Zu Besuch bei Steffi Buchli und ihrem Töchterchen «Ich bin für Karlie ein Vorbild»

Seit über einem halben Jahr steht sie an der Spitze des TV-Senders MySports. Als berufstätige Mutter mit Vollzeitpensum ist Steffi Buchli Meisterin im Priorisieren. Und privat? Da thront sie neuerdings über Zürich.
Steffi Buchli Homestory
© Geri Born

Steffi Buchli wohnt vorübergehend mit ihrer Familie im elften Stock der Residenz Gustav in Zürich.

Gleich im Entrée beim Concierge melden, er bringt Sie dann hoch. Die Instruktion klingt simpel, lässt aber eher eine Adresse in New York als in Zürich vermuten. Doch Steffi Buchli, 39, wohnt in Zürich. Dies zwar nur vorübergehend, dafür aber richtig: Das möblierte Appartement im elften Stock der Residenz Gustav bietet eine atemberaubende Sicht über Zürich, befreit seine Bewohner von Hausarbeiten – und Concierge Nessar liefert die Gäste quasi ins Wohnzimmer.

«Lässig, oder?», empfängt die Fernsehfrau und erklärt, dass das Zuhause am Zürichsee gerade umgebaut würde und sie die Zeit des Überbrückens zum «Event» habe machen wollen.

Steffi Buchli, ein neuer Job, eine zweijährige Tochter, ein beruflich engagierter Ehemann – läuft da nicht schon genug?
(Lacht.) Als Stadtkind wollte ich schon immer mal in einem Hochhaus leben. Das war die Chance. Karlie beobachtet vom Fenster aus gerne die Züge. Auch ich geniesse diesen Blick. Hier hinterm Hauptbahnhof geht es in die Welt hinaus. 

Steffi Buchli Homestory
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Weniger ist mehr: «Ernüchternd ist, wir sind mit dem Nötigsten hier eingezogen – und es fehlt uns an nichts.»

 

Fürs SRF berichteten Sie von  Olympischen Spielen aus Rio, moderierten in St. Moritz im Iglu. Jetzt sitzen Sie bei MySports in Erlenbach. Juckt das «Reisefüdli»?
Hinter mir liegt mein beruflich intensivstes Halbjahr. Einen Sender ins Leben zu rufen, verbraucht und fordert einen sehr. Doch es ist belebend. War ich vorher ein Rollenspieler, trage ich nun die Verantwortung und setze Leitplanken. Zurzeit schätze ich es, mehr mit der Familie zu reisen.

Auch wenn der Sport längst seine Unschuld verloren hat und eine gigantische Industrie dahinter steht, ist es schliesslich nur ein Spiel – und spielerisch soll es auch bleiben.

Nie Angst gehabt, in der öffentlichen Wahrnehmung vergessen zu gehen?
Bei den ersten Sports Awards beispielsweise habe ich erwartet, dass Wehmut aufkommt. Doch sie blieb aus. Ich hatte eine tolle Zeit beim SRF. Nun ist die Bühne zwar kleiner, aber ich glaube daran, dass sich MySports zu etwas Grossem entwickeln wird. Ausserdem habe ich Fernsehen nie wegen dem Applaus gemacht, sondern weil ich das Handwerk toll finde.

Steffi Buchli Homestory
© Geri Born
«Früher gönnte ich mir Yoga, ging shoppen oder zur Maniküre – heute ist die Zeit für mich alleine rarer geworden.»

In der Startphase von MySports hatten Sie viel Studiodienst, jetzt sind Sie wieder in den Eishockeystadien zu sehen – ist auch Ihr Sender in Playoff-Form?
Wir haben ein gutes Level erreicht, sind nah dran, setzen Themen. Unsere Studiogäste bieten Spannung und Kompetenz. Auch kuratieren wir das Eishockey-Geschehen – was man anderntags in der Kaffeepause wissen muss, geben wir. Klar unterlaufen uns Fehler, doch die Lernkurve ist gut.

Auch wenn ich gerne würde, nicht alles lässt sich über Nacht lösen.

Als Programmchefin prägen Sie den Sender massgebend. Wie muss Sport-TV Ihrer Meinung nach daherkommen?
Wir machen klar Unterhaltung. Auch wenn der Sport längst seine Unschuld verloren hat und eine gigantische Industrie dahinter steht, ist es schliesslich nur ein Spiel – und spielerisch soll es auch bleiben. Objektivität und Professionalität bei der Umsetzung natürlich vorausgesetzt.

Wie professionell behandeln Sie das Thema Eishockey am Familientisch mit Ihrem Ehemann Florian Kohler, dem Swiss-Ice-Hockey-CEO? 
Unsere Regelung ist seit SRF-Zeiten dieselbe: Dinge, die der andere offiziell nicht wissen darf, sagen wir einander nicht. Das ist besser für mich, denn ich trage das Herz auf der Zunge. Wenn ich Florian etwas aus meinem Berufsleben erzähle, betrifft es zwischenmenschliche Themen.

Was entgegnen Sie der Behauptung, Ihr Mann sei Ihr Türöffner gewesen?
Darüber kann ich nur noch müde lächeln. In meinem Job habe ich mir die Sporen hart abverdient.

Nach 13 Jahren Sportjournalismus übernehmen Sie erstmals eine  Führungsposition. Was ist für Sie dabei die Herausforderung?
Das Priorisieren, und die Perfektionistin in mir zu zähmen. Auch wenn ich gerne würde, nicht alles lässt sich über Nacht lösen. Auch hatte ich bis jetzt zu wenig Zeit für mein Team. Ich möchte Ruhe reinbringen, regelmässig debriefen – das alles kommt noch zu kurz. Die Begeisterung meiner Mitarbeiter zu sehen, ist hingegen wunderbar. 

Wie äussert sich diese?
Im Team herrscht ein positiver Groove. Ärmel hochkrempeln und anpacken. Kein Klönen. Und das Beste: Am Morgen reicht jeder dem Kollegen zum Gruss die Hand. Eine tolle Geste. Das gefällt mir.  

Sie tragen stets zwei Handys auf sich. Wie fahren Sie abends runter?
Play-Doh (bunte Knetmasse für Kinder) spielen. Mit Karlie selbstverständlich. Sie ist mein natürlicher «Runterholer». Bin ich nicht bei der Sache, kommt die Rechnung sofort.

Steffi Buchli Homestory
© Geri Born
Teamwork: Mama Steffi und Töchterchen Karlie verbindet so einiges – etwa kochen und essen.

Und wo bleiben die Handys? 
Die stelle ich auf lautlos und lege sie weit weg. Mein Mann und ich disziplinieren uns, in Karlies Gegenwart möglichst nicht an diesen Geräten rumzufingern. Dummerweise hat die Kleine grad die iPhone-Kamera entdeckt, was ich wiederum sehr lustig finde. 

Wie zielgerichtet fotografiert sie?
Ihre Motiv-Wahl ist sehr freestyle. Raffinierterweise schafft sie es aber immer wieder, von der Kamera zu einem Peppa-Pig-Filmchen auf Youtube zu wechseln.

Bei aller Liebe zu meiner Tochter, die Regeln sollten wir Eltern setzen, nicht das Kind.

Ein kleines Schlitzohr halt! Von wem Karlie das wohl hat?
(Lacht.) Von beiden! Ihr Äusseres hat sie aber eher von Florian. Abgesehen davon ist sie eine lustige Tante – und ein charmantes Spiegel-Äffli. Diese Eitelkeit hat sie wahrscheinlich von mir. 

Ihre Erkenntnis nach zwei Jahren Muttersein?
Ich empfinde es als etwas sehr Intensives, Schönes und Forderndes. Mir ist klar, wie sehr ich ein Vorbild für Karlie bin. Anfangs ist alles noch herzig, doch jetzt fühle ich mich gefordert. 

Steffi Buchli Homestory
© Geri Born
Zeit mit Karlie: «Ich liebe unsere Rituale: das Einschlafliedli, zusammen essen, pläuderlen und Chabis machen.»

Kennen Sie das Gefühl der Überforderung? 
Selbstverständlich. Wenn einen das kleine Menschlein, das man über alles liebt, den ganzen Tag lang provoziert, fällt es schwer, dies nicht persönlich zu nehmen. Klar lernt man damit umzugehen. Trotzdem bin auch ich manchmal froh, dass es Abend ist. 

Wie streng sind Sie als Mutter?
Es gibt Regeln, denen sich unser Kind unterordnen muss. Mein Mann und ich halten uns an das Standardwerk «Warum französische Kinder keine Nervensägen sind». Bei aller Liebe zu meiner Tochter, die Regeln sollten wir Eltern setzen, nicht das Kind.

In der Schwangerschaft sagten Sie, sie seien sensibler geworden. Ist das noch immer so?
Allerdings. Als ich kürzlich den Sportpreis der Stadt Zürich moderierte, rührte mich die Rede der Mutter eines Gewinners zu Tränen.

Wir haben uns für eine Nanny entschieden und sind damit glücklich. Mehr Toleranz würde ich in dieser Thematik sehr begrüssen. 

Nicht gut fürs Augen-Make-up …
Sehr ungünstig. Da hilft nur eines: an Brot denken. 

Geschnitten, getoastet, gefroren?  
(Lacht.) Völlig egal. Probieren Sie es aus. Es funktioniert.

Wie oft werden Sie als Mutter auf Ihr Vollzeitpensum angesprochen? 
Sehr oft. Dabei ist die Entscheidung, wie man als Familie leben will, äusserst individuell. Wir haben uns für eine Nanny entschieden und sind damit glücklich. Mehr Toleranz würde ich in dieser Thematik sehr begrüssen. 

Werden Sie gefragt, warum Sie ein Kind haben, wenn doch jemand anders zu ihm schaut?
So direkt würde keiner fragen – aber ja, darum geht es. Was niemand weiss, ich setze meine Prioritäten sehr strikt. Meine Arbeit ist Beruf und Hobby, daneben dreht sich alles um unsere kleine Familie. 

Worauf verzichten Sie?
Freundinnen-Weekends, dreimal die Woche Ausgang, und aufwendige Hobbys habe ich auch keine. Mein Job ist zwischendurch wie Fallschirmspringen, also aufregend genug. 

Wie locker stecken Sie Kritik an Ihrer Person weg?
Was Äusserlichkeiten anbelangt, habe ich den Teflon-Status erreicht. Ich bin nun mal kein süsses Pony. Bei fachlicher Kritik hingegen höre ich immer sehr gut hin. Wenn mich jemand eine Rabenmutter schimpft, komme ich gelegentlich ins Grübeln. 

Und schon ist es da, das schlechte Gewissen berufstätiger Mütter?
Leider ja. Das scheint uns Müttern eigen zu sein. Ich hoffe, dass wir uns irgendwann davon befreien können. An Brot zu denken, reicht hier leider nicht aus. 

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