Stephan Weiler So badet Mister Schweiz im Erfolg

Zwei Wochen im Amt: Alles schwappt über den neuen Mister. Emotionen. Schlagzeilen. Auch Kritik. Zum Glück kann Stephan Weiler daheim abtauchen.
Der Whirlpool! Bei Weilers steht er mitten im Wohnzimmer.
Der Whirlpool! Bei Weilers steht er mitten im Wohnzimmer.

Der neue Mister Schweiz: Er sieht aus wie George Clooney, schwärmen seine Fans. «Er hat ein fotogenes Gesicht», ist Ursula Knecht von der Modelagentur Option angetan. Nicht nur Model Xenia Tchoumitcheva findet Stephan Weiler, 24, «wunderschön».

Manche Medien aber gehen hart mit ihm ins Gericht: «Schräg sind nur seine Zähne», ein «Lang-Weiler» - mehr «Miss als Mister», so die Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Für viele suspekt: ein Mister, der mit 24 Jahren noch im Bubenzimmer bei den Eltern lebt? Stephan juckt das nicht. «Da stehe ich drüber. Bis jetzt lag eine eigene Wohnung einfach finanziell nicht drin.»

Hotel Mama liegt in einer grossen Blocksiedlung am Stadtrand von St. Gallen. Eine Siedlung, wie sie Anfang der 70er-Jahre in Schweizer Agglomerationen oft aus dem Boden gestampft wurden: grauer Beton. Elf Stockwerke. 33 Parteien. Da brauche es schon einen pingelig geführten Waschplan, erklärt die Nachbarin im Treppenhaus. Immerhin müssen ja auch vier Familien pro Tag ihre Wäsche waschen. Stephan gefällts: «Das ist mein Zuhause. Ich finde es super hier. Und jetzt mit dem Whirlpool ist es richtig fantastisch!»

Der Whirlpool! Bei Weilers steht er mitten im Wohnzimmer. Der gut zwei Meter grosse und 800 Kilo schwere Softpool ist einer der Preise, die Stephan als neuer Mister Schweiz bekam. Für Vater Christoph, 51, und Mutter Maja, 50, war sofort klar: raus mit dem gesprenkelten Sofa, rein mit dem Sprudelbad.

«Momoll, das ist genial», sagt der Vater, «jetzt schaue ich die ‹Tagesschau› hier von der Wanne aus. Toll!» Und Stephan zwinkert seiner Freundin Jasmin Braunwalder, 19, zu: «Ich freue mich schon darauf, wenn wir den Pool allein benützen können, gäll, Prinzessin.»

Stephan und Jasmin. Seit sieben Monaten sind sie ein Paar. «Mein Chäfer hat sich überhaupt nicht verändert», sagt die Maturandin. «Stephan ist für mich immer noch derselbe.» Das Herzkissen, dass sie ihm zu seinem 24. Geburtstag am Morgen nach der Mister-Wahl geschenkt hat, liegt auf seinem Bett.

Auf der Kommode liebevoll assortierte weisse Rechaud-Kerzen auf grünen Kieselsteinchen - passend zur grünen Bettwäsche. Jasmin: «Die haben wir zusammen in der Ikea gekauft.» Ebenfalls auf dem Bett: ein Plüschdelfin. Nicht der einzige. Überall in der Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnung lümmeln sich Tümmler - aus Ton, Edelstein und Plastik. «Delfine sind meine Lieblingstiere», sagt Stephan. Und Mama Maja ergänzt: «Zum Geburtstag haben wir ihm immer einen Delfin geschenkt.»

Stephans Mutter Maja, eine stille Frau, stellte auch die zwei Rosenquarze neben seinen kleinen TV. «Das soll die Strahlung absorbieren», erklärt der Mister. «Meine Mutter interessiert sich für solche Sachen.» Maja Weiler nickt, scheu: «Ja, ein bisschen, wenn ich Zeit dazu finde. Meistens widme ich mich halt der Familie.»

Früher kutschierte die gelernte Damenschneiderin ihre beiden Buben Stephan und den um zwei Jahre älteren Patrick tagtäglich zum Sport: Stephan zum Lauftraining, Patrick zum Fussball.

Jetzt, wo die Kinder erwachsen sind, findet die Mutter mehr Musse für sich. Sie liest viel. Ratgeber wie «Wege ins Licht», «Die neue mentale Stärke», «Praktische Edelsteintherapie» überwiegen im Büchergestell. Die Medi-tations-CD liegt auf der Stereoanlage -neben dem Katzenbaum.

Mit Ruhe und Musse ist jetzt erst mal Schluss. Seit Stephan am 5. April zum neuen Mister Schweiz gewählt worden ist, sind auch die Eltern einem unablässigen Trubel ausgesetzt. Ständig ertönt bei ihnen «Herzschlag für Herzschlag» von den Kastelruther Spatzen - als Handy-Klingelton. Die Weilers werden mit Gratulationen und Glückwünschen nur so überhäuft. Mama Maja muss sich noch an die neue Situation gewöhnen.

Papa Christoph, 51, blüht ungemein auf. Detailliert erklärt er sämtliche Nahrungsergänzungsmittel in der Küche: Hypotonic, Lactat-Puffer, Maltodextrin 100. Sportlernahrung für Stephan? Immerhin war der ja mal Schweizer Meister im Cross-Lauf.

Nein, die Pülverchen gehören dem Vater! Er ist Pöstler. Und leidenschaftlicher Marathonläufer. Zurzeit bereitet er sich auf den 100-Kilometer-Lauf von Biel vor -trainiert täglich. «Darum bin ich auch vom Whirlpool so begeistert. Jetzt kann ich mich nach dem Training richtig entspannen.»

Stephan setzt sich zu ihm in den Pool. Sie trinken Champagner, stossen auf seinen Sieg an. Und die negativen Schlagzeilen? «Offenbar polarisiere ich. Aber so langweilig, wie alle sagen, kann ich nicht sein, sonst wäre ich nicht so oft in den Schlagzeilen», sagt er lachend -seine vier neuen Schneidezähne blitzen im Frühlingslicht.

Just einen Tag nach der Wahl hat sich Stephan die Zähne begradigen lassen, auch das liess manche Journalisten gegen den Mister gifteln: «Jetzt hat er sich seine letzten Ecken und Kanten wegschleifen lassen.» - «Ich gehe nicht auf diese Vorwürfe ein. Ich weiss, wer ich bin und was zu mir gehört. Auch wenn ich manchmal Make-up benutze und noch zu Hause lebe - das ist doch egal. Ich schade niemandem damit.»

Stephan ist stolz, dass er mit seinen Eltern einen so guten Kontakt hat, lässt sich gern verwöhnen. Zum Beispiel dann, wenn Mama Maja ihrem Sohn sein Lieblingsessen, Tomatenspaghetti mit panierten Plätzli, auftischt - oder seinen weissen Drogeriekittel knitterfrei bügelt. Allen Unkenrufen zum Trotz glaubt Stephan auch daran, dass seine Beziehung zu Jasmin das Mister-Jahr überstehen wird. «Uns bringt so schnell nichts aus der Ruhe.»

Und falls doch, hat der neue Mister Schweiz ein Patentrezept, um seinen Kopf zu leeren: einfach Abtauchen. Das kann er jetzt sogar im eigenen Wohnzimmer.

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