Zum Tag des Zuhörens Stefan Gubser spricht über seine Erfahrung mit Suizid

Reden kann Leben retten. Das ist das Motto der Dargebotenen Hand Tel. 143. Tatort-Kommissar Stefan Gubser ist Botschafter der Organisation und spricht im Interview mit SI online über eigene Erfahrungen mit schweren Zeiten und dem Freitod von Menschen aus seinem Umfeld.
Stefan Gubser
© Peter Knup

Tatort-Kommissar Stefan Gubser vor einem Jahr, als er ebenfalls für die Dargebotene Hand unterwegs war.

Menschen in Lebenskrisen fällt es schwer, sich rechtzeitig Hilfe zu holen. Rund um die Uhr zu erreichen ist die Dargebotene Hand unter Tel. 143. Hier können sich Menschen aussprechen, ohne sich schämen zu müssen, anonym und kostenlos.

Prominenter Unterstützer der Dargebotenen Hand ist Schauspieler und Schweizer Tatort-Kommissar Stefan Gubser, 60. Morgen wirbt er in Zürich im Einkaufszentrum Sihlcity Zürich für die Dargebotene Hand Tel. 143, da der 14. März der Internationale Tag des Zuhörens ist.

Herr, Gubser, welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit Suizid oder auch Depressionen?
An Suizid habe ich wirklich noch nie gedacht – zum Glück. Als Schüler habe ich das allerdings einmal erlebt. Damals brachten sich eine Lehrerin und auch ein Schüler um. Obwohl sie mir nicht sehr nahe standen, war das einschneidend. Das Leben ist grundsätzlich ein Auf und Ab. Auch ich kenne schlechte Zeiten sehr gut. Es gab in meinem Leben Phasen, in denen es beruflich wie persönlich überhaupt nicht lief. Das war oft schwer. Aber diese Phasen kennen ja die meisten Menschen.

Wie sind Sie auf das Engagement für die Dargebotene Hand Tel. 143 gekommen?
In einer Zeitung ist mir ein Inserat aufgefallen. Dort wurden Freiwillige gesucht, die das Telefon bei der Dargebotenen Hand hüten. Das hat mich angesprochen. Die Dargebotene Hand kannte ich, sie ist ungefähr genauso alt wie ich. Als freiberuflicher Schauspieler habe ich ja zwischendurch viel Zeit. Die wollte ich gern nutzen. Der Vorbereitungskurs ist allerdings aufwendig und intensiv. Das konnte ich dann rein von der Zeit her doch nicht leisten. Aber die Zuständigen von der Dargebotenen Hand hat mich dann gefragt, ob ich nicht ihr Botschafter sein könnte. Das mache ich sehr gern.

Was könnten Sie denn als Gesprächspartner am Telefon den Hilfesuchenden bieten?
95 Prozent des Berufs eines Schauspielers besteht aus Zuhören. Das bin ich also bestens gewohnt. So kann ich auch einen Beitrag leisten. Denn die erste Hilfe besteht ja schon darin, dass jemand zuhört, sich Zeit nimmt. Es geht ja gar nicht unbedingt um konkrete Lösungen oder Tipps, sondern erstmal nur darum, dass jemand Zeit hat und vor dem man sich nicht schämen muss, wenn es einem nicht gut geht und einen Probleme drücken.

Was machen Sie, wenn es Ihnen nicht so gut geht? Auch reden?
Ja, absolut. Als allererstes muss dann meine Frau «dran glauben». Das ist einfach so. Aber inzwischen führe ich auch viele ernsthafte und gute Gespräche mit meiner Tochter, sie ist ja schon 36 Jahre alt. Ich brauche, wenn es mir nicht gut geht, wirklich jemanden, der mir zu hört. Grundsätzlich helfen ja Gespräche, weil man dadurch das Problem von einer anderen Seite aus sieht – selbst wenn die andere Person nicht so vertraut ist wie Frau oder Tochter. Ein anderer Blickpunkt auf das Problem, in das man „verwickelt“ ist, öffnet einem selbst die Augen. Davon bin ich überzeugt.

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