Das persönliche Interview mit Rainer Maria Salzgeber «Ich wäre lieber Zuberbühler statt Thurnheer»

Er hat Schmerzen im Knie und zwei linke Hände: Rainer Maria Salzgeber ist glücklicher SRF-Sportmoderator und seit 20 Jahren ein «Musiktalent vor dem Durchbruch». Der 47-Jährige weiss, dass er fast Sven geheissen hätte, kennt aber den wahren Namen von Ugi nicht. Ein Interview mit Telefon-Joker.

Rainer Maria Salzgeber, wo am Körper tuts Ihnen weh?
Im Knie habe ich einen Knorpelschaden. Zudem denke ich beim Sport immer noch, dass ich 20 Jahre jung bin. Aber mein Körper gibt mir klar zu spüren, dass dem nicht mehr so ist.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Matterhorn, bisschen Zermatt, die Heimatverbundenheit vom Wallis und die Internationalität einer mittelgrossen Stadt.

Wie hätte Ihr Name als Mädchen gelautet?
Ich weiss, dass der alternative Name Sven war. Aber es gab einen Heizkessel aus Schweden, der so hiess. Als Meitli meinte ich Patricia. (Ruft seine Mutter an.) Sie hatten keinen! Die Hebamme war sich sicher, dass ich ein Junge werde.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Rosenkohl – die Aversion habe ich aus der Kindheit mitgenommen.

Was für eine Frucht wären Sie?
Ananas. Geschmackvoll süss, doch wenn du den falschen Moment erwischst, kanns kippen.

Ich habe zwei linke Hände mit je fünf Daumen

Als Sie ein Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt?
«Würdest du so viel Zeit in die Schule und das Klarinettenspiel investieren wie in den Fussball, wäre beides viel besser.»

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt?
Ich habe zwei linke Hände mit je fünf Daumen. Meine Leidenschaft ist eher das Raclette-Streichen.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Nein. In unserer Familie schauen wir, dass wir mit den Lebensmitteln gut haushalten.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Ich bin mit meinem Pensum glücklich, da mein Hobby auch mein Beruf ist. Ich schaue beruflich Fussballspiele, ein Privileg.

Mit dem Körper von Kariem Hussein könnte ich leben

Ihr Spitzname als Kind?
Raini. Salzi kam erst in Zürich auf.

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Dass ich irgendwann mal im Goal der Schweizer Nati stehen werde. Ich wäre lieber Zuberbühler statt Thurnheer, sprich lieber Nati-Goalie als TV-Mann geworden.

Ihr nächster Traum ist es, das Matterhorn zu besteigen, weshalb?
Ich mag Grenzerfahrungen. Wer weiss, ob ichs schaffe. Bergführer und Schulfreund Ugi begleitet mich. Hmm, wie heisst Ugi richtig? (Beginnt zu googeln.) Gibts ja nicht, ich muss nach dem Namen meines Freundes im Internet suchen! (Zwei Minuten und paar «Gopfriedstutz» später) Urs!

Rainer Maria Salzgeber mit Frau an Wohnort Wallis
© Remo Nägeli

Rainer Maria und Chantal Salzgeber (l.), 45, lassen sich mit Blick auf das Matterhorn kulinarisch verwöhnen.

Haben Sie einen Organspendeausweis?
Nein, und zwar aus reiner Faulheit. Alles, was vermeintlich keine Dringlichkeit im eigenen Leben hat, verschiebt man ständig.

Können Sie sich vorstellen, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen?
Mit meiner Herkunft steht diese Frage in einem Gewissenskonflikt, den ich mit mir selber austragen müsste. So weit bin ich noch nicht.

Über welche Tat oder Aussage von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
Ich mag den Spruch: «Das war ein Typ, der Spuren hinterlassen hat und nicht nur Staub aufwirbelte.»

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu erschaffen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten sollte er Sie ausstatten?
Mit dem Körper von Kariem Hussein könnte ich leben. Dazu die Qualität von Torwart Manuel Neuer. Ich würde auch gerne ein Sinfonieorchester dirigieren können. In der Musik war ich am talentiertesten, aber leider auch am faulsten. Ich bin seit 20 Jahren ein Musiktalent vor dem Durchbruch.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Es war das Zeitalter, in dem die Menschheit ihre Grenzen nicht mehr kannte und überbordete.

Als TV-Moderator kann ich nach einem Cup-Finale nicht mit den Hardcore-Fans im Zug zurückreisen

Welche Pille gehört erfunden?
Eine, die Krebs verunmöglicht.

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus.
Es war voller Servette-Fussball-Poster wegen meinem Idol Erich Burgener, und es hatte einen Klarinetten- und einen Notenständer.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Da Roger Moore leider verstorben ist, wohl Pierce Brosnan. Sie beide sind meine Bond-Helden.

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Wie ich mich von A nach B verschiebe. Als TV-Moderator kann ich nach einem Cup-Finale nicht mit den Hardcore-Fans im Zug zurückreisen. Das ist relativ schwierig. Deshalb fahre ich oft Auto.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
So teuer wird der Liter wohl nie.

Haben Sie ein Tattoo?
Nicht eines. Ich bin noch pur.

Im Dossier: Weitere persönliche Interviews mit Stars

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