Ammann holt sich spasseshalber ein paar Workout-Tipps von Gefängniswärter und Bodybuilder Brian LaPila. Am liebsten würde der lizenzierte Pilot noch einen Flug über der Metropole machen. Doch der 34-jährige Toggenburger ist nicht nur ferienhalber in den USA: Seit drei Jahren ist er Botschafter der Special Olympics. Und hat sich nach seinem schweren Sturz im Winter dazu entschieden, die Schweizer Athleten nach L.A. zu begleiten.

Im Stadion. Die Sonne brennt heiss auf die Aschenbahn. Anita Scherrer, 25, geht im 400-Meter-Lauf der Frauen an den Start. Ammann verfolgt das Rennen gespannt auf der Tribüne. Die Aargauerin vom Behinderten-Sportclub Wohlen-Lenzburg gibt alles und erreicht den fünften Schlussrang. Da sie in eine sehr schnelle Division eingeteilt wurde, ist das Resultat für sie okay: «Und ich bin ja noch im Weitsprung-Final. Mal sehen, wie es da geht.»

Unter den 6500 aus aller Welt angereisten Sportlern mit geistiger Behinderung nahmen letzte Woche auch 70 Schweizer Athleten, begleitet von 30 Coaches, an den Special Olympics World Games 2015 teil. Simon Ammann ist beeindruckt, was an der von Eunice Kennedy Shriver ins Leben gerufenen Veranstaltung alles geleistet wird: «Diese Athleten haben natürlich andere Voraussetzungen als wir im Spitzensport, aber auch sie haben den Anspruch, am Wettkampftag ihre beste Leistung abzurufen. Und sie tun das nicht fürs grosse Geld, sondern für ein Gemeinschaftserlebnis. Für mich ist das motivierend, denn das geht bei uns im Spitzensport etwas verloren.»

Normalerweise könnte Ammann wegen Training und Sommer-GP im Juli nicht weg. «Aber ich wusste nicht, ob ich diesen Sommer noch springen würde.» Doch er wird springen - drei Tage nach seiner Rückkehr aus L.A. am 7.  August am Grand Prix von Hinterzarten. Simon Ammann ist happy, wie es mit der Umstellung vom linken aufs rechte Bein bei der Landung vorangeht. «Es sagen nicht viele Leute, dass sie 17 Jahre auf dem falschen Bein gelandet sind. Und es lief so ja auch nicht schlecht», schmunzelt er. «Aber ich musste schon wieder recht weit zurück. Die Nachwuchs-Flieger auf der kleinen Schanze werden gedacht haben: ‹Was macht Simon da?› Ich hoffe, ihr Coach hat es ihnen erklärt!»

Obwohl Ammann in offizieller Mission in Los Angeles weilt, ist er nicht auf Kosten von Swiss Olympic gereist. Stattdessen verbindet er die World Games mit einem privaten Familienurlaub. Nach intensiver Umstellung im Training und im Team und nach der Eröffnung des von den Star-Architekten Herzog & de Meuron gebauten Gipfelrestaurants auf dem Chäserrugg rauchte dem Aktionär und Verwaltungsrat der Toggenburger Bergbahnen AG etwas der Kopf, und ein Tapetenwechsel war angesagt. Es ist die erste Fernreise, die Simon Ammann und seine Frau Yana mit ihrem knapp zehn Monate alten Sohn Théodore unternehmen. «Wir kommen nun schon viel mehr auf Touren», so der Vater, der beim Lunch abwechselnd mit seiner Frau den krabbelnden Junior in Schach hält. «Man sitzt in den Flieger, und jeder hofft, dass das Baby ruhig bleibt. Wir haben natürlich weniger geschlafen. Das fällt am meisten auf: Dass man weniger schläft, und als Athlet ist Erholung natürlich sehr wichtig

Bei den World Games können die Athleten viel für sich herausholen

Zwischen Wettkämpfen und Swiss-Supporter-Anlässen erkunden sie Los Angeles: Universal Studios, der Strand bei Santa Monica und eben ein Besuch am Venice Beach. «Wir tauchten direkt in die Stadt ein, aber nehmen auch gerne das grosse Bild wahr: die Palmen, das Meer, wo es nicht so voll ist wie an den Ufern und Stränden in Europa.» Den ersten Schwimmunterricht erhält Théodore aber im Pool der Residenz des Schweizer Generalkonsuls Jean-François Lichtenstern, wo die Ammanns untergebracht sind. «Er muss nicht unbedingt Sportler werden», blickt Ammann in die Zukunft seines strahlend strampelnden Sohnes. «Von mir aus kann er auch Musiker werden. Er soll selber entscheiden. Wenn er weiter so aktiv bleibt, wird sich irgendwann aber wohl ein Sport für ihn finden müssen.»

Zurück auf dem Campus der Universität USC, freut sich Rico Wettstein, 26, über seinen vierten Platz im Kugelstossen, und Langstreckenläufer Ruedi Häfliger, 26, massiert seine verkrampften Waden mit Eiswürfeln. Noëmi Suter, 29, bereitet sich auf ihren 100-Meter-Lauf vor. «Gut einlaufen und nicht wild drauflos, denn ich will keine Zerrung», hat sie sich vorgenommen. Simon Ammanns Tipp: «Vor dem Wettkampf ein bisschen Eis auf Hände, Puls und Hals, das zieht einen zusammen und weckt auf.»

Einen Jetlag hat er zum Glück nicht, denn am Abend organisiert Supporter Stefan Bachofner in seinem Restaurant Chalet Edelweiss eine Party - inklusive Präsentation des Delegationssongs «Learn to Love» des Schweizer Musikers Marco Basci feat. Lorie Moore und mit Gästen wie Carlos Leal und Model Alizée Gaillard. Aber Simon Ammann hat vorher noch etwas vor: Motiviert vom Tag mit den Athleten, verabschiedet er sich kribblig ins Konditionstraining.

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