«Er war so um meine Gesundheit besorgt» Circus-Chef Fredy Knie Jr. nimmt Abschied von Spidi

Die weisse Lippe war das Markenzeichen von Clown Spidi. Wer je im Knie war, sah ihn als Erstes. Circus-Chef Fredy Knie jun. erinnert sich an Peter Wetzel, den Clown mit dem grossen Herzen.
Spidi
© Circus Knie

In vielen Herzen: Peter «Spidi» Wetzel starb 51-jährig. Sein Freitod bewegt die Schweiz.

Die Nachricht vom Tod von Peter Wetzel, unserem Clown Spidi, am Donnerstagabend vor einer Woche in Aarau hat mich tief getroffen. Fast ein Vierteljahrhundert waren wir Tag für Tag zusammen mit dem Circus Knie in der ganzen Schweiz unterwegs. Das prägt und verbindet.

«Spidi fragte immer, wie es mir geht»

Ich erinnere mich an die letzten Wochen in Luzern, wo er mir und meiner Familie Brötchen zum Frühstück aus der Bäckerei brachte. Und wie er um meine Gesundheit besorgt war: Offerierte er den anderen Süsses, brachte er mir spezielle Schokolade. Und Spidi fragte mich stets, wie es mir gehe.

Noch vor wenigen Tagen sah ich ihn mit dem Husky, dem grossen Schlittenhund unseres Werkstattchefs, Gassi gehen. Er hat gelacht, gewunken und einen träfen Spidi-Spruch gemacht – alles war wie immer. 

 
Fredy Knie
© TOINI LINDROOS

Bestürzt: Fredy Knie jun. erlebte im Circus 24 gemeinsame Jahre mit dem legendären Clown Spidi.

Ich erinnere mich an Spidi als einen Mann, der für alle da war. Egal ob ein Prominenter am Premierenabend, ein Kind nach der Nachmittagsvorstellung oder ein Mitarbeiter aus dem In- oder Ausland beim Kaffeetrinken in der Mannschaftsküche: Spidi hatte für alle ein nettes Wort und ein freundliches Lachen. 

Mit Engelsgeduld beantwortete er stets alle Fragen und freute sich immer besonders, wenn er einem Kind einen roten Luftballon überreichen durfte. Und seine Worte kamen in allen Sprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch, Englisch oder in was weiss ich für einer Zunge: Spidi konnte Witze in allen Sprachen erzählen.

Galerie: Das Leben von Knie Clown Spidi 

 

Er brachte die Gäste zum Lachen 

Spidi ist 1994 zu uns in den Circus Knie gekommen. In all den Jahren hat er das Bild des Circus Knie in der Öffentlichkeit geprägt. Er war der Erste, den Knie-Besucher gesehen haben, wenn sie in den Zirkus kamen: Den Clown mit der weiss geschminkten Lippe und den weiss geschminkten Augen.

Er war der Erste, den man hörte, wie er am Eingang stand und laut rief «Programm!». Mit wie vielen Besuchern hat er dabei gelacht, gescherzt und in den letzten Jahren immer mehr auch Selfies gemacht. Nach dem Zirkusbesuch schickte er die Gäste mit einem Lachen wieder auf den Heimweg. 

 
Spidi
© ARNO BALZARINI
Grosses Herz: Peter Wetzel alias Spidi empfing fast ein Vierteljahrhundert die Gäste im Circus Knie.

Er ist die Kindheitserinnerung vieler Besucher

Wir haben so viele positive Feedbacks von Zirkus-Besuchern erhalten, für die Spidi eine Kindheitserinnerung war und ist – und immer bleiben wird. Sehr positiv werden mir auch seine Auftritte in der Manege in Erinnerung bleiben, wo er sein komödiantisches Talent beweisen konnte.

Gerade aktuell dieses Frühjahr, als er mit der Westschweizer Komikerin Marie-Thérèse Porchet für das Programm 2018 probte. Immer war er zur Stelle mit Ideen, wie man das Zirkuspublikum zum Lachen bringen kann. Sehr gerne absolvierte er auch Auftritte in den Strassen eines «neuen» Gastspielorts. In den Fussgängerzonen mit Menschen scherzen, Witze reissen und Spässchen machen – und sie so zum Lachen bringen.

Spidi bleibt unvergessen 

Lieber Spidi, ich danke dir für all die schönen Momente, die wir mit dir teilen durften. Mochte der Tag auch grau und regnerisch sein, du hattest für alle ein Lachen. Für uns als Familie Knie, für alle Mitarbeitenden, für jeden einzelnen Besucher. Jedes Jahr an jedem Ort hat sich das Publikum gefreut, dich wiederzusehen. Wie einen alten Bekannten. Wir werden dich nie vergessen! 

 
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