Sommerresidenzen der Stars - Teil 3 Anna Känzig liebt Opas Haus am Waldrand

Ein Ort - zu schön, um Inspiration zu finden. Anna Känzig heizt nicht nur ihrem Publikum ein, sondern im Engadin sogar den Kachelofen. Muss sie auch, will das Stadtkind warm duschen.

Das Ferienhaus von Anna Känzig, 33, ist phänomenal! Obwohl hier im Engadin, am Waldrand zwischen Zernez und St. Moritz gelegen, kein Strom fliesst, ist es der Ort, an dem die Sängerin Energie tankt. Absoluter Lieblingsplatz: die Terrasse. «An der Ecke, da, wo die Sonne abends am längsten hinscheint.»

 

Anna Känzig muss Holz hacken

Musikerin Anna Känzig liebt Ferien in den Bergen. In ihrem Häuschen im Unterengadin gibt es keinen Strom. Darum muss sie einfeuern.

Posted by Schweizer Illustrierte on Tuesday, July 24, 2018

Annas Grossvater baute das Feriendomizil. Er war Architekt. Herausgekommen ist kein typisches Engadinerhaus, sondern eine Mischung aus heimeligem Chalet und weitläufiger amerikanischer Lodge. Vor allem die ums Haus herumführende Veranda erinnert an ein Haus in der Wildnis der Rocky Mountains.

Sommerresidenzen Anna Känzig
© Lukas Maeder
Am Waldrand: Versteckt am Hang, abseits des Wegs von Zernez nach St. Moritz, liegt das Juwel.

Kein Strom, kein Warmwasser

Känzig ist ein Stadtkind — in Meilen bei Zürich aufgewachsen. «Meine Grosseltern waren absolute Wanderfreaks, in den 1950er-Jahren viel im Engadin unterwegs, und als mein Opa diesen Flecken gesehen hat, meinte er zu meiner Grossmutter, dass er hier gern bauen würde.»

Tatsächlich konnten sie das Land kaufen — und bauen. «Meine Grosseltern waren sehr naturverbunden», erinnert sich Anna. «Deshalb war ihnen wichtig, dass ihr Haus keinen Strom hat – und ansonsten mit Holz geheizt wird.» Es gibt zwar fliessendes Wasser, aber nur kalt. «Wenn du warm duschen willst, musst du erst den Ofen anfeuern», erzählt Anna. So kommt es, dass das Stadtkind auch abseits der Musikbühne anheizen kann. «Das traut man mir gar nicht zu», sagt sie mit einem Augenzwinkern.

Sommerresidenzen Anna Känzig
© Lukas Maeder

Lieblingsplatz: Auf der Terrasse von Opas Ferienhaus geniesst Anna Känzig die Abendstimmung im Engadin.

Zwei bis drei Mal pro Jahr im Engadin

Ein Ort zur Entschleunigung ist das Ferienhaus für Anna. «Es wird von der ganzen Familie genutzt, von meinen Cousinen und Cousins.» Einmal jährlich treffen sich alle zu einem «Holzerwochenende». Dann schwärmen sie aus, um Holz für den nächsten Winter zu sammeln, zu sägen, zu spalten – und fein säuberlich unterm Vordach aufzustapeln. «Natürlich könnten wir es auch kaufen, aber es macht viel mehr Spass, zusammenzuarbeiten.»

In der Jugend sind drei Jahre Altersunterschied mega viel. Da gibt man sich nicht mit Jüngeren ab.

In ihrer Kindheit sei sie öfter da gewesen, sagt Känzig mit Bedauern in der Stimme. Heute schafft sie es höchstens zwei bis drei Mal im Jahr ins Engadin – obwohl es von Zürich nur zweieinhalb Autostunden sind. Als Musikerin singt sie jedoch oft an Wochenenden bei Konzerten und Festivals. Auch ihr Freund Lukas Maeder, 30, ist als Fotograf viel unterwegs. Kennengelernt hat sich das Paar an einem Konzert von Anna. Aufgewachsen sind beide in Meilen ZH, allerdings seien sie sich nie über den Weg gelaufen.

«In der Jugend sind drei Jahre Altersunterschied mega viel. Da gibt man sich nicht mit Jüngeren ab», sagt Anna mit einem Seitenblick auf Lukas lachend. Er nimmts gelassen, lächelt zurück. Vor zwei Jahren ist er mit seiner Freundin zum ersten Mal hier oben in deren Familienferiendomizil gewesen. «Ein magischer Ort», schwärmt auch er.

Wie eine andere Welt

Das Juwel spendet Energie, Inspiration aber hat Anna bisher hier nicht gefunden. «Ich habe einige Male probiert, Texte zu schreiben, aber es ist zu schön hier», sagt sie. Viel lieber gehe sie raus in die Natur, um zu wandern oder andere Dinge zu tun. «Ich kann besser Songs in unserem versifften Bandraum schreiben», sagt sie.

 

Auf Wohnungsbesichtigung mit Anna Känzig

Sängerin Anna Känzig führt uns durch ihr Ferienhäuschen im Unterengadin.

Posted by Schweizer Illustrierte on Tuesday, July 24, 2018

Am schönsten findet es Anna in den Bergen im Herbst. «Dann, wenn die Wälder ringsum rotorange leuchten, erinnert mich das Engadin an Hobbitland. Es ist wie eine andere Welt», schwärmt sie. Dann hat sie auch kein Problem, allein in Opas Haus zu sein. Regnets allerdings, dann sei es schon «ein bisschen creepy», wie sie sagt. «Kalt und grau – und richtig traurig.»

Nostalgische Gefühle

Mit Anna und ihren Cousins ist die dritte Generation mit der Pflege von Opas Haus am Wald betraut. Kommt jetzt Strom und fliessend warmes Wasser? «Es ist nicht so, dass es testamentarisch festgelegt wäre, dass wir nichts verändern dürften, aber es ist uns allen heilig, hier wirklich in der Natur so natürlich wohnen zu dürfen.» Vor einiger Zeit haben sie Solarzellen installiert – «um zumindest das Handy aufladen zu können».

Nostalgische Gefühle werden bei allen Familienmitgliedern geweckt, wenn sie im Ferienhaus zusammenkommen. 15 bis 20 Personen sind sie dann. Für die Kinder gibts hinterm Haus seit Grosselterns Zeiten ein Tipi. Momentan ragen nur die Stangen wie ein Gerippe in den Himmel. Die Hülle wird demnächst wieder aufgezogen. Auch Anna schlief seinerzeit in dem Indianerzelt und träumte – von Opas Haus am Wald.

Anna Känzigs Top 3 im Engadin

Im nächsten Teil zeigt uns Ulrich Giezendanner, Politiker und Unternehmer, zum Ende unserer Serie sein Haus im Tessin.

Hier gehts zum Teil 1 mit Birgit Steinegger und zum Teil 2 mit Toni Vescoli.

 
Auch interessant