Persönliche Notizen unserer Ski-WM-Hoffnungen - Teil 1 Küng, Suter und Feuz über Kochshows und Lieblingsskis

Ski-WM in St. Moritz! Heimvorteil? Vergessene Renndresses? Die gesamte Verwandtschaft, die zuschaut? In der «Schweizer Illustrierten Sport» sprechen 15 unserer WM-Hoffnungen über Glücksbringer, Rituale und Erinnerungen an St. Moritz. Im ersten Teil: Patrick Küng, Fabienne Suter und Beat Feuz.
Feuz Beat Suter Fabienne Patrick Küng
© Sandro Bähler

Patrick Küng, Fabienne Suter und Beat Feuz.

Patrick Küng, 23: Der Titelverteidiger

Wenn ich unterwegs bin und freie Zeit im Hotel habe, schaue ich Kochshows. Dann schreibe ich mir manchmal die Rezepte raus und koche sie nach. Ich koche gern, ja, aber es ist ehrlich gesagt oft auch das Einzige, das am Nachmittag im Fernsehen läuft. Ich bin überhaupt nicht der Gamer, sondern mehr der gesellige Typ. Lieber gehe ich mal irgendwo einen Kaffee trinken, an der Hotelbar oder so. Allein im Zimmer zu sein, ist mit 33 Jahren aber schon auch ganz gut, ich habe relativ oft ein Einzelzimmer. Falls ich einen Zimmergenossen habe, schlafe ich immer dort, wo das WC näher ist. Was im Winter kaum einmal fehlt bei mir: ein Luftbefeuchter.

Mein Knie, das mich letztes Jahr fast die ganze Saison gekostet hat, ist kein Problem mehr, ich kann wieder voll belasten. Aber durch die vielen Absagen von Abfahrten diesen Winter fehlt mir noch der Rennrhythmus, es ist schwierig, da reinzukommen. Das ist sicher das grösste Problem vor der Titelverteidigung.

Ich bin überhaupt nicht der Gamer

Viele meiner Leute reisen sicher nur für die Abfahrt am Samstag an. Wenn viele Bekannte vor Ort sind, bekomme ich das während des Rennens nicht so mit. Aber manchmal wird es danach etwas stressig, um allen gerecht zu werden.

In diesem Jahr habe ich noch keinen Lieblingsski. Die Ski von der WM Saison gibts alle nicht mehr, darum muss ich erst wieder einen finden. Aber wenn man einen hat, bei dem man weiss, dass er funktioniert, ist das schon gut. Das Beste an St. Moritz? Die schönen Skihütten.

Ski WM 2017 St. Moritz Schweizer Skifahrer Fotos Patrick Küng
© Sandro Bäbler

Patrick Küng, 33, startet in der Abfahrt und im Super-G.

Fabienne Suter, 32: Die Routinière

Die WM hier wird meine siebte sein - die erste war auch in St. Moritz. Ich stürzte bei meinem einzigen Start damals, aber ich erinnere mich an etwas anderes: Man sagte mir, dass ich nochmals frei Skifahren gehen dürfe. Ich fuhr vom Hotel Salastrains los, kam aber nicht mal bis zum Lift hinunter, es hatte so viele Leute! Das war für mich als Junge eine völlig andere Welt. Schön, aber extrem.

Ich hätte nie gedacht, dass eine Heim-WM einen solchen Boom auslösen kann. Es ist etwas Spezielles, das du in einem anderen Land nicht kopieren kannst. Hier spürt man, dass die Unterstützung da ist, das finde ich ein schönes Gefühl. Früher hat es mich nervös gemacht, wenn Leute aus meinem Umfeld dabei waren. Ich dachte dann immer, ich müsse mir speziell Mühe geben, und meistens hats dann nicht so geklappt. Mittlerweile habe ich aber Freude, wenn jemand kommt.

Man baut eine Beziehung zum Ski auf

Mein Lieblingsski ging in Lake Louise kaputt. Letztes Jahr fuhr ich damit alle Abfahrten, in denen ich gut war, so wird er automatisch zum Lieblingsski. Jetzt hoffe ich, dass ich einen neuen finde. Man baut eine Beziehung zum Ski auf. Es ist manchmal verzwickt: Der Servicemann meint, dass ein anderer schneller wäre, aber als Athletin denkt man: Nein, mit diesem Ski kann ich nicht fahren! Warum, kann man sich nicht erklären. Das gibts. Manchmal sage ich ihm: Entscheide du! Aber wenn ich mir hundert Prozent sicher bin, dass ich mit diesem Ski fahren will, sage ich es. Am Schluss sind wir uns aber immer einig.

Ski WM 2017 St. Moritz Schweizer Skifahrer Fotos Fabienne Suter
© Sandro Bäbler

Fabienne Suter, 32, startet in der Abfahrt und im Super-G.

Beat Feuz, 29: Der Comeback-König

Ich reise sicher mit einem guten Gefühl nach St. Moritz. Weshalb, liegt auf der Hand: Meine beiden Siege am Weltcupfinale im vergangenen März übertrafen alles! Nach der Achillessehnen-Verletzung und dem Comeback mitten in der Saison habe ich nie mit so etwas gerechnet. Es kann einem helfen, dass man so gute Erinnerungen an einen Rennort hat - aber es ist keine Garantie für irgendetwas. Das ist wie bei uns Schweizern zum Beispiel in Wengen. Dort haben wir in den letzten Jahren sehr gute Resultate gebracht, aber das einzelne Rennen ist etwas anderes.

Im WM-Koffer nicht fehlen darf der Renndress

Eindrücklich ist in St. Moritz sicher der Starthang. Das gibt es nur einmal im ganzen Weltcup-Zirkus - dass man mit der Bahn mittendrin aussteigt und dann noch etwa 150 Treppentritte hinaufgehen muss. Und dann gehts im freien Fall hinunter.

Im WM-Koffer nicht fehlen darf der Renndress. Das klingt jetzt selbstverständlich, aber ich habe ihn in Lake Louise tatsächlich einmal vergessen. Ich bekam einen von Didier Défago, der natürlich viel zu gross war, bei den Füssen musste ich ihn viermal umkrempeln. Deshalb schaue ich mittlerweile sehr genau darauf, dass ich ihn einpacke.

Ski WM 2017 St. Moritz Schweizer Skifahrer Fotos Beat Feuz
© Sandro Bäbler

Beat Feuz, 29, startet in der Abfahrt und im Super-G.

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