Einsatz für die SRG Stars klatschen gegen «No Billag»

Was eint Büne Huber, Melanie Oesch, Baschi, Stress, Sina, Kunz, Stefanie Heinzmann, Dodo, Trauffer, Adrian Stern, Lea Lu & Lisa Stoll? Sie singen und klatschen in Videos gegen «No Billag».
No Billag Teaser
© Thomas Buchwalder

Vereint: Büne Huber, Melanie Oesch und Baschi (v. l.) treffen sich in Bern zum aussergewöhnlichen Videodreh gegen «No Billag».

Mit der rechten Hand klopft Sängerin Heidi Happy, 37, auf ihre Brust und klatscht dann in die Hände. Löffel steigen mit ein, Musiker Kunz, 32, greift zur Gitarre. Es folgen Flaschenspiel und Schwyzerörgeli. Urchige, traditionelle und moderne Instrumente vereint in Harmonie. «Wir machens genau so noch mal», ruft Regisseur Flavio Gerber, 31.

«Toll, kommt mein Instrument zuerst», freut sich Löffel-Spieler Röbi Kessler, 59. «Sei froh, musst du deinen Löffel nicht abgeben», scherzt Dr Eidgenoss, 37. Das Filmteam und die Musiker lachen. Dabei sind alle aus einem ernsten Grund nach Schwyz ins «Wysse Rössli» gereist: die «No Billag»-Initiative, die die SRG-Gebühren abschaffen will.

Dr Eidgenoss Artikel No-Billag
© Thomas Buchwalder

Stubete im «Wysse Rössli»: In Schwyz musizieren Kunz, Dr Eidgenoss, Heidi Happy, Röbi Kessler und Sandra Hicklin (v.r.).

Mit verschiedenen Musikvideos aus verschiedenen Orten wollen die Kulturschaffenden mit einem stets gleich geklatschten Rhythmus ein Statement gegen die Initiative, über die am 4. März abgestimmt wird, setzen: Ein lautes, aber taktvolles Nein.

«Dini Sprach, mini Sprach, üschi eigeti Art. Dini Schwiz, mini Schwiz, üschi Schwiz. Mir teilens!» Stefanie Heinzmann, 28, ist trotz Auszeit aus dem Wallis ins Zürcher Studio von Musiker Dodo, 40, und Dabu-Fantastic-Mitglied David Bucher, 37, gereist, um gegen die Initiative anzusingen. Die beiden produzieren die Musik zu den Videos.

no billag Stefanie Heinzmann
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«Üschi eigeti Art»: Die Walliserin Stefanie Heinzmann singt fürs Schweizer Fernsehen und «üschi Schwiz».
 
 

«Und sie hatten die wertvolle Idee des Klatschens, das sich durch alle Videos als roter Faden zieht und den Leuten im Ohr bleiben soll», sagt Dokfilmer Ivo Zen, 47. Er hat das Projekt «clap4culture» – Klatschen für die Kultur – ins Leben gerufen, und zwar weil er sich mit Erich Eicher, 59, Schwyzerörgeler und Bruder von Stephan Eicher, auf einer Zugfahrt im August über die «abstruse Initiative» – «No Billag» – aufgeregt hat. «Schnell war klar, dass Musik und ihre bekannten Gesichter das beste Mittel sind, um die Wähler zu erreichen», so Zen. «Aber als Filmschaffender war ich nicht sehr vertraut mit der Musikszene.»

Wir dürfen SRF nicht einfach wegwerfen

Bei Christoph Trummer, 39, Musiker und Co-Präsident des Verbandes der Schweizer Musikschaffenden, und bei Kollegen der Firma Filmgerberei stösst Zen sofort auf Gehör. So kommt das Projekt im ganzen Land ins Rollen.

Traufer und Sina
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Inspiriert: Trauffer und Sina klatschen den Rhythmus der Initiative-Gegner.

Ein Juiz schallt durchs sieben Grad kalte Schwyz. Im Herzen der Schweiz trifft Trauffer, 39, nicht nur die lauten Töne, sondern findet auch klare Worte zur Abstimmung. «Für mich ist die Initiative vor allem eines: unglaublich unsozial und unsolidarisch», so der ehemalige parteilose Gemeinderat von Hofstetten BE. «Ich komme selber aus einer Berg- und Randregion, die nur mit Solidarität funktioniert. Wir müssen solidarisch mit unseren vier Landessprachen und Landesteilen bleiben, denn für kleine Stationen wie Radio Beo würde ein Ja das sichere Aus bedeuten.»

An der Bar des Zürcher Kosmos verwandeln die Rätoromanen eine alltägliche Situation in ein rhythmisches Feuerwerk. «Es ist schön zu sehen, wie für diese Sache ein Kollektiv entsteht», so Bibi Vaplan, 38.

Rapper Snook und Künstlerin Bibi Vaplan Flavio Gerber Artikel No-Billag
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Klappe! Rapper Snook und Künstlerin Bibi Vaplan mit Regisseur Flavio Gerber im Zürcher Kosmos.

Es ist das erste Mal, dass sich die Künstlerin politisch engagiert. «Eigentlich ist die Aufgabe von Kulturschaffenden eine andere. Aber bei einem Ja zur Initiative könnte ich als rätoromanische Künstlerin einpacken oder gleich aufhören.» Auch ihre Kollegin Ursina Giger, 32, stimmt zu. «Die Diversität, sprachlich wie auch musikalisch, wird in privaten, gewinnorientierten Medien nicht berücksichtigt. Für mich als Rätoromanin und als Schweizer Musikerin hätte das natürlich Folgen.»

Im Marzilibad in Bern bläst die Schaffhauserin Lisa Stoll, 20, ins Alphorn. Im Hintergrund das Bundeshaus. Am gleichen Tag haut auch Sänger Adrian Stern, 42, gut hundert Kilometer entfernt in der Tonhalle Maag in Zürich auf die Pauke.

Lisa Stoll Artikel No-Billag
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Urchig: Die Schaffhauserin Lisa Stoll bläst vor dem Bundeshaus ins gleiche Horn wie ihre Musikerkollegen.

Dass sich die Kulturschaffenden rein aus ökonomischem Eigeninteresse gegen die Initiative wehren, lässt der Aargauer nicht gelten. «Für mich gehts als Künstler irgendwie weiter. Als Schweizer möchte ich einfach nicht in einem Land leben, das vom US-Sender Fox News regiert wird. Unser öffentlichrechtliches Fernsehen ist eine langjährige Errungenschaft, die wir nicht wegwerfen dürfen.»

Rapper Stress, 40, aus der Romandie ortet bei den Initianten ein Geldmotiv. «Viele von ihnen sind in der Politik und Wirtschaft tätig und haben bestimmt privatwirtschaftliche Interessen. Ich will nicht paranoid tönen, aber da steckt doch ein anderer Gedanke dahinter, als das Beste fürs Volk zu wollen», so Stress. «Das stört mich an dieser Abstimmung am meisten.»

Stress No Billag
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Engagiert: Auch der Lausanner Stress macht beim politischen Musikprojekt «clap4culture» mit.

Ein paar Befürworter kennt Jodlerin Melanie Oesch, 30, aus ihrem Freundeskreis. Für sie selber ist ein Ja kein Thema. «Klar bin ich nicht mit jeder Sendung einverstanden. Aber statt gleich etwas abzuschaffen, das einem ein bisschen nicht passt, würde ich viel lieber neue Vorschläge diskutieren.»

In den Räumen des Lichtspiels in Bern sitzt Büne Huber, 55, auf einem Kinositz. Als der Scheinwerfer auf ihn trifft, steht er auf und beginnt zu klatschen. Danach erhebt sich auch Sänger Baschi, 31, aus seinem Sessel.

Ohne die wichtigen Radios würde niemand mehr von mir hören

Der Basler träumt schon lange von einem gemeinsamen Duett mit dem Berner Frontmann von Patent Ochsner. Aber heute geht es nicht nur um Musik. «Klar ist die Angelegenheit für mich emotional», sagt Baschi, der durch die SRF-Show «MusicStar» bekannt geworden ist. «Aber ich stimme nicht über den SRG-Inhalt oder deren Finanzen ab, sondern über ein frei zugängliches, neutrales Medium.» Für Büne Huber ist das Thema vor allem eines: «So schräg, das glaube ich nicht.»

Stress Artikel No-Billag
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Harmonisch: Stress, Streicher und Bläser des Tonhalle-Orchesters Zürich treffen den richtigen Ton.

«Okay, wir habens!» – Stress hat ausgeklatscht, die Streicher und Bläser des Tonhalle-Orchesters Zürich verstummen. Doch nur für heute. Ab heute Freitag werden die verschiedenen Videos durch die Künstler und via Website www.clap4culture.ch auf den sozialen Medien verbreitet und veröffentlicht. Hier ein Stück von Sina und Trauffer:

«Sie sollen den Wählern die Vielfalt der Schweiz, die auch die SRG verkörpert, vermitteln und Brücken zwischen den Landesteilen schlagen», so Ivo Zen. «Ton émission, mon émission, on le partage», sagt Stress in die Kamera. «Deshalb sag Nein am 4. März!» Er klatscht noch einmal in die Hände. Ein Klatschen gegen die grosse Sendepause.

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