Der Schlagersänger reiste im Camper über die Insel Stefan Roos erfüllt seinen Traum in Australien

Schlagerstar Stefan Roos reiste mit seiner Familie im Wohnmobil sechs Monate lang durch Australien. Ein lange gehegter Wunsch – der auch mit einem Schicksalsschlag zu tun hat. Heute Dienstag kehrt die Familie zurück in die Schweiz.
Stefan Roos und Familie
© Jürgen Freund

«Vögeliwohl»: Stefan Roos, Adriana, Samuel und Karin in ihrem Miet-Wohnmobil. Es fehlt hier an nichts.

Als er im Oktober in Darwin im Norden von Australien aus dem Flugzeug steigt, musst Stefan Roos, 45, einen Moment die Augen schliessen. «Wir sind hier. Wir tun es wirklich!» Lange war es sein Traum. Durch Australien reisen, kreuz und quer, den Kindern das Land zeigen, das untrennbar mit der Liebesgeschichte ihrer Eltern verknüpft ist.

Vor über 20 Jahren verliebten sich der heutige Schlagerstar und seine Frau Karin, 43. Kurz darauf trat sie ihren bereits geplanten Sprachaufenthalt in Perth an der Westküste Australiens an. Der frisch verliebte Stefan folgte seiner Angebeteten kurz entschlossen in die Ferien. Seither reisten sie dreimal durch verschiedene Teile von Down Under. Das letzte Mal kurz vor der Geburt ihrer Tochter Adriana, 11. Und sie wussten immer: «Irgendwann wollen wir dieses wundervolle Land unseren Kindern zeigen.»

Nicht nur träumen

Das Problem mit «irgendwann» ist, dass man es oft so lange vor sich herschiebt, bis es zu spät ist. «Du häsch träumt vu Enkelchind – vu a bitz meh freier Ziit. Vu Reisa um dia ganzi Welt – und was z Läba alls no giit», singt Stefan Roos in seinem neusten Song «Z’Läba isch z’churz für irgendwänn». Gewidmet ist das Lied seinem Vater Hans. Dieser starb vor 14 Jahren an Krebs. Er wurde nur 59 Jahre alt. Seine Enkelkinder Adriana und Samuel, 8, hat er nie kennengelernt. Und der Traum von der Weltreise blieb für immer ein Traum.

Das sollte Stefan Roos nicht passieren. Irgendwann durfte nicht irgendwann bleiben. Irgendwann ist jetzt! Zumal Tochter Adriana nun in die 5. Klasse geht und es mit jedem Jahr schwieriger werden würde, sie aus der Schule zu nehmen. Geträumt – getan! Karin und Stefan Roos stellten in ihrer Heimatgemeinde Bad Ragaz SG ein Gesuch, ihre Kinder sechs Monate lang von der Schulpflicht zu entbinden. «Für ein halbes Jahr ist es einfacher, eine Dispens zu bekommen als nur für ein paar Wochen», sagt Roos. Dass es von einigen Seiten her hiess, das sei nur möglich gewesen, weil er ein bekannter Musiker sei, kommentiert er mit einem Schulterzucken.

Die Mama unterrichtet die Kinder selbst

Karin und Stefan Roos entschieden sich dafür, ihre Kinder in Zusammenarbeit mit der Schule selbst zu unterrichten, sodass sie nach ihrer Rückkehr heute Dienstag wieder in ihre alten Klassen zurückkönnen. Jeden Morgen ist Unterricht im Wohnmobil angesagt. Auch am Wochenende. «Rein mit euch», meint Karin Roos deshalb an diesem Samstagmorgen entschlossen. Das gemietete Wohnmobil der Familie steht auf einem Campingplatz in der Nähe des Ferienparadieses Gold Coast an der Ostküste. Während Adriana behände in den Camper klettert, verzieht Samuel das Gesicht. Viel lieber würde er am Strand Möwen jagen. Oder fischen. «Vorgestern», erzählt er begeistert, haben wir einen Tintenfisch gefangen. Der hat Tinte auf mein T-Shirt gespritzt! Wollt ihr mal sehen?»

 

Aber die Mama kennt keine Gnade. «Sie ist viel strenger als meine Lehrerin in der Schweiz», mault Samuel, als er in den Wohnwagen klettert. Karin verdreht die Augen und schliesst die Tür. Die sich kurz darauf wieder öffnet. «Mami!», ruft Adriana genervt. «Samuel macht nichts. Der bastelt nur Papierflüügerli!» Seufzend steht Karin Roos auf und geht zu ihrem Sohn. Auch Stefan setzt sich an den Computer, denn zwischendurch ruft die Arbeit: Termine prüfen, Auftritte bestätigen. Zweimal ist er in die Schweiz zurückgeflogen, um Konzerte zu geben, die vorher bereits bestätigt waren. «Das bin ich meinen Fans schuldig», sagt der Schlagersänger.

Gemischte Gefühle kurz vor der Rückkehr

Von Darwin reiste die Familie anfangs der Westküste entlang nach Perth. Von da aus gings mit dem Flugzeug nach Adelaide in Südaustralien, wo sie Weihnachten und Neujahr bei Freunden verbrachten. «Eine spezielle Zeit», erzählt Stefan Roos. «Gerade Samuel, der sich so auf diese Reise gefreut hatte, bekam Heimweh. Er vermisste die Grosseltern, Onkel, Tanten, Götti, Gotti. Und den Schnee – bei 30 Grad kommt halt nicht wirklich Weihnachtsstimmung auf.»

In Adelaide mietete Familie Roos einen neuen Camper und fuhr gegen Osten bis nach Sydney. Und nach einem Zwischenstopp weiter der Küste nach in den Norden und übers Landesinnere zurück nach Südaustralien. Bald heisst es Abschied nehmen vom Camperleben und zurück in die Schweiz. Der Rückkehr schaut die ganze Familie mit gemischten Gefühlen entgegen. Die Kinder freuen sich auf ihre Freunde. Klar, auf den Campingplätzen haben sie immer wieder mal andere Kids getroffen – für ein paar Tage. Sonst waren sie stets zu zweit.

Pro Tag gibts 200 Franken

«Ou Mann! D Adriana isch soooo blöd!», platzt Samuel heraus, als er aus dem Wohnmobil kommt. «Die Kinder haben mehr Streit als zu Hause. Wir leben ja auch auf so engem Raum. Da ist es schwierig, einander aus dem Weg zu gehen», sagt Stefan Roos. «Also komm, wir gehen fischen», meint er zu seinem Sohn, nachdem dieser ihm hoch und heilig geschworen hat, alle Hausaufgaben erledigt zu haben. Familie Roos lebt hier weit weg von der Bühne und den jubelnden Fans der Schlagerfestivals. Der gefangene Fisch wird selbst ausgenommen und gegrillt. «Wir können ja nicht jeden Tag im Restaurant essen!», findet der Papa.

Das Kassenbuch führt Adriana. 200 Franken stehen pro Tag zur Verfügung. Die Elfjährige trägt jeden gefüllten Tank und jede Übernachtung auf dem Campingplatz gewissenhaft ins Buch ein. Fürs Fotoshooting mit der Schweizer Illustrierten hat sie neue Kleider bekommen. «Für 20 Franken», erklärt sie stolz. Ihr Vater hatte im Hinblick auf die Fotos andere Zahlen im Kopf. Acht Kilo hat er zugenommen während der Reise. Die mussten wieder weg. «Das hab ich fast geschafft», meint er stolz.

Aber was ist schon das eine oder andere Kilo im Gegensatz zu einem grossen Traum? Familie Roos hat ihn sich erfüllt. Und so viel erlebt. Weihnachten im Sommer. Reiten am Strand an Adrianas Geburtstag. Begegnungen mit Kängurus, Koalas, Emus und Schlangen in Naturparks. Familie Roos hat ihr Leben nicht auf «irgendwann» verschoben. Denn das Leben ist zu kurz dafür.

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