Steffi Buchlis WM-Kolumne Sieben Gründe für Einsam-Viewing

Sie ist unsere WM-Kolumnistin! Steffi Buchli, 39, Moderatorin und Programmchefin des Sportsenders MySports. Bis 2017 arbeitete sie fürs SRF – auch an mehreren Fussball-Grossanlässen. In ihrem dritten Beitrag beschreibt Buchli, warum sie lieber zu Hause Fussball schaut.
Steffi Buchli Homestory
© Geri Born

Steffi Buchli, 39, ist Moderatorin und Programmchefin des Sportsenders MySports. Bis 2017 arbeitete sie fürs SRF – auch an mehreren Fussball-Grossanlässen.

Public Viewing – wann wurde dieses Unwort überhaupt 
erfunden? 2006, sagt Wikipedia. Falls Sie übrigens gerade Ferien in Grossbritannien machen, 
fragen Sie bitte nicht nach dem spassigsten Public Viewing. 
Im englischen Sprachraum versteht man darunter nämlich 
die Aufbahrung von Toten, meist 
ein Anlass mit bescheidenem Spassfaktor. Man schaut also heute Fussball in der Grossgruppe. Warum bloss? Es spricht doch so vieles dagegen.

1. Schlechte Sicht: Die Grossbildschirme sind in Tat und Wahrheit sehr klein. Weil eine Säule im Weg steht oder weil 
der einzige Zwei-Meter-Mann im Raum direkt vor einem sitzt, sieht man nicht selten nicht 
nur wenig, sondern gar nichts.

2. Direkte Sonneneinstrahlung: Das TV-Bild in der 
Gartenbeiz erinnert ab der 
4. Minute an den schlechten Hellraumprojektor des Bio-
Lehrers in den frühen 80er-Jahren. Bis Sonnenuntergang in 
der 92. Minute sieht keiner was.

Auch Bügeln geht nicht

3. Mangelnde Grundversorgung: Schon vor Anpfiff gibts keine Würste mehr, in der 
Halbzeitpause ist das Cola Zero alle (ich mag kein Bier), und Toiletten gibt es nur drei, 
eine davon ist zudem immer verstopft. Jetzt schreien alle Public-Viewing-Betreiber schon: ‹Halt, Buchli, bei uns ist alles viel besser!› Gut möglich, aber das waren ja erst drei Punkte.

4. Sitznachbar Typus I: 
Der Allwissende. ‹Spiel tiiief! O Mann, wie kann man dem 5,6 Millionen Jahressalär zahlen? Völlig überbewertet, die Pfeife!›

5. Sitznachbar Typus II: Er 
ist sturzbetrunken, röhrt unverständliche Anfeuerungsrufe. 
Ab Minute 70 liegt er Gesicht 
voran in einer Bierlache und 
sagt gar nichts mehr.

Offside, kännsch?

6. Sitznachbar Typus III: 
Der Gelegenheitsfan. Er ruft 
selbstbewusst und richtig laut: ‹Warum pfeift jetzt der Scheiss-Schiri?› Offside, kännsch? Für die meisten Vorrundenspiele reichen 30 Prozent der Aufmerksamkeit. Und damit sind wir beim ultimativ besten Grund überhaupt für Einsam-Viewing:

HO

«Auch Bügeln geht nicht» 
Public Viewing, wie hier am 
vergangenen Freitag im Wylerbad in Bern, ist nichts für Steffi Buchli.

7. Der Transport des Bügelbretts, des Bügeleisens und 
der Wäsche hin zu einem Public 
Viewing ist – vor allem mit den ÖV – äusserst beschwerlich. 
Zudem erntet man sehr viele 
fragende Blicke, wenn man zehn Minuten vor Anpfiff zwischen den Festbänken seinen ‹Arbeitsplatz› einrichtet.

Vielleicht gehe ich ab den 
Achtelfinalspielen mal wieder öffentlich Fussball schauen. Dann steigt die Spannung, und Parallel-Beschäftigungen liegen ohnehin nicht mehr drin. Bis dahin finden Sie mich zu Hause, mit Bügelbrett, handverlesenen Sitznachbarn und 
eigener Toilette. Aber sonst bin ich ganz normal.

Lesen Sie weitere Beiträge von Steffi Buchli: «Die Fussball-Stars im Viehgatter» und «Von Schauspielern und richtig grossen Bobos»

 
 
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