Steff la Cheffe «Manchmal wird mir alles zu viel»

Mit «Vögu zum Geburts­tag» stieg sie auf Platz 1 der Schweizer Albumcharts ein. Die Berner Rapperin Steff la Cheffe über ihre ersten Flugversuche, das Abheben und ihr Nest zu Hause in Bern. Ein Treffen in Zürich, wohin sie ausfliegt, um ihre Platten aufzunehmen. 
Steff la Cheffe
© Bernard van Dierendonck

Steff la Cheffe hebt vor ihrem Tonstudio in Zürich ab. Ihr Album «Vögu zum Geburtstag» und ihr Hit «Ha ke Ahnig» erreichten Goldstatus und sind beide bei den Swiss Music Awards nominiert. 

Schweizer Illustrierte: Wenn Steff mal Cheffe wäre, was würden Sie in der Schweiz verändern?
Steff la Cheffe: Ich finde es schade, dass es in so einem reichen Land wie der Schweiz immer noch Menschen gibt, die 100 Prozent arbeiten und ihre Familie trotzdem nicht durchbringen. Das ist doch ein Armuts­zeugnis.

Ihre Kindheit war nicht einfach. Ihr Vater hat die Familie früh verlassen, Ihre Mutter bezog Sozialhilfe. Wie hat Sie das geprägt?
Der Puffer zwischen meiner Kinderwelt und der Realität war wohl ziemlich früh weg. Ich fand es vor allem schlimm für meine Mutter. Mein jüngerer Bruder ist Autist. Er hatte einen anderen Stunden­plan als ich und kam früher von der Schule heim. Darum stellte niemand meine Mutter ein. Wen interessieren schon solche Probleme?

Ein Song auf dem zweiten Album handelt von der Wahrnehmungsstörung Ihres Bruders. Das ist sehr privat. Zu privat? 
Warum soll ich denn nicht darüber sprechen? Ich habe kein Problem damit und mein Bruder schon gar nicht. Das macht die Musik ja auch spannend.

Sie brauchen den persönlichen Aspekt in Ihrer Musik?
Absolut. Ich schreibe genau über The­men, die mich bewegen. Zudem will ich Kontrapunkte setzen. Neben «Ha ke Ah­nig» soll auch ein nachdenklicher Song wie «Chrieg i dim Chopf» Platz finden.

Gibts denn nichts, was Sie für sich be­halten wollen?
Ich würde niemals eine Liebesbezie­hung an die Öffentlichkeit zerren. 

Dann erübrigt sich die Frage nach einem Mann in Ihrem Leben?              
Ja.

Auf der Bühne sind Sie immer die taffe Steff. Müssen Sie da etwas kompensie­ren?
Nein. Das ist Hip­-Hop-­Attitude, ich muss doch mit diesen obermegacoolen Jungs mithalten. Es ist ein Spiel, und ich spiele es einfach mit. Ich kokettiere gern mit der Coolness. Manchmal zeige ich auch meine verletzliche Seite. Je­mand hat mir mal gesagt: «Du bist kei­ne harte Frau, sondern eine starke Frau.» Und dem würde ich zustimmen.

Diese starke Frau ist für viele ein Vorbild. Sind Sie sich dessen bewusst?
Ja. Ich habe diese Überlegungen eigent­lich schon von Anfang an mit einbe­zogen. Und versuche, mir das eine oder andere Fluchwort zu sparen, aber ganz darauf verzichten will ich auch nicht.

Hat Sie Ihr Erfolg in den drei vergange­nen Jahren verändert?
Je mehr ich mich exponiere, desto mehr will ich nachher alleine in meiner Wohnung sein. Die Leute sagen mir immer, du darfst dich nicht verändern.

Das stell ich mir schwierig vor.
Das ist es auch. Die Menschen reagieren anders auf mich und tun so, als wäre ich mega wichtig. Dabei bin ich noch immer der gleiche Mensch wie vorher. Ich kann jedenfalls von mir behaupten, dass mir der Erfolg nicht zu Kopf ge­stiegen ist.

Wann nervt es, Steff la Cheffe zu sein?
Es gibt schon Momente, wo mir alles zu viel wird. Wenn ich zum Beispiel in Bern den 18­Uhr­ Zug nehme, und plötz­lich schnall ich: all diese Menschen! Da hab ich mir auch schon ein 1.­-Klas­se-­Upgrade gelöst, um meine Ruhe zu haben. Nur weil ich nun bekannter bin, bin ich noch lange kein Allgemeingut. Ich hab manchmal schon fast einen Ekel davor.

Wie schalten Sie ab? 
Mein Zuhause ist meine Oase. Hier bekoche ich meine Freunde. Ich habe mir auch einen Kräutergarten auf dem Balkon angelegt. Die Pflanzen sind mei­ne Haustiere. Wenn ich heimkomme, kümmere ich mich als Erstes um sie.

Was tun Sie in zehn Jahren? 
Keine Ahnung. Ich werd wohl noch Musik machen. Und vielleicht habe ich dann schon eine Familie. Wenn ich in den letzten drei Jahren etwas gelernt habe, dann, dass alles schon irgendwie gut kommt. Ich werde meinen Weg gehen. 

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