Miss Handicap Stefanie: «Männer gehen offener mit mir um»

Am Samstag wird sie vom Thron gestossen - von gleich zwei Personen. Denn erstmals wird neben der Miss Handicap auch ein männliches Pendant gewählt. Mit SI online blickt Stefanie Dettling auf ihr aufregendes Jahr als Schönheitskönigin zurück und sagt, warum es mit der Liebe noch immer nicht geklappt hat.

Ein Jahr lang durfte sie sich Miss Handicap nennen. Ein Titel mit viel Verantwortung: Anders als eine «gewöhnliche» Schönheitskönigin musste Stefanie Dettling neben Botschafter- und Repräsentations- auch Aufklärungsarbeit leisten. Die 19-Jährige hat während ihres Amtsjahres an Podiumsdiskussionen teilgenommen, Schulen besucht, Referate gehalten - immer mit dem Ziel, die Öffentlichkeit aufs Thema Behinderung zu sensibilisieren und mehr Akzeptanz für Menschen mit Beeinträchtigung zu erreichen.

SI online: Ist Ihnen das gelungen, Stefanie Dettling?
Stefanie Dettling: «Das ist schwierig zu beantworten. Schliesslich haben meine Vorgänger eine Menge Vorarbeit geleistet. Es gibt ein afrikanisches Sprichwort: ‹Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, können sie das Gesicht der Welt verändern.› Gemeinsam konnten wir bestimmt etwas ausrichten.»
Das klingt bescheiden. Es gibt sicherlich Situationen, in denen Sie gemerkt haben, etwas erreicht zu haben.
«Ich war immer gerne an Schulen. Der Wandel der Kinder - von zurückhaltend bis zu neugierig und hilfsbereit - war toll zu beobachten. Zu meinem Geburtstag habe ich von einer Klasse ein Paket mit Briefen erhalten, in denen sie schilderten, was sie von mir gelernt haben. Ausserdem schenkten sie mir eine neue Hupe für meinen Rollstuhl. Das hat mich sehr gefreut.»

Ihr engstes Umfeld nimmt den Rollstuhl hingegen gar nicht mehr wahr - Stefanie ohne Gehhilfe kennen sie nicht. Ein halbes Jahr nach ihrer Geburt erlitt die Zürcherin aufgrund einer Quecksilbervergiftung einen Impfschaden. Seither ist sie querschnittsgelähmt und kann ihre Arme nur beschränkt bewegen. Dennoch hat sie eine normale Schule besucht. Und ist heute kaufmännische Angestellte bei der Zürcher Kantonalbank in einem 50-Prozent-Pensum. Gemäss Arbeitskollegen merke man nichts von ihrer Behinderung.

Konnten Sie während Ihres Amtsjahres auch bei Männern Schranken abbauen?
«Tatsächlich sind die Männer mit mir als Miss Handicap offener umgegangen. Ich habe viel Fanpost erhalten, teilweise mit konkreten Date-Anfragen.»
Erzählen Sie. Hat sich daraus etwas ergeben?
«Nein. Ich bin immer noch Single und nicht verbissen auf der Suche nach einem Freund. Ich bin ja noch jung.»

Stefanie Dettling hat zurzeit andere Dinge im Kopf als Männer. Arbeit zum Beispiel. Am Samstag muss sie ihre Krone, nicht aber ihre Botschafter-Funktion abgeben. Sie wird weiterhin im Dienste der Miss-Handicap-Organisation stehen. Schon jetzt ist ihre Agenda voll mit Terminen, zudem führt sie die nächsten Wochen ihre Nachfolgerin ins Amt ein. Und ihren Nachfolger: Zum ersten Mal wird auch ein Mister Handicap gewählt.

Was raten Sie der Miss und dem Mister Handicap 2012?
«Sie sollen ihr Jahr geniessen. Und alles so nehmen, wies kommt.»
Sind Sie wehmütig, dass Ihr Jahr bald vorbei ist?
«Ich werde vieles vermisssen. Aber es ist auch gut, dass es nun frischen Wind gibt.» 
Haben Sie einen Favoriten unter den Kandidatinnen und Kandidaten?
«Ich kann mich nicht entscheiden. Alle würden ihren Job super machen.»

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